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Uni Leipzig

Die richtigen Weichen stellen

13.08.2013  17:30 Uhr

Von Daniel Rücker / Seit Juli 1993 gibt es in Leipzig ein Pharmazeutisches Institut. Feierstimmung kam aber trotz Festakt im Juli nicht auf. Noch immer ist das Institut bedroht, die geplanten Stellenstreichungen sind nicht vom Tisch. Die sächsische Sozial­ministerin Christine Clauß (CDU) will weiter kämpfen.

PZ: Warum muss es weiterhin ein Pharmazeutisches Institut an der Universität in Leipzig geben?

 

Clauß: Nach 1989 hat unser damaliger Ministerpräsident Biedenkopf das Institut wieder gegründet und aufgebaut. Seitdem wird an dem in Sachsen einzigartigen Institut in Lehre und Forschung sehr gute Arbeit geleistet. Das möchte ich auch für die Zukunft gewährleistet sehen. Wir brauchen das Institut aber auch, um ein hohes Niveau der Berufsausübung für die sächsischen Apothekerinnen und Apotheker zu sichern. Das gilt auch für die Weiterbildung in Klinischer Pharmazie.

PZ: Sie haben gegen die Schließung Ihr Veto eingelegt. Wie lange könnten Sie so das Institut schützen?

 

Clauß: Solange mein Veto besteht, kann der Studiengang Pharmazie an der Universität Leipzig nicht abgewickelt werden. Neue Gründe, die mein Veto in Frage stellen, kann ich gegenwärtig nicht erkennen.

 

PZ: Das Wissenschaftsministerium hat die Universität Leipzig aufgefordert, die Personalkosten zu senken und 48 Stellen bis Ende 2014 zu streichen. Könnte dieses Sparziel nicht auch erreicht werden, ohne das Pharmazeutische Institut zu schließen?

 

Clauß: Diese Frage richtet sich an die Universität Leipzig. Sie muss dies prüfen, ebenso wie die Frage, was im Kontext des demografischen Wandels in Sachsen für die zukünftige Daseinsvorsorge an Ausbildung erforderlich ist und welche Studiengänge eher in die Rubrik »nice to have« gehören.

 

PZ: Die Nachwuchssorgen der Apotheker in Sachsen sind bekannt. Müsste nicht eher aufgestockt als abgebaut werden?

 

Clauß: Apotheker gehören für mich zur medizinischen und pharmazeutischen Daseinsvorsorge, das gilt für niedergelassene Apotheker und für Krankenhausapotheker. Gut ausgebildeten Nachwuchs wird es hier nur dann langfristig geben, wenn die Anzahl der Studienplätze in Leipzig nicht nur erhalten wird, sondern weiter steigt. Im Übrigen darf ich darauf hinweisen, dass der Freistaat Sachsen auch als Standort für die pharmazeutische Industrie ein Interesse an gutem pharmazeutischen Nachwuchs hat.

 

PZ: Gibt es Gespräche mit der Universität, um den Pharmaziestandort zu erhalten?

 

Clauß: Ich gehe davon aus, dass die vergangenen Wochen sowohl das Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst als auch die Universität zumindest nachdenklich gemacht haben.

 

PZ: Wo gibt es Unterstützer für den Erhalt der Pharmazie in Leipzig?

Clauß: Ich bin beeindruckt, wer sich mir gegenüber für einen Erhalt des Leipziger Instituts eingesetzt hat. An erster Stelle stehen die Studentinnen und Studenten, die engagiert für ihr Institut kämpfen. Das imponiert mir sehr! Wichtige institutionelle Unterstützer sind natürlich auch die Sächsische Landesapothekerkammer, der Sächsische Apothekerverband und die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft. Auch die sächsische Ärzteschaft, die pharmazeutische Industrie unseres Landes und die Hochschullehrer sowie die Studenten anderer pharmazeutischer Institute gehören zu den Unterstützern.

 

PZ: Drei Personalstellen wurden bereits abgebaut, die Zahl der Studienanfänger nimmt ebenfalls bereits ab. Statt einer Schließung ist auch ein schleichendes Ende des Institutes denkbar. Wie können Sie das verhindern?

 

Clauß: Diese Gefahr sehe ich durchaus. Ich werde solchen Überlegungen aber um der Sache willen energisch entgegentreten. Abgesehen von den rechtlichen Bedenken, die einem solchen Umgehen meines Vetos entgegenstehen, glaube ich, dass die Befürworter eines gestärkten Pharmazeutischen Instituts in der Sache die besseren Argumente haben.

 

PZ: In Sachsen-Anhalt und Thüringen gibt es mit Halle und Jena ebenfalls Pharmazeutische Institute. Könnten die den Bedarf Sachsens decken?

 

Clauß: Das glaube ich nicht. Wollten die beiden Institute den Bedarf Sachsens mit decken, dann müssten sie ihre Studienkapazitäten ausbauen. Gerade vor dem Hintergrund der Spar­anstrengungen in unserem Nachbarland wäre dies nicht zum Nulltarif zu bekommen. Die Frage nach dem finanziellen Vorteil eines solchen Auslagerns der Ausbildung stellt sich deshalb erst gar nicht.

 

PZ: Welche Konsequenzen hätte die Schließung des Institutes für die Arzneimittelversorgung in Sachsen?

 

Clauß: In Sachsen könnten dann viele freiwerdende Stellen in den Apotheken nicht mehr nachbesetzt werden. Ich setze mich aber gerade für eine pharmazeutische und medizinische Grundversorgung im ländlichen Raum ein. Dies setzt voraus, dass genug junge Apotheker und Ärzte ausgebildet werden. Nach unseren Erkenntnissen arbeitet ein Großteil der Hochschulabsolventinnen und -absolventen in dem Bundesland, in dem sie auch studiert haben. Das möchte ich gern für Sachsen nutzen.

 

PZ: Gibt es Regionen, in denen Sie sich bereits um die flächendeckende Arzneimittelversorgung Sorgen machen?

 

Clauß: Ernste Sorgen müssen wir uns gegenwärtig noch nicht machen. Ich schaue aber heute bereits auf die Situation in fünf oder zehn Jahren und da heißt es bereits heute, die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen.

 

PZ: Gibt es in zehn Jahren das Pharmazeutische Institut in Leipzig noch?

 

Clauß: Ich setze mich mit vielen Anderen dafür ein.  /

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