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Herzkrankheiten verstehen, Patienten beraten

29.08.2006
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Herzkrankheiten verstehen, Patienten beraten

Von Marion Anhorn, Frankfurt am Main

 

Die Pharmaziestudenten des 8. Semesters der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität beschäftigten sich im Rahmen ihres Fertigarzneimittelseminars mit dem Thema »Koronare Herzkrankheit und Myokardinfarkt«. Mehr als 350 Teilnehmer nutzten die Fortbildungsveranstaltung, um Wissen aufzufrischen und  zu vertiefen.

 

Zum Auftakt ging Thanh Thuy Le auf die Pathophysiologie der koronaren Herzkrankheit (KHK), des akuten Koronarsyndroms und des Myokardinfarkts ein. Die wichtigsten Risikofaktoren sind Hypertonie, Lipidstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus und Rauchen. Sie fördern die Entstehung von Arteriosklerose. Dadurch kommt es in verschiedenen Organen zu Funktionseinschränkungen, die sich in einer Vielzahl von Krankheitsbildern bemerkbar machen: KHK mit Angina pectoris, Herzinfarkt, plötzlicher Herztod, periphere arterielle Durchblutungsstörungen, Hirndurchblutungsstörungen mit Schlaganfall, Nierenschwäche und Nierenversagen.

 

Über die Epidemiologie der KHK und des Myokardinfarkts referierte Judith Geringk. »Epidemiologische Daten können die Häufigkeit, die Verteilung und den Verlauf eines Erkrankungsbildes innerhalb der Bevölkerung feststellen«, erklärte Geringk. Auch die mit der Erkrankung verbundenen Risikofaktoren werden dadurch aufgedeckt. Studien belegen, dass Rauchen, Hypercholesterinämie und Hypertonie die drei wichtigsten Risikofaktoren für KHK beziehungsweise Myokardinfarkt sind. Interessant sei, dass Rauchen die Mortalität stärker beeinflusst als eine Zuckererkrankung. Wer die Zigaretten weglässt, senkt sein Mortalitätsrisiko deutlich, so Geringk.

 

Vera Schicht beschäftigte sich im folgenden Vortrag mit der Akuttherapie des Myokardinfarkts. Die Elektrokardiographie (EKG), aber auch biochemische Marker sind wichtige Hilfsmittel für die Diagnosestellung. Das Enzym  Kreatinkinase (CK) und das Isoenzym MB werden als Marker für Zellnekrose herangezogen. Zudem sind auch die myofibrillären Proteine wie Troponin T und Troponin I wichtig für die Bewertung eines Herzinfarkts.

 

Aut idem bei Retard-Präparaten

 

In den folgenden Vorträgen gingen die Referenten Theresia Manneck, Ramona Steri, Stefanie Schulte-Werflinghoff, Hans Grollius und Barbara Rehles auf die medikamentöse Behandlung der KHK und des Myokardinfarkts ein. Als Thrombozytenaggregationshemmer werden neben Acetylsalicylsäure auch ADP-Hemmstoffe wie Clopidogrel und Glykoprotein-(GP)-IIb/IIIa-Antagonisten eingesetzt. Zu den Antikoagulantien gehören unter anderem die Vitamin-K-Antagonisten, Heparine und Bivalirudin, ein semisynthetisches Hirudin-Analogon.  Es gehört wie Hirudin zu den hochmolekularen Thrombin-Inhibitoren.

 

Im Anschluss daran fokussierten sich die Beiträge auf technologische Aspekte von Fertigarzneimitteln. Caroline Hornschuh referierte über Retardpräparate und deren Umgang bei der Aut-idem-Regelung. Die Retardierung der Arzneistofffreisetzung kann auf unterschiedliche Weise erfolgen. Es stehen zum Beispiel Matrixsysteme mit löslichen oder quellbaren Matrices beziehungsweise membrangesteuerte Systeme zur Verfügung. Der Aut-idem-Austausch sei bei Retard-Präparaten eher bedenklich, vor allem wenn das Freigabeprinzip variiert. Gerade bei Patienten, die mehrere Medikamente einnehmen, kann der Austausch zu veränderten Interaktionsmöglichkeiten führen. Das machte Hornschuh am Beispiel des Betablockers Metoprolol deutlich:  Zum einen befinden sich herkömmliche Überzugstabletten, zum anderen Matrixtabletten wie Metoprolol ratiopharm® OK und Metoprolol ZOT Stada® auf dem Markt. Im Gegensatz zu den Überzugstabletten setzen die Matrixtabletten den Wirkstoff nach einer Kinetik 0. Ordnung frei. Daneben sind zudem Präparate wie Beloc Zok® erhältlich, das aus Pellets aufgebaut ist und nicht wie die meisten Präparate Metoprololtartrat, sondern ein Succinatsalz enthält. Matrixtabletten oder Pelletsysteme sollten nicht gegen Überzugstabletten ausgetauscht werden, so Hornschuh.

 

Pharmzeutische Betreuung bei KHK

 

Jan Oesterwalbesloh ging in seinem Vortrag auf Kapseln, Infusionen und transdermale Systeme (TTS) ein, die bei KHK und Myokardinfarkt eingesetzt werden. Während Glyceroltrinitrat-Kapseln zur Akutbehandlung von Angina-pectoris-Anfällen eingesetzt werden, dienen TTS mit diesem Wirkstoff zur Anfallsprophylaxe.

 

Anhand von Fallbeispielen machte Theresa Kuntz auf häufige Arzneimittelinteraktionen bei Herz-Kreislauf-Patienten aufmerksam. Statine und Makrolid-Antibiotika führen zum Beispiel zu schwerwiegenden Arzneimittelinteraktionen. In hohen Dosen über einen längeren Zeitraum gegeben, können nicht steroidale Anti-phlogistika den blutdrucksenkenden Effekt von ACE-Hemmern abschwächen.

 

Über die Pharmazeutische Betreuung von Patienten mit KHK informierte Tobias Horn. Hauptziel sei, die Therapiemitarbeit des Patienten zu verbessern und ihn schließlich zum Selbstmanagement seiner Krankheit zu führen. Durch Beratung und Aufklärung können fehlerhafte Arzneimitteleinnahme und die damit verbundenen unerwünschten Arzneimittelwirkungen vermieden werden. Aber nicht nur Beratung, sondern auch Blutdruckmessung, Cholesterinmessung und Unterstützung bei der Nikotinentwöhnung sind beim KHK-Patienten Punkte, an denen der Apotheker aktiv werden kann. 

 

Der Abschlussvortrag von Helene Mohr beschäftigte sich mit der Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung und dem Stellenwert von Zusatztherapien bei KHK. Die Ernährungsumstellung soll in erster Linie zur Gewichtsreduktion führen. Auch auf den Verlauf und die Prognose der Arteriosklerose wirkt sich eine sinnvolle Ernährungsumstellung positiv aus. Die Ernährung sollte ballaststoffreich und fettarm sein. Pflanzliche Öle und Produkte sollen bevorzugt, tierische Fette und Fleischprodukte reduziert werden. Eine gesunde Kost ist reich an Vollkornprodukten, frischem Obst und Gemüse. Mit dreidimensionalen Lebensmittelpyramiden und Ernährungskreisen kann dem Patienten die Bedeutung der einzelnen Lebensmittelgruppen in seinem Ernährungsplan verdeutlicht werden. Unterstützend sei auch die Einnahme von Knoblauch und dessen Zubereitungen sinnvoll. Frühzeitig eingesetzt, dienen ausreichend hoch dosierte Präparate der Vorbeugung altersbedingter Gefäßveränderungen. Die Inhaltsstoffe des Knoblauchs verbessern den Cholesterinspiegel, fangen freie Radikale ab, senken den Blutdruck und mindern die Blutgerinnung, so Mohr.

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