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GABA-Rezeptor-Modulator

Neuer Ansatz gegen Juckreiz

22.08.2018
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Von Annette Mende / Forscher der Universität Zürich haben einen neuen Mechanismus zur Unterdrückung von Juckreiz entdeckt. Das Besondere daran: Nicht nur Patienten mit akutem Juckreiz könnten davon profitieren, sondern auch solche mit chronischen Beschwerden. Letztere sind momentan nur schlecht therapierbar, da sie auf Antihistaminika zumeist kaum ansprechen. Die Forscher um Dr. William T. Ralvenius erzielten die Juckreiz-unterdrückende Wirkung durch gezielte Aktivierung von hemmenden GABAA-Rezeptoren – allerdings bislang erst in Tierversuchen.

 

Juckreiz entsteht, wenn spezielle sensorische Nerven­fasern der Haut stimuliert werden. Deren Signale werden anschließend an das Gehirn weitergeleitet, wobei inhibitorische Neuronen auf Rückenmarkebene die Signale abdämpfen können, unter anderem durch Ausschütten des Botenstoffs GABA.

In früheren Experimenten hatte die Arbeitsgruppe herausgefunden, dass die Juckreiz-unterdrückende Wirkung dabei vor allem über GABAA-Rezeptoren mit einer α2- oder α3-Untereinheit vermittelt wird. In der aktuellen Studie testeten sie deshalb den partiellen α2/α3-GABAA-Rezeptor-Agonisten TPA023B.

 

Der Wirkstoff unterdrückte bei Mäusen sowohl akuten als auch chronischen, durch ein atopisches Hautekzem ausgelösten Juckreiz. Tiere, die TPA023B verabreicht bekamen, kratzten sich weniger und ihre Hautveränderungen verheilten deutlich schneller als bei Tieren, die Placebo erhalten hatten. Derselbe Effekt zeigte sich auch bei Hunden, die gegen Hausstaubmilben sensibilisiert worden waren. TPA023B führte nicht zu einer Sedierung, auch trat im Laufe einer längeren Behandlung kein Wirkverlust ein. Das berichten die Forscher im Fachjournal »Nature Communications« (DOI: 10.1038/s41467-018-05709-0).

 

Sollten sich Wirksamkeit und Sicherheit in klinischen Studien bestätigen, wäre das ein wichtiger Schritt für viele Patienten mit chronischem Juckreiz, beispielsweise aufgrund von atopischer Dermatitis, aber auch cholestatischen Lebererkrankungen oder Niereninsuffizienz. Diese Formen des Juckreizes sprechen in der Regel kaum oder gar nicht auf eine Therapie mit Antihistaminika an. Bis zu 10 Prozent der Bevölkerung sind laut einer Pressemitteilung der Universität Zürich von chronischem Juckreiz betroffen. /

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