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Dimethylfumarat

Dritte Karriere als Krebsmedikament

16.08.2016
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von Annette Mende / Das bereits bei Psoria­sis und Multipler Sklerose eingesetzte Dimethylfumarat (DMF) könnte in einer weiteren Indikation erfolgreich werden: bei kutanen T-Zell-Lymphomen (CTCL).

 

Die Wirkung kommt laut einer Publikation von Wissenschaftlern um Privatdozent Dr. Jan Nicolay von der Universität Mannheim durch eine Hemmung des Transkriptionsfaktors NFκB zustande. Dieser ist bei CTCL dauerhaft aktiviert, was die Zellen unempfänglich für Signale macht, die normalerweise den programmierten Zelltod einleiten. DMF hemmte in Labor- und Tierversuchen NFκB bei CTCL-Zellen und führte so zu deren Untergang, berichten die Forscher im Fachjournal »Blood« (DOI: 10.1182/blood-2016-01-694117).

 

Nachdem die Wissenschaftler den Effekt von DMF auf CTCL-Zellen zunächst in vitro untersucht hatten, transplantierten sie von Patienten isolierte Zelllinien unter die Haut von Mäusen, wo sie zu Tumoren heranwuchsen. Wurden die Tiere anschließend mit DMF behandelt, wuchsen die Tumoren langsamer als bei unbehandelten Mäusen. Zudem waren unter DMF die Apoptoserate sowohl im Primärtumor als auch in Lebermetastasen erhöht und die Metastasierung nahezu vollständig unterbunden.

 

»DMF scheint mindestens vergleichbar wirksam und dabei besser verträglich zu sein als die meisten anderen Wirkstoffe, die gegen kutane Lymphome eingesetzt werden«, sagt Koautor Professor Dr. Peter Krammer vom Deutschen Krebsforschungszentrum in einer Pressemitteilung. Dass DMF als zugelassenes Medikament schon am Markt ist, sollte aus Sicht der Arbeitsgruppe die Prüfung bei CTCL beschleunigen. Die Forscher haben bereits eine erste klinische Studie in dieser Indika­tion initiiert. /

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