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Textlastig

15.08.2018
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Textlastig

Was haben Arzneimittelpackungen mit der Bibel gemeinsam? In beiden steckt Dünndruckpapier. Dieses extrem dünne Papier, das häufig für die Packungsbeilage Verwendung findet, wird daher auch als Bibelpapier bezeichnet. Mit speziellen Maschinen, die den sogenannten Parallelmittenfalz perfekt beherrschen, gelingt es, den Beipackzettel fast beliebig klein zusammenzufalten. Was folgt daraus? Erst einmal natürlich das Problem mit dem Zurückfalten in den Originalzustand. Daran scheitern die meisten. Das kann man sozusagen knicken. Die Parallelmittenfalz-Super­maschinen ermöglichen zudem, besonders viel Bibelpapier im Umkarton unterzubringen. Und darauf steht in der Regel auch viel Text.

 

Natürlich ist genau geregelt, welche Informationen, Hinweise und Warnungen in welcher Form in einer Packungsbeilage zu finden sein ­müssen. Und hier beginnt ein Problem, das schließlich in kompletter Überforderung vieler Patienten und Sprüchen wie »Zu Risiken und Neben­wirkungen essen Sie die Packungsbeilage und schlagen Sie Ihren Arzt oder Apotheker« mündet. Auf der Jahrestagung der Deutschen Pharmazeu­tischen Gesellschaft im vergangenen Herbst stellte Professor Dr. Thorsten Lehr von der Universität des Saarlandes Ergebnisse einer Untersuchung vor, wonach sage und schreibe jedes zehnte bis zwanzigste Wort in ausgewerteten Beipackzetteln der Kategorie Fachchinesisch zuzuordnen ist.

 

Warum nicht laienverständlich umformulieren, die Schriftgröße erhöhen und die Satzlänge begrenzen? Projekte mit diesem Ziel laufen bereits und zeigen positive Resultate. Wenig überraschend bevorzugen Patienten auch eine Kurzversion gegenüber der herkömmlichen Packungsbeilage. Ob bessere Noten für die Packungsbeilage allerdings die Therapietreue der Patienten letztlich verbessern, ist noch längst nicht bewiesen.

 

Auch der Titelbeitrag (Lesbarkeitstests von Packungsbeilagen: Defizite erkennen und gezielt beraten) dieser Ausgabe widmet sich der ­Lesbarkeit von Packungsbeilagen. Unsere Versprechen: Die Schriftgröße übertrifft jene von Beipackzetteln deutlich, das Layout ist keine ­reine ­Bleiwüste und auch auf Bibelpapier sowie Parallelmittenfalz haben wir verzichtet.

 

Sven Siebenand 

Stellvertretender Chefredakteur

 

 

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