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PZ-Leserreise

Sauna, Samen, Salmiakki

17.08.2009
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Auf den Pilz gekommen

Über die Therapie mit Antimykotika berichtete PZ-Chefredakteur Professor Dr. Hartmut Morck. Zunächst sollte der Erreger der Mykose identifiziert werden. Humanpathogene Pilze gibt es unter den Dermatophyten, Hefe- und Schimmelpilzen. Dann sollte ein geeigneter Arzneistoff in der passenden Formulierung gewählt werden. Die Wirkstoffpalette umfasst Antibiotika, Azole, Antimetabolite, Hydroxypyridone, Thiocarbamate, Allylamine, Morpholine, Echinocandine und unspezifische Mittel. Die Angriffspunkte in der Pilzzelle sind unterschiedlich und reichen von Zellwand, Zellmembran, DNS- und Proteinsynthese bis zu den Mitochondrien.

 

»Seit 1995 kamen nur vier neue Arzneistoffe gegen Pilze auf den Markt«, sagte Morck. »Drei Echinocandine und das Triazol Voriconazol.« Erstere sind halbsynthetische Lipopeptide, die sich in die Zellmembran einbauen. Sie kommen bei invasiven Aspergillosen zum Einsatz. Ebenso Voriconazol, das auch bei Fluconazol-resistenten invasiven Candidosen zugelassen ist. »Etwa 30 Prozent der Intensivpatienten sterben an einer invasiven Mykose, vor allem Immunsupprimierte«, machte Morck den Bedarf deutlich. Der Vorteil von Voriconazol ist seine gute Bioverfügbarkeit und Liquorgängigkeit. Solche Intensivmedikamente sind als Trockensubstanzen zur intravenösen Verwendung auf dem Markt. Bei hartnäckigen Hautinfektionen und Mykosen des Gastro-Intestinal-Trakts kommen feste und flüssig-perorale Arzeiformen infrage. Lutschtabletten eignen sich gegen Mundsoor. Während Cremes und Salben auf wenig behaarter Haut zur Anwendung kommen, eignen sich Sprays und Lösungen für behaarte Haut. Bei nässenden Infektionen, Windeldermatitis und in Körperfalten können Pasten und Lotionen helfen. Da Pilze langsam wachsen und Sporen bilden, ist auch in der Selbstmedikation eine längere Therapie (über den Juckreiz hinaus!) anzuraten.

Bildergalerien zur PZ-Leserreise 2009 finden Sie hier.

 

Die Autorin

Daniela Biermann studierte Pharmazie an der Philipps-Universität, Marburg. Einen Teil ihres praktischen Jahres verbrachte sie an der medizinischen Fakultät der National University of Singapore und untersuchte dort ein Enzym aus der Flavonoidbiosynthese. Die Ergebnisse mündeten in eine Diplomarbeit, die sie an der Martin-Luther-Universität, Halle-Wittenberg, verteidigte. 2007 erhielt sie die Approbation. Nach einem Volontariat bei der Pharmazeutischen Zeitung ist sie nun dort Redakteurin. In Finnland wurde sie oft für eine Einheimische gehalten. Ob es wohl an der geliehenen Rentiermütze lag?

 

biermann(at)govi.de

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