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Mefenaminsäure

Bei Mäusen gegen Alzheimer wirksam

24.08.2016
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Von Annette Mende / Das nicht steroidale Antirheumatikum (NSAR) Mefenaminsäure kann möglicherweise den Gedächtnis­verlust bei Alzheimer-Patienten stoppen. Bislang ist das jedoch erst bei Mäusen gelungen.

Der Erfolg der Therapie mit Mefen­aminsäure beruht auf einer Hemmung des NLRP3-Inflammasoms. Dieser Multiproteinkomplex ist an der Aktivierung des entzündungsfördernden Interleukins 1β beteiligt, das ein Treiber von Alzheimer und diversen anderen Erkrankungen ist.

 

Wie andere NSAR hemmt Mefen­aminsäure die Cyclooxygenase, zusätzlich aber auch den Chloridionenkanal VRAC und dadurch das NLRP3-Inflammasom. Beides zusammen erklärt wahrscheinlich die im Tierversuch beobachtete Wirkung gegen Alzheimer, schreibt eine Forschergruppe um Michael Daniels und Dr. Jack Rivers-Auty von der University of Manchester im Fachjournal »Nature Communications« (DOI: 10.1038/ncomms12504).

 

Mefenaminsäure gehört chemisch zur Gruppe der Anthranilsäurederivate (Fenamate). Diese sind Azaanaloga der Salicylsäure. Fenamate haben wie Salicylate gute analgetische Eigenschaften, werden aber wegen ihres ungünstigeren Nutzen-Risiko-Verhältnisses weniger eingesetzt. In Deutschland ist Mefenaminsäure, anders als etwa in der Schweiz und den USA, nicht im Handel.

 

Ihre Fähigkeit, das NLRP3-Inflammasom zu hemmen, könnte die Fenamate nun zu einer Option bei diversen Erkrankungen machen. Laut den Autoren spielt dieser Proteinkomplex nämlich nicht nur bei Alzheimer eine Rolle, sondern unter anderem auch bei Athero­sklerose und metabolischen Krankheiten wie Typ-2-Diabetes. Die Wirksamkeit bei Alzheimer zeigten sie, indem sie Mäusen, die genetisch so verändert sind, dass sie eine Alzheimer-ähnliche Demenz entwickeln, subkutan täglich 25 mg pro kg Körpergewicht Mefen­aminsäure injizierten. Die Behandlung begann, als die Tiere 13 bis 14 Monate alt waren, ein Alter, in dem der Gedächtnisverlust normalerweise einsetzt. Nach einem Monat war in einem standardisierten Test kein Gedächtnisverlust bei den Mäusen feststellbar. Auch die Sektion der Gehirne der Tiere zeigte nicht die sonst typischen Veränderungen.

 

Nun muss im nächsten Schritt untersucht werden, ob sich das Prinzip auch auf den Menschen übertragen lässt. Das wollen die Forscher in einer Phase-II-Studie tun, die sie aktuell vorbereiten. /

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