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Testosteronsubstitution

Für manche Männer sinnvoll

24.08.2016
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Von Annette Mende / Etwa 2 bis 5 Prozent der Männer zwischen 40 und 79 Jahren sind von einem altersbedingten Testosteronmangel betroffen. Bei ihnen kann die Substitution des Sexual­hormons sinnvoll sein. Stets sollen dabei aber Begleiterkrankungen und mögliche Kontraindikationen berücksichtigt werden.

Erektionsstörungen, Libidoverlust, Schlafstörungen, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten sind mögliche Symptome eines Testosteronmangels. Sie können durch die Substitution des Hormons gelindert werden. Wie die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) in einer Pressemitteilung betont, darf der Hormonwert jedoch nicht isoliert betrachtet werden, sondern muss im Kontext mit eventuell bestehenden Stoffwechselerkrankungen gesehen werden.

 

Der Testosteronwert im Blut sinkt bei den meisten Männern ab dem 45. Lebensjahr um etwa 1 Prozent jährlich, informiert Professor Dr. Sabine Kliesch, Vorsitzende der DGU-Patienten-Akademie. Bei einem hohen Ausgangswert bereite das keine Probleme, doch hätten manche Männer mit erheblichen Beschwerden zu kämpfen. Eine Abnahme der Muskelmasse bei gleichzeitiger Zunahme des stoffwechselaktiven, viszeralen Fetts weise auf einen Kreislauf hin: »Zum einen fördert ein zu niedriger Testosteronspiegel die Entstehung von Stoffwechselkrankheiten. Zum anderen verstärken bereits bestehende Stoffwechselerkrankungen den Testo­steronmangel.«

 

Bei Symptomen und klinischem Verdacht solle daher der Testosteronwert bestimmt werden, außerdem die Gonadotropine, das Sexualhormon-bindende Globulin, Prolaktin sowie der PSA-Wert. »Testosteronwerte zwischen 8 und 12 nmol pro l sollten genauer kontrolliert werden«, so Kliesch. Wichtig seien auch die Bestimmung der Blutfette und der Knochendichte sowie ein Blutbild, nicht nur initial, sondern auch zur Verlaufskontrolle einer Substitutionstherapie mit Testosteron.

 

»Die Hormontherapie ist kein Allheilmittel. Allerdings kann die Gabe von Testosterongelen oder -depotspritzen die Gesundheit und das Wohlbefinden des Patienten deutlich unterstützen«, sagt Kliesch. So ließe sich etwa ein zu hoher Blutzucker bei Diabetes besser behandeln, wenn der Testosteronspiegel in Ordnung sei. Eine retro­spektive Auswertung der Daten von mehr als 83 000 Männern, die vor einem Jahr im »European Heart Journal« erschien, belegte zudem kardiovaskuläre Vorteile durch die Testosteronsubstitution. Demnach senkte die Normalisierung des Hormonwerts das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle sowie die Gesamtsterblichkeit (DOI: 10.1093/eurheartj/ehv346).

 

Den positiven Effekten der Testosteronsubstitution stehen negative gegenüber, wie ein möglicher Anstieg des Prostatakrebs-Risikos und eine Senkung der Fertilität. Nutzen und Risiken gilt es, im Einzelfall gegeneinander abzuwägen, so die DGU. /

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