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Finnlands Arzneimittelpreise

Sparen ist eher Nebensache

17.08.2016
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Von Jennifer Evans / Die finnische Regierung steht in der Kritik, den Arzneimittelmarkt nicht genügend zu regulieren. Nach Ansicht der Partei Grüner Bund ließen sich Millionen einsparen. Nun fordert sie von der Regierung eine Erklärung.

Der grün-liberale Politiker Mikko Kiesiläinen hat der regierenden konservativen Partei, der sogenannten Nationalen Sammlungspartei, vorgerechnet, wie viele Einsparungen im Pharmasektor möglich wären. Wie aus einem Bericht der »Helsinki Times« hervorgeht, nennt Kiesiläinen eine Summe von 87 Millionen Euro, wenn die finnische Regierung den Arzneimittelmarkt ebenso effizient regeln würde, wie die schwedischen Nachbarn. Dabei geht es dem Politiker vor allem um die Senkung der Preise für verschreibungspflichtige Arzneimittel.

 

An der Spitze

 

Laut Auswertungen des österreichischen Instituts für pharmaökono­mische Forschung (IPF) aus dem vergangenen Jahr nimmt Finnland mit 30,50 Euro beim durchschnittlichen Apotheken-Abgabepreis pro Packung den Spitzenwert im europäischen Vergleich (17,20 Euro) ein. Dem Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) zufolge sind Preissetzung und Festlegen der Erstattungsfähigkeit in Finnland keine separaten Prozesse, wie etwa hierzulande. Auch ein Referenzpreissystem existiert demnach nicht. Zudem sind OTC-Arzneimittel größtenteils erstattungsfähig. In Schweden hingegen müssen Hersteller mit dem sogenannten Läkemedelsförmånsnämnden (Pharmaceutical Benefits Board) über die Aufnahme eines Rx- und OTC-Medikaments in eine Positivliste für erstattungsfähige Produkte verhandeln. Das drückt die Kosten, die nur knapp über dem EU-Durchschnitt liegen. ­Kiesiläinens Verstoß findet laut Medien­bericht viele Befürworter – sowohl aus Sozialversicherungskreisen als auch seitens der finnischen Wettbewerbs- und Verbraucherschutzzentrale sowie von Gesundheitswissenschaftlern.

 

Generell kritisiert der Politiker die enge Beziehung zwischen der Association of Finnish Pharmacists (AFP) und der Regierung. Laut Kiesiläinen ist sowohl der aktuelle als auch der vorangegangene AFP-Vorstand einst für die Nationale Sammlungspartei tätig gewesen. »Die Tatsache, dass die Nationale Sammlungspartei eine bestimmte Berufsgruppe mit hohem Einkommen auf Kosten der übrigen Gesellschaft schützt, ist ein Zeichen von kapitalistischer Vetternwirtschaft«, zitiert ihn die »Helsinki Times«.

 

In einer Anfrage hat die grün-liberale Partei nun ihre Regierung aufgefordert, Gründe für die mangelnde Bereitschaft zur Kostenminimierung zu nennen. /

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