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Aquafitness

Ran an die Nudel

19.08.2014
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Von Ulrike Abel-Wanek / Wasser gilt als regelrechter Fitness­beschleuniger, entsprechend schießen die verschiedenen Aqua­sport-Kurse wie Pilze aus dem Boden. Doch nur ein strukturiertes Training unter Anleitung gut ausgebildeter Trainer garantiert auch den erwünschten Erfolg.

Wasser hat viele gute Eigenschaften, die man für sportliches Training nutzen kann. Aufgrund seiner hohen Dichte – 835-mal höher als die der Luft – ist sein Widerstand sehr groß. Dadurch muss bei Bewegungen mehr Kraft aufgebracht werden als auf dem Trockenen mit der Folge, dass der Energieverbrauch steigt. Bei gleicher Belastung wie an Land verbrennt der Körper so deutlich mehr Kalorien. Mehr Energie braucht er im kühlen Nass auch zum Erhalt der Körpertemperatur. Dank Auftrieb hat man im Wasser zudem nur noch etwa 10 Prozent seines Eigengewichts, was Gelenke, Knorpel, Sehnen und Bänder bei Bewegungen deutlich entlastet.

 

Die Vorteile der gelenkschonenden und weitgehend verletzungsfreien Aktivitäten im Wasser werden im Reha- und Therapie-Bereich schon lange genutzt – zum Aufbautraining nach Unfällen oder Operationen, und auch nach einem Schlaganfall erleichtert das Wassertraining die Bewegungsabläufe. Sogar bestehende Schmerzen werden im Wasser nicht so stark empfunden. Heutiges Aquafitness hat jedoch mit dem therapeutisch-funktionellen Training für kranke oder ältere Menschen nur noch wenig zu tun. Mit Musik vom Beckenrand und einem vielfältigen Geräteeinsatz trifft sich eine immer größer werdende Aquafitness-Fangemeinde zum Gesundheits- und Wellness-Sport im Wasser. Schwangere, Senioren, Übergewichtige – in allen Schwierigkeitsstufen ist für jeden etwas dabei. Einige Kurse sind gesundheitsprophylaktisch ausgerichtet und werden von der Krankenkasse ganz oder teilweise übernommen.

 

Aquafitness ist ein Ganzkörpertraining, das im Flachwasser in Brusthöhe oder auch im Tiefwasser angeboten wird, wo man keinen Bodenkontakt mehr hat. Besonders beliebt sind Aquajogging, Aquacycling und Step-Aerobic, aber es gibt auch schon Aqua-Nordic-Walking, bei dem man mit Stöcken durchs Wasser stapfen kann. Zum Einsatz kommen häufig auch Jogging-Gürtel oder Schwimmnudeln aus PE-Schaum und Hanteln und Gewichte an Armen und Beinen. Sie unterstützen die Eigenschaft des Wassers, einen Körper im Wasser leichter werden zu lassen, bieten durch ihre Fläche einen noch größeren Widerstand und erschweren die Bewegungsaktivitäten zusätzlich.

 

Aquafitnessangebote gibt es hauptsächlich im Freizeitsport. »Der Leistungssport verzichtet zurzeit in der Breite auf Aquacycling oder Aquafitness«, sagt Diplom-Sportwissenschaftler Sebastian Zeller von der Sporthochschule Köln. In Läuferkreisen sei das Aquajogging aber zur Leistungsstei­gerung und als Trainingsmöglichkeit während Verletzungen und in der Rehabilitationsphase weit verbreitet. Studien, die die positive Wirkung des Wassertrainings belegen, seien im präventiven und rehabilitativen Bereich ausreichend vorhanden. Studien über den Einsatz von Aquafitness im Leistungssport, und hier vor allem langfristige Trainingsprogramme und ihre Auswirkungen zum Beispiel auf die Laufleistung, fehlten zurzeit aber noch.

 

Gelenkentlastung und Balancetraining, Förderung von Muskelkraft und Ausdauer, positiver Einfluss auf Atmungsorgane und Herz-Kreislauf-System, Massage für Haut und Bindegewebe, und sogar Blutzucker und Blutdruck lassen sich durch ein regelmäßiges Training im Wasser senken. Wer diese Ziele erreichen will, braucht dafür die Anleitung eines kompetenten Trainers, der die spezifischen Einflussgrößen des Wassers auf den Menschen kennt. Beispielsweise ist die Herzfrequenz aufgrund des sogenannten Tauchreflexes während eines Aufenthalts im Wasser um circa zehn Schläge pro Minute reduziert. Menschen mit Herzproblemen sollten das beachten, und im besten Fall weiß der Trainer über gesundheitliche Einschränkungen seiner Kursteilnehmer Bescheid. »Vor jeder sportlichen Belastung sollte man sich auf jeden Fall von einem Sportmediziner untersuchen lassen, um eventuelle Risikofaktoren ausschließen zu können«, rät Zeller. Wie bei anderen Sportarten geht es auch bei Aquafitness um die Gesundheit, aber nicht nur. Kursnamen wie »Aquafun« zeigen, dass der Spaß hier nicht zu kurz kommt, und was Spaß macht, ist meistens ja auch effektiv. /

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