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Kontrollen

Zyto-Apotheker weisen Vorwürfe zurück

22.08.2018
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Von Anna Pannen / Zytostatika herstellende Apotheker aus Nordrhein-Westfalen empfinden die Vorwürfe, sie würden nicht sorgfältig genug arbeiten, als ungerecht. Hintergrund sind die kürzlich erfolgten Inspektionen in diesen Apotheken, die das Landesministerium für Gesundheit nach dem Skandal um einen Bottroper Zyto-Apotheker angeordnet hatte.

 

Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte die Ergebnisse als erfreulich bezeichnet, da nur eine von 123 genommenen Medikamentenproben nicht korrekt hergestellt worden war – ein Wirkstoffgehalt befand sich hier leicht unter dem vorgeschriebenen Grenzwert. Alle anderen Proben waren einwandfrei. Fast alle Apotheken arbeiteten also vorbildlich, hatte Laumann erklärt.

Einzelne Medien waren jedoch hart mit den Zyto-Apothekern ins Gericht gegangen. Sie kritisierten, dass in jeder der getesteten 116 Apotheken mindestens ein Mangel festgestellt worden sei – zwar nicht in der Wirkstoffdosierung, aber in der Dokumentation oder Organisation. Alle Zyto-Apotheken in Nordrhein-Westfalen seien also mangelhaft, so die Kritik.

 

Die nordrhein-westfälischen Zyto-Apotheker wehren sich gegen diesen Vorwurf. Die festgestellten Mängel seien fast alle geringfügiger Natur gewesen, erklären sie. Was vielen Außenstehenden nicht klar ist: Die vom Landesministerium in Auftrag gegebenen Kontrollen unterschieden sich von jenen, die zuvor regelmäßig von Amtsapothekern in den Zyto-Apotheken durchgeführt wurden. Zusätzlich zu einem Amtsapotheker sei dieses Mal in fast allen Fällen ein sogenannter GMP-Inspektor als Zweitprüfer zugegen gewesen. Auch die verwendeten Fragebögen stammten aus der Industrie-Überwachung, die an vielen Punkten strengere Maßstäbe anlegt als die Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO). »Den Apothekern waren die nun in NRW erhobenen Ansprüche an die Dokumentation teilweise völlig neu«, erklärte ein Insider der Pharmazeutischen Zeitung.

 

Ein Beispiel: Während der Herstellung der Krebsmedikamente muss die Raumluftqualität unter der Werkbank gemessen werden (Partikelzahlmessung). Ob dies in zeitlichen Abständen oder kontinuierlich geschehen muss, darüber seien sich selbst Experten uneins. Auch die ApBetrO mache keine eindeutigen Vorgaben. Die GMP-Inspektoren hätten es im Zuge der Überprüfung jedoch als Mangel gewertet, wenn die Messung nicht kontinuierlich erfolgte. Die betroffenen Apotheken müssten nun Geräte nachrüsten oder neu kaufen, so der Insider.

 

Jede Apotheke habe im Anschluss an die Inspektion eine Mängelliste erhalten. Die Apotheker wüssten im Grunde erst jetzt, was die GMP-Inspektoren neben den bislang geltenden Maßstäben zusätzlich von ihnen erwarten, besonders in der Dokumentation. Würden die Inspektoren in ein paar Wochen dieselbe Kontrolle noch einmal durchführen, wären die Mängel also größtenteils behoben und das Ergebnis viel positiver, so der Experte. /

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