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Thüringen

Streit um Neuverblisterung

13.08.2014
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Von Anna Hohle / In Thüringen ist zwischen Ärzten, Apothekern und Blisterzentren ein Streit über die patientenindividuelle Arzneimittelverblisterung entbrannt.

 

Eine solche Zusammenfügung von verschiedenen Tabletten und Kapseln in einzeln eingeschweißte Tagesportionen ist sowohl Apotheken als auch Blisterzentren erlaubt. Gerade ältere Patienten, die viele Medikamente einnehmen müssen, sollen durch die individuelle Portionierung einen besseren Überblick über ihre Medikation bekommen.

 

Thüringer Ärzte- und Apothekerverbände haben jedoch nun in einem gemeinsamen Positionspapier klargestellt, dass sie eine »undifferenzierte, massenhafte industrielle Neuverblisterung von Arzneimitteln« ablehnen. Würden Medikamente etwa in Pflegeheimen grundsätzlich neu verblistert, bestehe die Gefahr, dass bevorzugt feste Darreichungsformen gegeben werden, weil nur diese sich entsprechend portionieren lassen. Ältere Patienten mit Schluckbeschwerden profitierten jedoch häufig mehr von flüssigen Medikamenten oder Zäpfchen, heißt es im Positionspapier.

 

Ein weiteres Manko der Neuverblisterung ist Ärzten und Apothekern zufolge die Gefahr der Cross-Kontamination im Blister. Die vielen möglichen Reaktionen seien bislang nicht erforscht. Auch sei es schade, dass das Pflegepersonal bei der Verwendung fertiger Blister kaum noch über die genaue Medikation des einzelnen Patienten informiert ist. Die Thüringer Ärzte und Apotheker plädieren stattdessen dafür, das Thema Neuverblisterung bei jedem Patienten abzuwägen und generell der individuellen Arzneimittelvorbereitung durch eine Apotheke den Vorzug zu geben.

 

Ganz anders sieht das naturgemäß der Bundesverband patientenindividueller Arzneimittelverblisterer (BPAV). Er beklagte in einer Presseerklärung, das Positionspapier von Ärzten und Apothekern strotze vor Unkenntnis. Wissenschaftliche Studien belegten, dass durch das Neuverblistern die Sicherheit und Therapietreue anstiegen. »Wer diese Studien ignoriert, ignoriert auch die akademische Diskussion und das ist schade«, sagte der BPAV-Vorsitzende Hans-Werner Holdermann. /

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