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Ebola-Epidemie

Ein internationaler Notfall

13.08.2014  09:46 Uhr

Von Christina Hohmann-Jeddi / In Westafrika grassiert das Ebolavirus, mehr als 1000 Menschen sind dem tödlichen Erreger bei diesem weltweit größten Ausbruch bereits zum Opfer gefallen. Um die Epidemie unter Kontrolle zu bekommen, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nun zu drastischen Maßnahmen gegriffen.

Laut WHO-Angaben starben bisher 1013 Menschen, insgesamt seien 1848 Ebola-Erkrankungen aufgetreten. Das Ausmaß der Epidemie veranlasste die Organisation dazu, am vergangenen Freitag den Ebola-Ausbruch zum internationalen Gesundheitsnotfall zu erklären. Die Einschätzung trafen die Viren- und Seuchen-Experten des Notfallkomitees der WHO einstimmig, teilte die Organisation in Genf mit. Damit kann die Organisation weltweit Vorschriften zur Eindämmung des Ausbruchs erlassen. 

 

Möglich sind unter anderem Quarantäne-Maßnahmen wie die Schließung von Grenzen sowie Einschränkungen im internationalen Reiseverkehr. WHO-Generaldirektorin Margaret Chan gab bekannt, dass sie die Empfehlungen des Notfallkomitees vollständig angenommen und damit als weltweit völkerrechtlich verbindliche Gesundheitsvorschriften in Kraft gesetzt hat.

 

Die Regierungen der betroffenen Länder werden aufgerufen, umgehend den nationalen Notstand auszurufen. Nigeria folgte dieser Empfehlung, in den zwei anderen betroffenen Ländern Liberia und Sierra Leone war der Notstand bereits zuvor ausgerufen worden. Guinea schloss zwar die Grenzen, erklärte aber noch nicht den nationalen Notstand. Es ist erst das dritte Mal, dass die WHO einen internationalen Gesundheitsnotfall ausruft. Zuvor wurde im Mai 2014 wegen der Ausbreitung von Polio in Pakistan und Afghanistan zu dieser Maßnahme gegriffen sowie 2009 wegen der sogenannten Schweinegrippe.

 

Patient Zero identifiziert

 

Dass diese Epidemie bislang unbekannte Ausmaße angenommen hat, liegt auch daran, dass sie drei Monate lang unentdeckt blieb, bevor sie als Ebola erkannt wurde. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher um Sylvain Baize vom Institut Pasteur in Lyon in einer Studie, die im »New England Journal of Medicine« (NEJM, doi: 10.1056/NEJMoa1404505) erschienen ist. Zusammen mit Kollegen vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut rekonstruierten die Experten den Verbreitungsweg des Ebola-Erregers. Ihnen zufolge erkrankte als Erstes ein zweijähriges Kind in dem Dorf Meliandou in Guinea an Ebola. Am 2. Dezember 2013 entwickelte es Fieber, schwarze Durchfälle und Erbrechen, am 6. Dezember starb es. Diesem als Patient Zero bezeichneten Erkrankten folgten seine Mutter, seine Schwester, seine Großmutter sowie eine Krankenschwester, die die Infizierten im Krankenhaus betreut hatte. Alle starben.

 

Rasche Verbreitung

 

Innerhalb kurzer Zeit erkrankten weitere Pflegekräfte des Krankenhauses sowie Gäste der Trauerfeiern, die den Erreger in weitere Dörfer verschleppten. Nur nach zwölf Wochen betrug das Verbreitungsgebiet schon mehrere Zehntausend Quadratkilometer. Erst am 6. März wurde das Ebolavirus als Ursache der Erkrankungen erkannt und Schutzmaßnahmen eingeleitet. Bei den frühen Erkrankungsfällen betrug die Mortalität 86 Prozent, im späteren Verlauf der Epidemie etwa 71 Prozent, schreiben die Forscher im »NEJM«. Die genetische Analyse der isolierten Erreger von den verschiedenen Patienten zeigt, dass sie nahezu identisch sind. Die Forscher gehen davon aus, dass der Erreger nur einmal in die menschliche Population eingeführt wurde und zwar bei dem genannten Patient Zero. Wie das Kind sich infizierte, ist allerdings noch nicht geklärt. Als Überträger kommen in Guinea lebende Flughunde infrage, schreiben die Experten.

 

In der Vergangenheit führte Ebola zu kleinen, lokal begrenzten Ausbrüchen in Zentralafrika. An der starken Verbreitung des Virus bei der aktuellen Epidemie sind zwei Faktoren beteiligt: Zum einen ist sie die erste Ebola-Epidemie in Westafrika, weshalb die dortigen Ärzte und Pflegekräfte nicht für die Symptome der Erkrankung sensibilisiert waren und zu spät reagierten. Zum anderen lebte der erste Patient nicht in einem abgelegenen Dorf, sondern einem Verkehrsknotenpunkt im Grenzgebiet von Guinea, Sierra Leone und Liberia, was die Verbreitung begünstigte. /

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