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Polioartige Erkrankungen bei Kindern in Deutschland

23.08.2017  10:40 Uhr

Von Christina Hohmann-Jeddi / In Deutschland sind im Jahr 2016 insgesamt 16 Fälle von akuter schlaffer Lähmung bei Kindern aufgetreten. Die polioartige neue Erkrankung stellen Mediziner um Professor Dr. Johannes Hübner von der Universität München im »Deutschen Ärzteblatt« vor (DOI: 10.3238/arztebl. 2017.0551).

 

In den vergangenen Jahren waren in vielen europäischen Ländern und den USA solche akuten schlaffen Lähmungen mit anteriorer Myelitis, wie die offizielle Bezeichnung des Krankheitsbildes lautet, beschrieben worden.

In Deutschland wurde eine Häufung von Erkrankungsfällen im Sommer und Herbst 2016 beobachtet, heißt es in der Publikation. Diese Fälle seien bezüglich Ausprägung und Anzahl auffällig und besorgniserregend gewesen. Die Pa­tienten waren zwischen 1,7 und 10 Jahren alt und zeigten initiale Symptome wie Kopfschmerzen, Fieber und Nackensteifigkeit. Die Verläufe unterschieden sich individuell stark und reichten von vorübergehender Lähmung einzelner Gliedmaße bis zur beatmungs­bedürftigen Lähmung sämtlicher Ex­tremitäten mit nur geringer Verbesserung der Symptomatik. Charakteristisch für die Erkrankung sind kernspintomografisch nachweisbare Schädigungen des Vorderhorns im Rückenmark.

 

Die Ursache für die polioartige ­Erkrankung ist bisher noch unklar. Doch epidemiologische Daten weisen darauf hin, dass Enteroviren die Erreger sein könnten. Bei keinem der in Deutschland behandelten Kinder konnte ein Erreger im Liquor nachgewiesen werden, bei einem Teil der Patienten wurden aber Enteroviren im Stuhl oder in respiratorischen Sekreten entdeckt.

 

Therapeutische Maßnahmen stehen den Autoren zufolge nicht zur Verfügung. Inwieweit der Einsatz von Corticosteroiden, Immunglobulinen, antiviraler Medikation oder Plasmapherese wirksam ist, wurde bislang nicht ausreichend untersucht. /

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