Pharmazeutische Zeitung online
Arzneimitteltherapie

Online auf Risiken testen

27.08.2013
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Von Verena Arzbach / Zwei Medizininformatiker von der Universität Bielefeld haben ein Informationssystem für unerwünschte Arzneimittelwirkungen entwickelt. Nutzer sollen auf der geplanten Internetseite zukünftig zum Beispiel prüfen können, welche Nebenwirkungen ein Medikament hat und mit welchen Arzneien es bei gleichzeitiger Einnahme zu Interaktionen kommen kann.

Das Informationssystem KALIS (Krankheiten-Arzneimittel-Lebensmittel-Informationssystem) soll laut Entwickler Alban Shoshi in etwa einem Jahr online gehen. Der Medizininformatiker hat für das zusammen mit seinem Kollegen Dr. Sebastian Janowski entwickelte Projekt vom Bundeswirtschaftsministerium ein Gründerstipendium in Höhe von 78 000 Euro erhalten. Das Angebot werde sich hauptsächlich an Patienten richten, erklärte Shoshi im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. Aber auch Ärzte und Apotheker sowie Mitarbeiter von Krankenkassen und Pflegeheimen sollen das Programm nutzen können.

 

Der Nutzer müsse auf der Website lediglich die verordneten Medikamente eingeben, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität Bielefeld. Anschließend prüfe die Software die Arzneien in einer internen Datenbank automatisch auf ihre Risiken, Kontraindikationen, ihr Interaktionspotenzial und darauf, welche Wirkstoffe zur Unverträglichkeit bestimmter Lebensmittel führen können. Auch werde das System alternative Therapien vorschlagen, beispielsweise ein indikationsgleiches Medikament oder ein homöopathisches Präparat, sagte Shoshi.

 

Potenzielle Kunden sollen nicht nur online auf das System zugreifen können, sondern es soll auch in einer Version ausgeliefert werden, die ohne Internetzugriff funktioniert. Welche Informationen dem Laien in der Datenbank zugänglich gemacht werden dürften, gelte es jedoch noch zu klären, so der Entwickler. Auch ob die Nutzer für das Angebot zahlen müssen oder ob es gratis verfügbar sein soll, steht laut Shoshi noch nicht fest. /

Kommentar

Kein Ersatz

Angebote wie die geplante Onlinedatenbank können die Beratung durch Apotheker oder Ärzte bestenfalls ergänzen, aber keinesfalls ersetzen. Heilberufler müssen unbedingt die erste Anlaufstelle bei Fragen zu Neben- und Wechselwirkungen bleiben. Zwar dienen solche Internetangebote sicherlich der Information und Selbstbestimmung des Patienten. Wichtig ist jedoch, dass er nicht mit einer Fülle von Informationen allein gelassen wird. Vieles kann der Laie kaum richtig einschätzen und interpretieren, beispielsweise Daten zur Häufigkeit von Neben- oder Wechselwirkungen. Dies kann die Angst vor Medikamenten schüren und schlimmstenfalls dazu führen, dass Patienten wichtige Arzneimittel eigenständig absetzen oder gar nicht erst einnehmen – mit möglicherweise fatalen Folgen. Zu einer erfolgreichen und sicheren Arzneimitteltherapie gehört immer ein Heilberufler, der dem Patienten die Wirkweise seiner Medikamente erklärt und auf dessen Fragen eingeht. Für diese individuelle Beratung ist keine noch so umfangreiche Datenbank ein adäquater Ersatz.

 

Verena Arzbach

Redakteurin Pharmazie

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