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Helicobacter pylori

Wer sich testen lassen sollte

25.08.2008  16:35 Uhr

Helicobacter pylori

Wer sich testen lassen sollte

Von Elke Wolf, Frankfurt am Main

 

Der Magenkeim Helicobacter pylori ist kein unbescholtener Geselle. Unter anderem gehen Duodenal- und Magenulzera, atrophische Gastritis oder Magenkarzinome auf sein Konto. Dann ist eine Eradikation angesagt. Gleiches gilt für Patienten, die sich einer NSAR-Langzeittherapie unterziehen müssen. 

 

Das Magenbakterium gräbt sich unter die Schleimschicht der Magenwand und heftet sich dort an die Zellen der Magenschleimhaut. Diese reagieren irritiert; eine Gastritis, die allerdings auch stumm verlaufen kann, ist die Folge. Ob sich die Gastritis mit der Zeit zu einem Geschwür auswächst, ist von Patient zu Patient verschieden. Tatsache ist: Etwa 80 Prozent der Magenschleimhautentzündungen, 90 Prozent der Zwölffingerdarm- sowie 70 bis 80 Prozent aller Magengeschwüre gehen zu Lasten des Magenbakteriums. Auch erhöht sich das Risiko, Magenkrebs zu bekommen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO stufte dementsprechend H. pylori als einen pathogenetisch bedeutsamen Faktor für Magenkarzinome ein.

 

In den meisten Fällen macht sich der bakterielle Mitbewohner mit Schmerzen, Völlegefühl oder Übelkeit bemerkbar. »Grundsätzlich werden bei uns alle Patienten, die wegen länger anhaltender Oberbauchbeschwerden zur Gastroskopie kommen, standardmäßig auch auf H. pylori untersucht«, informierte Privatdozent Dr. Nicolas Hoepffner vom Centrum Gastroenterologie Bethanien in Frankfurt am Main auf einer Pressekonferenz der Firmen Abbott und Nycomed. Das erfolgt zunächst nicht-invasiv etwa mit einem Stuhltest zum Antigen-Nachweis oder mit dem 13C-Atemtest. »Zudem veranlassen wir vor einer Eradikation immer auch eine invasive Diagnostik. Denn längst nicht jeder Patient, bei dem sich der Magenkeim nachweisen lässt, hat auch Beschwerden und muss eine Eradikationstherapie erhalten.«

Helicobacter schützt vor Asthma

PZ / Helicobacter pylori kann Magengeschwüre und sogar -tumoren auslösen. US-amerikanische Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass eine Infektion mit dem Krankheitserreger auch ihr Gutes haben kann: Sie senkt das Risiko für Allergien und Asthma (Journal of Infectious Diseases 2008, 198, 553-560).

 

Das Team um Dr. Martin J. Blaser vom Langone Medical Center in New York hatte die Daten von mehr als 7000 Teilnehmern des vierten »National Health and Nutrition Survey« (NHANES IV) ausgewertet. Dabei stellten sie fest, dass Kinder zwischen drei und 13 Jahren, bei denen das Bakterium nachweisbar war, ein um 59 Prozent geringeres Asthma-Risiko hatten als Altersgenossen, die nicht infiziert waren. Ebenso litten sie mit 40 Prozent geringerer Wahrscheinlichkeit an Ekzemen oder Heuschnupfen. Die Forscher werten ihr Ergebnis als Bestätigung für die sogenannte Hygienehypothese. Ihr zufolge führt der Umstand, dass Bewohner von Industrieländern immer weniger in Kontakt mit Krankheitserregern kommen, dazu, dass der Körper auf »harmlose Stoffe« mit einer überschießenden Immunantwort reagiert.

Auch für Patienten, die über längere Zeit nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) einnehmen, ist der Magenkeim ein Thema. Die antientzündlich beziehungsweise antithrombotisch wirksamen Medikamente schädigen die Magenschleimhaut. Und das umso mehr bei gleichzeitiger Infektion mit dem Keim: Helicobacter-pylori-positive NSAR-Anwender haben ein vielfach höheres Risiko, ein Ulkus zu entwickeln als H.-p.-negative Patienten. Eradiziert werden sollte möglichst vor Beginn einer geplanten NSAR-Langzeitgabe, so sieht es die 2007 überarbeitete Leitlinie vor. Hoepffner: »Auch bei Patienten, die unter NSAR ein Ulkus entwickeln, testen wir auf H. pylori. Seit viele Coxibe vom Markt genommen wurden, sehen wir wieder zunehmend Ulzera unter einer NSAR-Langzeittherapie.«

 

Doch die Liste für die Indikationen einer Eradikationstherapie ist noch länger. So gehören auch nicht gastrointestinale Erkrankungen wie die Eisenmangelanämie und die Immunthrombozytopenie dazu, falls keine anderen Ursachen gefunden werden. Und auch beim MALT-Lymphom im Anfangsstadium ist die Eradikation des Magenkeims die Therapie der Wahl und bei mehr als 90 Prozent der Patienten erfolgreich. »Beim MALT-Lymphom unterhält H. pylori den immunologischen Prozess. Ist der Stimulus weg, heilt auch das Lymphom ab«, erklärte Dr. Stephan Haaß, ebenfalls vom Centrum Gastroenterologie Bethanien in Frankfurt am Main.

 

Kombipackung erhöht Compliance

 

Eradiziert wird mit einer Dreifachkombination, bestehend aus einem Protonenpumpenhemmer und zwei Antibiotika. First-line-Therapie in Deutschland ist aufgrund der Resistenzlage ein Protonenpumpenblocker (PPI), Amoxicillin und Clarithromycin (PAC-Schema). Gegenüber Clarithromycin sind hierzulande nur rund 5 Prozent resistent. Anders die Lage für den möglichen anderen Kombinationspartner Metronidazol. Bei ihm geht man von 20 bis 30 Prozent Resistenzen aus. Wird mit den Arzneistoffen des PAC-Schemas behandelt, sind mehr als 90 Prozent der Patienten H. pylori-frei. Die Reinfektionsrate liegt bei unter 2 Prozent.

 

Der Erfolg dieser Tripeltherapie ist von der regelmäßigen und konsequenten Einnahme abhängig. Darauf sollten Apotheker ihre Patienten hinweisen. Dabei müssen die drei Arzneistoffe sieben Tage lang morgens und abends eingenommen werden. Eine Kombinationspackung (ZacPac®)  erleichtert die Sache, da sie die Arzneimittel in sieben zweigeteilte Tagesblister mit je einer Morgen- und Abenddosis enthält. Versäumt der Patient, nur 10 Prozent seiner Tabletten einzunehmen, sinkt der Therapieerfolg um 20 bis 30 Prozent.

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