Pharmazeutische Zeitung online
PZ-Expertenrat

Schützt Magnesium vor Krämpfen?

23.08.2016  15:47 Uhr

PZ / Können Ausdauersportler durch die regelmäßige Einnahme von Magnesium-Präparaten Krämpfe verhindern? Diese Frage an den PZ-Expertenrat beantwortet Apothekerin Dr. Hiltrud von der Gathen.

Um zur Sinnhaftigkeit der Mg-Supplementation Stellung zu beziehen, gilt es zunächst, den täglichen Bedarf zu ermitteln. Dieser liegt laut Deutscher Gesell­schaft für Ernährung (DGE) für Erwachsene über 25 Jahre bei 350 mg für Männer und 300 mg für Frauen. Laut der Nationalen Verzehrstudie II 2008 liegt der Median der Magnesiumzufuhr in Deutschland bei Männern bei 432 mg pro Tag und bei Frauen bei 361 mg pro Tag. Diese Werte übertreffen die von der DGE empfohlene Zufuhr.

 

Ernährungstagebuch gibt Aufschluss

 

Der Median sagt allerdings nichts über die individuelle Aufnahme aus. Diese lässt sich etwa durch ein Ernährungs­tagebuch ermitteln, das das Apothekenteam im Rahmen einer Ernährungsberatung computergestützt oder mithilfe von Fachliteratur auswerten kann. Auch kann der Sportler den Magnesiumwert im Blut vom Arzt bestimmen lassen. Bei Männern sollte er zwischen 1,8 und 2,6 mg pro dl liegen und bei Frauen zwischen 1,9 und 2,5 mg pro dl. Auch wenn es Kritik an der alleinigen Feststellung des Blutwerts gibt, da der Körper bei einem Mangel seine Depots aktiviert, ist er in Kombination mit der täglichen Aufnahme ein guter Hinweis, ob der Körper ausreichend versorgt ist.

 

Zahlreiche Faktoren können zu einem Magnesiummangel führen, beispielsweise eine ungesunde Ernährung, starkes Schwitzen, gastrointestinale Verluste durch akute und chronische Durchfälle, Alkoholismus, akute Pankrea­titis, Einnahme von Protonenpumpenblockern, renale Verluste durch interstitielle Nierenerkrankungen, (Schleifen-) Diuretika, Laxanzienabusus. Hier stellt sich nun die Frage, inwieweit der einzelne Sportler davon betroffen ist. Gerade er wird sich erfahrungsgemäß eher gesund ernähren und seltener von den oben aufgelisteten Erkrankungen betroffen sein. Die Stärke des Schwitzens hängt sowohl von der Jahreszeit als auch von der Intensität des ausgeübten Sports ab. In jedem Fall sollte auf die ausreichende Zufuhr von am besten isotonischer Flüssigkeit geachtet werden.

 

Zur Frage, ob die Einnahme von Mg Krämpfen vorbeugt, gibt es eine Stellungnahme des industrieunabhängigen Bundesinstituts für Risikobewertung in Zusammenarbeit mit der Sporthochschule Köln aus dem Jahr 2012. Dort heißt es: »Ein Beweis für die Vermeidung von Krämpfen besteht nicht. Des Weiteren gibt es keine Hinweise, dass eine Mg-Supplementierung leistungsfördernd wirkt.«

 

Im Internet gibt es Publikationen, die alle diese Aussagen bezweifeln oder als nicht vollständig ansehen. Hier ist es hilfreich, das Impressum der entsprechenden Seiten unter die Lupe zu nehmen, um festzustellen, wer dort mit welcher Qualifikation welche Aussage macht. So findet man etwa auf www.zentrum-der-gesundheit.de, einer Seite, die insgesamt 21 Gründe für Magnesiummangel auflistet, bei Suche nach den publizierenden Personen den Hinweis: »Wir sind einfach eine Gruppe netter und unabhängiger Menschen, die viel Spaß an einem gesunden Leben haben – und diese Freude und Leidenschaft gerne mit Ihnen teilen. Sie möchten anonym bleiben, um sich und ihre Mitarbeiter vor virtuellen Belästigungen und Rufmord zu schützen.«

Der PZ-Expertenrat

Sie haben eine pharmazeutische Fachfrage und Bücher helfen nicht weiter? Dann stellen Sie sie unseren Experten Professor Dr. Theodor Dingermann (Pharmazeutische Biologie), Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz (Pharmazeutische Chemie), Professor Dr. Hartmut Morck (Pharmakologie), Professor Dr. Klaus Langer (Techno­logie) und Dr. Hiltrud von der Gathen unter www.pharmazeutische-zeitung.de/expertenrat

Welches Salz?

 

Eine Frage, die im Zusammenhang mit der Mg-Supplementation immer wieder auftaucht, ist die nach dem am besten bioverfügbaren Salz. Häufig wird angeführt, dass das Citrat am besten löslich ist. Selbst wenn das so ist, so ist nicht geklärt, welche therapeutische Relevanz damit verbunden ist. Nach Kenntnis der Autorin ist nur eine Mg-Zubereitung als Citrat im Handel, fast alle anderen verwenden das wesentlich preiswertere Carbonat. Vergleichende Untersuchungen zur therapeutischen Wirksamkeit gibt es nicht. Es lohnt jedoch ein Blick auf die anorganische Chemie. Dort heißt es, dass die stärkere Säure die schwächere aus ihrem Salz verdrängt. Trifft Magnesiumcarbonat im Magen auf Salzsäure, müsste Magnesiumchlorid entstehen, das besser wasserlöslich ist.

 

Abschließend sei gesagt, dass die Empfehlung zu einer Mg-Supplementierung nicht leichtfertig ausgesprochen werden sollte. Wie bei der Arzneimittelberatung ist die persönliche Situation des Sportlers entscheidend. Der positive Effekt der Wasserzufuhr durch Einnahme einer Brausetablette ist zu begrüßen. /

Mehr von Avoxa