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Weltraum

Astronauten unter Schlafmitteleinfluss

12.08.2014
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Von Daniela Biermann / Schwerelos und schlaflos: Um Letzteres zu verhindern, nehmen viele Astronauten Schlafmittel wie Zolpidem und Zaleplon ein. Dies ist zumindest Fazit einer Aus­wertung zum Schlafverhalten von Raumfahrern, die im Fachjournal »The Lancet« erschienen ist.

Der Untersuchung zufolge nehmen drei Viertel der Besatzung der internationalen Raumstation ISS von Zeit zu Zeit Schlafmittel ein (doi: 10.1016/S1474-4422(14)70122-X). Auf Shuttle-Missionen sind es 78 Prozent, wobei die Astronauten die Schlafmittel rund jede zweite Nacht einnehmen.

 

Die Studienautoren warnen vor Leistungseinschränkungen bei Notfällen durch die Z-Substanzen. Ein regelmäßiger Gebrauch solcher Medikamente durch Crewmitglieder von Raumschiffen sei bedenklich. Schließlich raten die Arzneimittelbehörden nach Schlafmittel-Einnahme zur Vorsicht bei der Ausübung gefährlicher Tätigkeiten, die große Konzentration oder motorische Koordination erfordern. Das gelte sowohl für die Schlafenszeit als auch für den Arbeitstag danach. »Das ist besonders zu bedenken, da bei einer Mission alle Crew­mitglieder gleichzeitig unter dem Einfluss von Schlafmitteln stehen könnten«, warnt Erstautorin Dr. Laura K. Barger von der Harvard Medical School. Dies sei bei ihrer Auswertung bei vier Shuttle-Missionen zu 6 Prozent der Zeit der Fall gewesen.

 

Barner und ihre Kollegen befragten 64 Astronauten auf 80 Shuttle-Missionen und 21 Astronauten an Bord der ISS nach ihren Schlafgewohnheiten und zeichneten ihr Schlafverhalten mit einem speziellen Armband auf. Dabei kam heraus, dass die Raumfahrer unter chronischem Schlafmangel leiden – sogar bereits in den Monaten vor dem Start durch intensives Training. Statt der von der NASA vorgeschriebenen 8,5 Stunden Schlafdauer lag die Durchschnittslänge bei rund sechs Stunden. Nur in 12 Prozent der Nächte bei Shuttle-Missionen und 24 Prozent auf der ISS schliefen die Astronauten länger als sieben Stunden. Nach ihren Einsätzen schliefen sie dagegen in 42 beziehungsweise 50 Prozent der Nächte entsprechend lang.

 

Die Forscher fordern nun bessere Maßnahmen, um den Crewmitgliedern Ruhezeiten zu ermöglichen, zum Beispiel andere Zeitpläne und Verhaltensschulungen – gerade in Anbetracht längerer Einsätze wie einem bemannten Flug zum Mars. Bei Erdumrundungen geht die Sonne alle 90 Minuten auf und unter, was den zirkadianen Rhythmus durcheinanderbringt. Obwohl es bereits dunkle, geräuscharme Schlafstationen auf der ISS gibt, stören die Astronauten Geräusche der Maschinen und Raumanzüge. Mikroschwerkraft könnte ein weiterer Störfaktor sein. Auch psychische Belastung wird eine Rolle spielen. Zudem sei unklar, ob vielleicht das Leben im All das Schlafbedürfnis verkürzt. /

Glosse

Zurück in die Zukunft

 

Die Warnung vor Z-Substanzen im Weltall wird voraussichtlich in die Annalen der Pharmaziegeschichte eingehen. Denn spätestens im 23. Jahrhundert wird das Wissen um Zopiclon und Co. für das Leben auf der Enterprise von entscheidender Bedeutung sein. Ein Captain Kirk auf Z würde niemals den eigentlich unlösbaren Kobayashi-Maru-Test bestehen. Und Lieutenant Uhura hätte im Hangover gewaltig Probleme, ihr technisches Talent unter Beweis zu stellen. Darauf, dass sie in diesem Zustand den romulanischen Mikropuls-Code knackt, brauchen Trekkies gar nicht erst zu hoffen. Z-Substanzen werden im 23. Jahrhundert zu den traditionellen synthetischen Arzneimitteln zählen. Im Hand- gepäck der Star-Trek-Crew werden sie allerdings unter Androhung des Zurückbeamens in ein Andrea-Berg-Konzert im Jahr 2014 verboten sein. Das gilt insbesondere für alle Terraner. Da man mit der Pharmakokinetik von Z-Substanzen bei Halbvulkaniern im 23. Jahrhundert noch nicht so weit ist, kann man im Fall von Commander Spock eventuell pharmazeutische Bedenken geltend machen. Enterprise-Arzt Dr. Leonard McCoy wird das aber allein entscheiden müssen und einen Apotheker an seiner Seite schmerzlich vermissen. Dieses Dream-Team hatte sich doch über mehr als 200 Jahre so erfolgreich etabliert. Vielleicht ist die Erinnerung an die gute alte Zeit auch der wahre Grund, weshalb McCoy im Jahr 2267 nach der Einnahme einer Überdosis Cordrazin durch ein Zeittor in die Vergangenheit flüchtet.

 

Sven Siebenand

stellvertretender Chefredakteur

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