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Arbeitsschutz

Wie Apotheken Gesundheit vorleben

03.09.2007
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Arbeitsschutz

Wie Apotheken Gesundheit vorleben

Von Uta Grossmann

 

Jede dritte Apothekenangestellte ist mit ihren Arbeitsbedingungen unzufrieden, ergab eine Umfrage. Häufigster Grund ist die hohe Arbeitsbelastung. Mit einem zertifizierten Qualitätsmanagement samt integriertem Arbeitsschutz können Apotheker arbeitsbedingte Krankheiten vermeiden und die Motivation der Mitarbeiter stärken.

 

Gesunde Mitarbeiter, ein sicheres Arbeitsumfeld und eine höhere Leistungsqualität verspricht die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) Apotheken, Kliniken, Arztpraxen, Altenpflegeheimen und anderen Betrieben aus der Gesundheitsbranche. Wie das geht? Die Antwort der Genossenschaft lautet: mit ihrem zertifizierten Qualitätsmanagementsystem mit integriertem Arbeitsschutz, kurz qu.int.as.

 

Professionelle Abläufe sparen Geld

 

Der Bedarf für eine solche Professionalisierung der Arbeitsbedingungen ist da. Eine Umfrage der Apothekengewerkschaft Adexa ergab, dass 31 Prozent der angestellten Mitarbeiter in öffentlichen Apotheken an ihrem Arbeitsplatz unzufrieden sind. Am häufigsten beklagten die Befragten, dass die große Arbeitsbelastung, die durch Rabattverträge und Personalknappheit verstärkt wird, nicht ausreichend anerkannt und honoriert werde.

 

Unmotiviertes und überlastetes Personal ist häufiger krank und bringt weniger Leistung. Gute Gründe, um die Arbeitsabläufe mithilfe des Qualitätsmanagementsystems qu.int.as zu professionalisieren. Die Berufsgenossenschaft wirbt damit, dass sich die Investition in den Aufbau eines solchen Systems rechne. Auf lange Sicht, argumentiert die BGW, sparen eine optimierte Organisation, transparente Prozesse, bessere Leistungen, eine geringere Mitarbeiterfluktuation und weniger berufsbedingte Erkrankungen Kosten ein.

 

Um den Apothekern die Entscheidung für qu.int.as zu erleichtern, bietet die Berufsgenossenschaft Mitgliedsbetrieben eine finanzielle Förderung an. Sie zahlt eine Prämie für die erfolgreiche Integration des Arbeitsschutzes in das Qualitätsmanagementsystem in Höhe von 50 Prozent der Zertifizierungskosten und übernimmt bis Ende 2008 die Hälfte der Kosten für einen Berater, der in die Apotheke kommt und die Einführung des qu.int.as-Systems unterstützt.

 

Unter den Arbeitsschutz, der mit einem solchen System professionell in den Apothekenbetrieb implementiert wird, fällt der Umgang mit gefährlichen Substanzen ebenso wie die Entwicklung neuer Arbeitsverfahren. So sollte zum Beispiel beim Kauf eines neuen Gerätes auf die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter geachtet werden, erläutert Frauke Rothbarth, bei der BGW Medienreferentin in der Abteilung qu.int.as.

 

Wenn eine Apotheke sich dafür entscheidet, qu.int.as einzuführen, wird zunächst die Arbeitssituation analysiert. Kundenwünsche müssen ermittelt, die Zufriedenheit und die Belastungen der Mitarbeiter ermittelt, rechtliche Anforderungen geklärt und die Arbeitsbedingungen beurteilt werden. Die Implementierung startet mit der Schulung der Mitarbeiter, Ziel ist die Zertifizierung. Im Verlauf des Prozesses werden arbeitsschutzspezifische Anforderungen in den täglichen Ablauf integriert.

 

Geschärftes Bewusstsein

 

Joachim Powalowski, Inhaber der St. Martin-Apotheke in Lauingen, hat festgestellt, dass sich mit der Einführung von qu.int.as das Bewusstsein der Mitarbeiter für mögliche Gefährdungen in der Apotheke geschärft habe. »Im Rezeptur- und Laborbereich geht man durchaus mit nicht ungefährlichen Substanzen um. Früher war der Umgang damit sorgloser«, sagt er (siehe Interview).

 

Wie bedeutsam das Verhalten von Führungskräften für die Gesundheit und das Engagement der Mitarbeiter ist, hat jüngst wieder eine Befragung ergeben. Mehr als 180 Unternehmen wurden für »Move Europe« interviewt. Die Kampagne läuft derzeit parallel in 27 europäischen Ländern parallel. Sie ist eine Initiative des Europäischen Netzwerks zur betrieblichen Gesundheitsförderung und wird vom Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) koordiniert. Das Ergebnis der Befragung verdeutlicht, dass sich Gesundheit und Führungsverhalten gegenseitig beeinflussen. Eine gesundheitsfördernde Unternehmenskultur ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer repräsentativen Befragung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und des Bundesinstituts für Berufsbildung angeraten. Die Befragung von 20.000 Beschäftigten ergab, dass jeder zehnte Arbeitnehmer in Deutschland seinen Gesundheitszustand als weniger gut oder schlecht beurteilt. Am häufigsten sind Klagen über Schmerzen im Nacken, Rücken, an den Schultern und allgemeine Erschöpfungszustände. Jeder vierte Betroffene fühlt sich durch Stehen, jeder fünfte durch Sitzen belastet.

Kontakt

Informationen über das qu.int.as-System für ein zertifiziertes Qualitätsmanagement mit integriertem Arbeitsschutz gibt die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, Telefon (040) 2 02 07-0, Fax -525, quintas(at)bgw-online.de, www.bgw-online.de.

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