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Valsartan-Skandal

Linke will nicht nur schöne Worte

22.08.2018
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Von Stephanie Schersch / Mit Blick auf den Valsartan-Skandal will die Linksfraktion den Druck auf die Bundesregierung erhöhen. Diese habe bislang nicht viel getan, um die Sicherheit für die Patienten zu erhöhen, sagte Linken-Arzneimittelexpertin Sylvia Gabelmann.

 

Anfang Juli hatten Aufsichtsbehörden in Europa zahlreiche Präparate zurückgerufen. Sie beinhalteten den Wirkstoff Valsartan aus der Produktion eines chinesischen Herstellers. Wie spätere Analysen bestätigten, enthielten die Arzneimittel den potenziell krebserregenden Giftstoff N-Nitrosodimethylamin (NDMA).

Inzwischen wurden entsprechende Verunreinigungen auch in einzelnen Chargen eines weiteren chinesischen Produzenten gefunden. Von den Rückrufen könnten Medienberichten zufolge rund 900 000 Patienten allein in Deutschland betroffen sein.

 

Gabelmann sprach von einem »sträflichen Versagen der Aufsichtsbehörden«. Im Rahmen einer Kleinen Anfrage verlangt die Linksfraktion nun Antworten von der Bundesregierung zu Valsartan. So möchte sie wissen, inwieweit die Koalition von einer konkreten Gesundheitsgefährdung der Patienten ausgeht, insbesondere mit Blick auf zusätzliche Krebsfälle. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA war zuletzt davon ausgegangen, dass es zu einem zusätzlichen Krebsfall pro 5000 betroffenen Patienten kommen kann. Zudem fragt Gabelmann nach genauen Details, inwiefern es vor und während der Vermarktung eines Arzneimittels unabhängige Kontrollen mit Blick auf die Qualität gibt.

 

Seit Jahren verlagert sich die Wirkstoffproduktion verstärkt nach Fernost. Von der Regierung verlangt die Linksfraktion eine Einschätzung, inwiefern der Preisdruck durch die Rabattverträge diese Entwicklung befördert. Konkret möchte sie außerdem wissen, wie hoch der Anteil von Wirkstoffen aus Indien und China in den in Deutschland vermarkteten Arzneimitteln ist.

 

Die Bundesregierung müsse erläutern, wie sie künftig »ein Kontrollversagen« wie im Fall Valsartan verhindern will, so Gabelmann. Man wolle Druck machen, damit es »nicht nur bei schönen Worten« bleibt. Eine Antwort aus dem Gesundheitsministerium gibt es bislang nicht. /

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