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Interview

Die Kraft belastbarer Argumente

29.08.2006
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Interview

Die Kraft belastbarer Argumente

PZ / Die Veröffentlichung eines ersten Gesetzentwurfs aus dem Bundesgesundheitsministerium hat auch in der Apothekerschaft bereits für Unruhe gesorgt. ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf nimmt im Interview mit der PZ Stellung zu den aktuellen Zielen und zur Vorgehensweise der Standesvertretung.

 

PZ: Die Sommerpause ist vorbei, die Diskussion um die Gesundheitsreform verschärft sich von Tag zu Tag. In der vergangenen Woche tagten die ABDA-Vorstände, als der erste Arbeitsentwurf für die Gesundheitsreform bekannt wurde. Wie werden sich die deutschen Apotheker zu dem Gesetzentwurf äußern? Bundeskanzlerin Merkel kritisierte bereits »das ungeordnete Geschrei« der Krankenkassen.

Wolf: Ungeordnetes Geschrei ist in der Tat für niemanden hilfreich. Erinnern wir uns an die alte Weisheit des »dosis facit venenum« und analysieren erst einmal nüchtern und mit dem gebotenen Fachverstand die Arbeitspapiere aus dem BMG sowie ihre möglichen Auswirkungen auf die deutschen Apotheken.

 

PZ: Was uns an Papieren bislang bekannt ist, verändert sich im Zuge der BMG-internen Überarbeitung und der anstehenden Fraktionsklausuren von Tag zu Tag. Auch die Bund-Länder-Arbeitsgruppe wird sich in den kommenden Tagen intensiv mit den Entwürfen befassen.

Wolf: Deshalb gebietet es die Vernunft, erst einmal die grundsätzlichen Positionen der Apotheker klarzumachen. Aufgrund unserer Ausbildung und Praxis sind wir Heilberufler. In dieser Rolle schätzen uns unsere Kunden sehr, wie erst kürzlich eine repräsentative Infas-Umfrage eindrucksvoll bestätigt hat. Das ist ein Fundament, das niemand leichtfertig zur Disposition stellt.

 

PZ: Hören wir aus Ihrer Antwort ein Plädoyer für Lobbyarbeit und Geheimdip-lomatie? Wie tragen Sie der Besorgnis in den Mitgliedsorganisationen Rechnung? Ist es nicht an der Zeit, in der Öffentlichkeitsarbeit in die Offensive zu gehen?

Wolf: Selbstverständlich tun wir beides. Wir haben die Öffentlichkeitsarbeit der ABDA gezielt verstärkt. Erfolgreich ist Öffentlichkeitsarbeit besonders dann, wenn die Argumente für die eigenen Positionen von allen Mitgliedsorganisationen geteilt und koordiniert vertreten werden. Hierfür sind die erforderlichen Vorarbeiten abgeschlossen. Manche Sorgen sind berechtigt, aber das veranlasst uns umso mehr, auf Besonnenheit, gute Koordination und die Kraft belastbarer Argumente zu setzen.

 

PZ: Was sollen wir darunter verstehen?

Wolf: Dass die Apotheker in Deutschland mit vereinten Kräften die gemeinsam erarbeiteten Positionen vertreten, darauf kommt es jetzt an. Wir haben eine Erfolgsgeschichte, auf die wir stolz sein können: 3000 neu geschaffene Arbeitsplätze und eine hohe Kundenzufriedenheit, von der andere Branchen nicht einmal träumen können. Unsere Kunden legen großen Wert auf gute Beratung und Servicequalität in den Apotheken. Als Heilberufler tragen wir dazu bei, den bestmöglichen Gebrauch von leistungsfähigen Arzneimitteln zu machen. Diese fachliche Expertise wollen wir auch dafür einsetzen, in der Arzneimittelversorgung wirtschaftlich vernünftige Lösungen zu ermöglichen.

 

PZ: Und was heißt das im Hinblick auf das Thema Fremdbesitzverbot?

Wolf: Als Heilberufler haben wir eine glasklare Kompetenz, in der wir uns so leicht nicht übertreffen lassen. Das Geschäftsprinzip von Ketten ist doch ganz einfach: Sie setzen auf skalierbare Leistungen. Was sie da an Kostenvorteilen reinholen, lassen sie nicht dem System zugute kommen. Dieses Ammenmärchen können Sie getrost vergessen. Die Chance für jeden selbstständigen Apotheker sehen wir in den nicht skalierbaren Leistungen. Da liegt auch ihr besonderer Nutzen für ihre Kunden.

 

PZ: Ist das ein Plädoyer für Sympathiewerbung? Da stoßen Sie bei den Medien doch eher auf Vorbehalte, wenn wir die Kommentare aus den vergangenen Wochen sehen.

Wolf: Was die negativen Kommentare betrifft, gebe ich Ihnen recht. Sie stehen allerdings in einem erstaunlichen Gegensatz zu der sachlichen Berichterstattung, die wir mit Pressekonferenzen und vielen Interviews erreicht haben. Es gibt einen Spagat zwischen der großen Wertschätzung für »den eigenen Apotheker« und den ausgeprägten Vorurteilen gegenüber »den Apothekern«. Den Spagat wollen wir überwinden. Und das können wir am besten, wenn wir deutlich machen, was die Apotheker in Deutschland tatsächlich leisten.

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