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Cashflow-Krise belastet US-Apotheken

29.08.2006
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Cashflow-Krise belastet US-Apotheken

Von Patrick Hollstein

 

Seit in den USA zum Jahresbeginn der Medicare-Arzneimitteltarif Part D in Kraft getreten ist, hat sich die Cashflow-Situation der öffentlichen Apotheken erheblich verschlechtert. Eine von der National Community Pharmacists Association (NCPA) durchgeführte Umfrage bestätigt jetzt das Ausmaß der Krise, auf die die Apotheken seit Monaten hinweisen.

 

89 Prozent der 500 befragten selbstständigen Apotheker gaben an, mit der Last eines verringerten Cashflows zu kämpfen. 55 Prozent haben bereits Schulden aufnehmen müssen, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. Mehr als ein Drittel der befragten Apotheker gab an, sich bei Großhändlern, Banken oder sonstigen Einrichtungen mehr als 50.000 US-Dollar geborgt zu haben; jeder vierte Apotheker hat sogar einen Kredit von mehr als 100.000 Dollar aufgenommen.

 

Die US-Apotheker erhalten von den Versicherungsagenturen, die erstmals in der Geschichte des Medicare-Programms die Arzneimittelkosten der versicherten Rentner erstatten, geringere Vergütungen als zuvor von den selbst zahlenden Patienten. Außerdem werden den Apotheken die Auslagen erst mit deutlicher Verspätung erstattet. Die Hälfte der befragten Apotheker gab an, drei bis vier Wochen auf die ausstehenden Zahlungen warten zu müssen; 40 Prozent beklagte Zahlungsverzögerungen von bis zu sechs Wochen. Dass es auch anders geht, belegen staatliche Tarife wie das Fürsorgeprogramm Medicaid, die laut NCPA innerhalb von einer Woche zahlen. Dem Apothekerverband zufolge spricht nichts dagegen, dass auch die Medicare-Makler zeitnah erstatten. Weil die Apotheken ihre Rechnungen bei Großhändlern und Zulieferern innerhalb von 14 Tagen begleichen müssen, gehen die Verspätungen vor allem bei kleinen Betrieben ins Eingemachte. Jeder dritte unabhängige US-Apothekeninhaber rechnet damit, bei anhaltender Zahlungsflaute seinen Betrieb schließen zu müssen.

 

Ironie der Geschichte: Ausgerechnet die Apotheken hatten dem Medicare-Arzneimitteltarif zum Jahresbeginn auf die Beine geholfen. Obwohl die Regierung viele Rentner bis Mai für Part D drängen wollte, bestimmten Desinformation und Verwirrung das Geschehen. Drei Viertel der jetzt klagenden Apotheken hatten mehr als 20 Stunden allein in die Aufklärung ihrer Kunden über den neuen Versicherungstarif investiert; jede fünfte Apotheke opferte mehr als 100 Stunden. Sechs von zehn Apotheken hatten in Notfällen Arzneimittel sogar umsonst abgegeben. »Die öffentlichen Apotheken waren als Nahversorger die erste Anlaufstelle und damit das Rückgrat von Part D«, erklärt NCPA-Vize Bruce Roberts. »Nun muss das Problem der zu schlechten und zu langsamen Kostenerstattung gelöst werden, damit die Apotheken auch weiterhin in allen Regionen ihre Aufgaben erfüllen können.«

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