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Bundestagswahl

»Meckern alleine reicht nicht«

03.09.2013  17:53 Uhr

Von Brigitte M. Gensthaler / Der Ingolstädter Apotheker Anton Brandl kandidiert erstmals für die FDP bei der Bundestagswahl. Die PZ hat mit dem Inhaber der Oberen Apotheke über sein politisches Engagement und Herausforderungen in der Arznei­mittelversorgung gesprochen.

PZ: Seit wann und warum engagieren Sie sich bei der FDP?

 

Brandl: Ich bin seit mehr als zehn Jahren in der FDP aktiv. Der Auslöser war eine Veranstaltung der Ingolstädter FDP zur Patienten- und Datensicherheit, an der Sabine Leutheusser-Schnarrenberger teilnahm. Die Diskussion hat mich so beeindruckt, dass ich spontan der FDP beigetreten bin. 2011 wurde ich in den Vorstand des Bezirksverbands Ingolstadt gewählt und jetzt kandidiere ich für den Bundestag. Wenn man politisch etwas bewegen will, muss man selbst aktiv werden. Meckern alleine reicht nicht. In Ingolstadt hatte die CSU sehr lange die absolute Mehrheit. Ein kritischer Partner, der Einfluss nimmt und Korrektiv sein kann, tut hier gut.

PZ: Auf Ihrem Flyer für die Bundestagswahl fallen die Begriffe Chancen für morgen, Freiheit und Verantwortung auf. Was bedeuten diese Themen für Apotheker?

 

Brandl: Freiheit und Verantwortung gehen Hand in Hand. Jeder kann seinen Lebensstil frei wählen, muss aber auch Verantwortung für seine Gesundheit tragen. Ich finde die freie Arzt-, Apotheken- und Krankenkassenwahl in unserem Gesundheitswesen sehr wichtig. Für Apotheker heißt es: Sie brauchen Entscheidungsfreiheit in ihrem Betrieb, damit sie sich eigenverantwortlich positionieren können. Als Apotheker und Gesundheitsökonom plädiere ich sehr für die unternehmerische Freiheit. Von Großkonzernen geführte Apothekenketten helfen uns nicht. Wir wollen die inhabergeführte Apotheke mit ihren unterschiedlichen Ausrichtungen. Der ordnungspolitische Rahmen muss Diversifizierung und Entfaltung ermöglichen.

 

PZ: Wie können Apotheker mehr Verantwortung für ihre älteren Kunden und Patienten übernehmen?

 

Brandl: Wann immer es um Arzneimittel geht, sind wir der erste Ansprechpartner. Ältere Menschen sind oft sehr verunsichert durch Rabattarzneimittel. Hier beraten und begleiten wir, um den Therapieerfolg zu sichern. Auch in Hospizen und auf Palliativstationen sollten Apotheker als Berater für Patienten und Ärzte eingebunden werden. Die Geriatrie und die Palliativversorgung sehe ich als große Zukunftsfelder.

 

PZ: Leistung hat ihren Preis. Werden Apotheker für ihre Arbeit gut und gerecht bezahlt?

 

Brandl: Gut und gerecht sind schwierige Begriffe. Aber wenn man die flächendeckende Versorgung mit Apotheken sicherstellen will, muss man das Honorar anpassen. Es ist dringend nötig, die tägliche, auch nervenaufreibende Arbeit in der Apotheke besser zu würdigen. Viele Kollegen sind an ihren Grenzen angelangt. Und der wirtschaftliche Spielraum ist bei den Krankenkassen da. Unsere pharmazeutische Beratung muss vergütet werden. Wir können nicht die komplette Medikation inklusive Selbstmedikation eines multimorbiden Patienten zum Nulltarif überprüfen. Therapieoptimierung geht nicht ohne Ausgleich. Letztlich wird das Budget dadurch vermutlich nicht be-, sondern entlastet. Ein weiteres Problem: Durch die Rabattverträge wurde zwar gespart, aber es gibt keine Transparenz über die tatsächlichen Arzneimittelkosten mehr. Das erbost viele Kollegen.

 

PZ: Was halten Sie von Apothekenbussen zur Versorgung von Menschen in abgelegenen Regionen?

 

Brandl: Für wirklich schlecht versorgte Regionen oder in krassen Ausnahmefällen könnte es eine Zwischenlösung sein. Aber angesichts der Anforderungen, die an Apotheken gestellt werden, kann ich mir nicht vorstellen, wie ein Bus diese erfüllen soll. Es ist viel sinnvoller, die Existenz von Apotheken auch in kleineren Orten zu fördern, zum Beispiel durch variablere Öffnungszeiten. Entscheidend ist, dass die Arzneimittelversorgung der Bürger sichergestellt ist, ohne den Apotheker zu stark zu belasten.

 

PZ: Bitte vervollständigen Sie den Satz: Die Chancen für morgen liegen für die Apotheker …..

 

Brandl: … im verstärkten Einsatz ihrer Kompetenz in allen Fragen rund um Arzneimittel. Dies sichert die erfolgreiche und wirtschaftliche Zukunft der Apotheken. /

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