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Zytostatika-Herstellung

Mehr Kontrolle

23.08.2017  10:46 Uhr

Von Ev Tebroke / Apotheken, die Krebsmedikamente herstellen, werden in Nordrhein-Westfalen ab sofort stärker kontrolliert. Das hat Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) per Erlass neu geregelt. Hintergrund ist der großangelegte Betrug eines Bottroper Apothekers mit gepanschten Zytostatika.

Künftig sollen Inspekteure in Nordrhein-Westfalen (NRW) bei ihren unangemeldeten Besuchen in Schwerpunktapotheken insbesondere das Personal sowie die Herstellung von Infusionsarzneimitteln stärker in Augenschein nehmen. Das regelt ein Erlass an die Kreise und kreisfreien Städte, mit dem Laumann die Schwerpunkte der Apothekenüberwachung in NRW neu gewichtet. Auch wurden Kriterien für die amtliche Probenentnahme und -untersuchung neu festgelegt.

»Der Erlass ist ein wichtiger Beitrag für einen noch besseren Gesundheitsschutz der Bevölkerung«, so Laumann. Gerade Patienten, die eine medikamentöse Krebstherapie erhalten, müssten darauf vertrauen können, dass sie die richtigen Arzneimittel in der richtigen Zusammensetzung bekommen. »Die Behörden sollten daher von ihren Kontrollrechten umfangreich Gebrauch machen.«

 

Die Vorgaben sollen nach Angaben des Gesundheitsministeriums eine gleichmäßige Durchführung der Überwachung gewährleisten. Anlass für die verstärkte Kontrolle von Schwerpunkt­apotheken ist ein aktueller Skandal um gepanschte Zytostatika. Ein Bottroper Apotheker hatte in etwa 62 000 Fällen Krebsmedikamente erheblich verdünnt. Wie viele Patienten betroffen sind, ist noch unklar. Nach Angaben des ARD-Magazins »Panorama« und dem Recherchezentrum »Correctiv« hat der Apotheker seit 2005 mehr als 7300 Menschen über Praxen und Kliniken in sechs Bundesländern beliefert. Die Krankenkassen prellte er damit um 56 Millionen Euro.

 

Der Verband der Zytostatika-­herstellenden Apotheken (VZA) unterstützt Laumanns Erlass: »Verschärfte Aufsicht und verschärfte Kontrollen in Apotheken sind sinnvoll, wenn durch sie unsauberes oder gar kriminelles Verhalten verhindert oder zumindest erschwert werden kann«, so der Verband auf Anfrage der PZ. Leider gebe es aber keine Kontrollmechanismen, die kriminelles Verhalten in jedem Fall verhindern könnten. Die nun intensivierten amtlichen Probenuntersuchungen sieht der VZA »als eine geeignete Maßnahme zur Feststellung der Qualität der Zubereitungen«.

 

Ein erster Schritt

 

Patientenschützer sehen die verstärkten Kontrollen als ersten Schritt. »Es war überfällig, dass das Land NRW die Schwerpunktapotheken stärker kontrollieren will«, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Er forderte zudem, künftig auch die nicht verbrauchten Zytostatika, sogenannte Medikamentenrückläufer, zu kontrollieren. Diese müssten zentral gesammelt werden, um sie stichprobenartig mit Blick auf die Wirkstoffe zu überprüfen. »Bottrop war auch möglich, weil die Rückläufer wieder an die Apotheke gingen«, betonte Brysch. /

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