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West-Nil-Virus breitet sich in Europa aus

22.08.2018
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Unterstützt durch die momentanen klimatischen Bedingungen breitet sich das West-Nil-Virus (WNV) in Europa weiter aus. In diesem Jahr sei in der Europä­ischen Union und den Nachbarländern – verglichen mit vorherigen Jahren – bereits zu einem frühen Zeitpunkt eine große Zahl an Fällen von West-Nil-Fieber aufgetreten, meldet die Europäische Behörde zur Prävention und Kontrolle von Krankheiten ECDC.

 

Bis zum 9. August wurden 335 WNV-Infektionen gemeldet, die mutmaßlich oder bestätigt in europäischen Ländern erworben wurden. In Italien traten bislang 123 Erkrankungen auf, in Serbien 102, in Griechenland 59, in Ungarn und Rumänien jeweils 23, in Frankreich 3 und im Kosovo 2. Insgesamt wurden 17 Todesfälle durch WNV-Infektion gemeldet. Aus Italien und Serbien waren bis 2017 keine WNV-Infektionen gemeldet worden, schreibt die ECDC.

Die Zahl der Infektionen sei im Jahr 2018 nicht nur höher als in den Vorjahren, sondern die Fälle traten auch zu einem früheren Zeitpunkt als bislang auf. Das weise auf eine starke Zirkula­tion des Virus hin und lasse eine hohe Zahl an Erkrankungen in den kommenden Monaten erwarten, heißt es in einer Mitteilung der ECDC. Das Zentrum vermutet, dass sich der Erreger auch in weitere Regionen, in denen bislang noch keine autochthonen Infektionen verzeichnet wurden, ausbreiten wird. Das Virus aus der Familie der Flaviviridae wird über verschiedene Stechmücken, vor allem der Gattungen Culex, Aedes und Ochlerotatus, übertragen. Es befällt vor allem Vögel, aber auch Menschen, Pferde und andere Säugetiere.

 

Mediziner sollten sich der epidemiologischen Situation in Europa bewusst sein und das West-Nil-Fieber bei Dia­gnosestellungen mit berücksichtigen, rät die Behörde. Die Erkrankung äußert sich durch grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Erbrechen, Durchfall und Hautausschlag. Die meisten Erkrankten erholen sich vollständig wieder. Bei etwa einem von 150 Erkrankten greift die Infektion aber auf das ZNS über. Es entstehen eine Meningitis oder Enzephalitis, die mit hohem Fieber, Nackensteifigkeit, Verwirrtheit, Zittern, Muskellähmungen oder Sehverlust einhergehen und in schweren Fällen zum Tod führen können. Von schweren Erkrankungen sind vor allem Menschen über 60 Jahre, chronisch Kranke und Immunsupprimierte betroffen. Eine kausale Therapie ist nicht verfügbar /

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