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Welt-Aids-Konferenz

Die Herausforderung bleibt

12.08.2008
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Welt-Aids-Konferenz

Die Herausforderung bleibt

Von Nicole Schuster

 

»Universelles Handeln – Jetzt« lautete das Motto der 17. Welt-Aids-Konferenz in Mexiko-Stadt. Angesichts von weltweit 33 Millionen mit dem HI-Virus infizierten Menschen sind Taten dringend gefordert. Doch der Kampf gegen die Krankheit bleibt schwierig.

 

Die ersehnte Wunderwaffe gegen die Immunschwächekrankheit ist weiterhin nicht in Sicht, waren sich die Experten auf der Welt-Aids-Konferenz vom 3. bis 8. August 2008 einig. Die rund 25.000 Teilnehmer wollen im Kampf gegen die Erkrankung noch stärker auf Aufklärung und gezielte Vorbeugeprogramme setzen, um die weltweite Ausbreitung einzudämmen.

 

Die bisherigen Bemühungen haben vor allem die Situation in den Industriestaaten verbessert. Die zur Verfügung stehenden Medikamente erreichen jedoch gerade einmal drei Millionen HIV-Infizierte und damit nur ein Drittel der behandlungsbedürftigen Kranken. Obwohl dies eine Verzehnfachung während der letzten sechs Jahre bedeutet, ist es immer noch viel zu wenig, gemessen an dem ehrgeizigen Ziel der UNO, bis 2010 alle Bedürftigen medikamentös zu behandeln.

 

Antiretroviral wirksame Arzneimittel können die Lebensqualität der Patienten deutlich erhöhen. Doch warnen die Experten gleichzeitig vor einer zunehmenden Sorglosigkeit im Umgang mit der Infektion. Die Immunschwächekrankheit bleibt weiterhin unheilbar, und auch bei der Impfstoffsuche konnte noch kein Durchbruch erzielt werden. Nach Ansicht einiger führender Wissenschaftler ist es fraglich, ob eine Impfung jemals möglich sein wird.

 

Ein wichtiges Thema der Welt-Aids-Konferenz war deshalb die Prävention. Die bisherigen Programme erreichen nach Aussage von Experten nur knapp 10 Prozent der gefährdeten Menschen. Hier sollen Länder wie Deutschland, welche die Zahl der Neuinfizierten dank effektiver Aufklärungsarbeit verringern konnten, mit ihrer Erfahrung helfen. In der Bundesrepublik war vor allem die Kampagne »Gib Aids keine Chance« erfolgreich. Vielerorts scheitern Programme zur Prävention am Widerstand der Kirchen und konservativer gesellschaftlicher Gruppen. Auch die katholische Kirche lehnt nach wie vor den Gebrauch von Kondomen ab und ruft stattdessen zu Treue und Enthaltsamkeit auf. Als weiteres Problem machte die Konferenz die Stigmatisierung gefährdeter Gruppen wie etwa Homosexueller oder Drogenabhängiger aus.

 

Frauen im Mittelpunkt

 

In den Fokus geriet auch Gewalt gegen Frauen. Strategien gegen Aids sollen in Zukunft Frauen stärker einbeziehen und ihre Position in der Gesellschaft festigen. Der frühere US-Präsident Bill Clinton sprach sich in Mexiko für eine UN-Agentur aus, die sich speziell um die Belange von Frauen kümmern soll. Eine weitere Botschaft der Konferenz war, dass auch für Säuglinge, die oft schon bei der Geburt mit dem HI-Virus angesteckt würden, mehr getan werden müsse. Die Organisation »Ärzte ohne Grenzen« teilte mit, dass es für die zwei Millionen infizierten Kinder kaum geeignete Arzneimittel gebe.

 

Deutschland mit großem Aufgebot

 

Deutschland hat an der erstmals in Lateinamerika stattfindenden Veranstaltung mit einer großen Delegation teilgenommen. Mit dem Bundesministerium für Gesundheit, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung vertraten gleich drei Ministerien die Bundesregierung. Als Ziel erklärten sie, dass die medizinischen Neuerungen allen Betroffenen zugute kommen müssten. Die Bundesrepublik setzte sich in Mexiko dafür ein, armen Ländern Schulden zu erlassen, wenn diese das Geld in die Aids-Bekämpfung investieren. Dazu Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul: »Industrieländer müssen neue Finanzierungswege in der Aids-Bekämpfung gehen!« Deutschland hat mit Indonesien bereits 2007 eine Schuldenumwandlung begonnen, verhandelt gerade mit Pakistan und möchte so bis 2010 den Kampf gegen Aids mit insgesamt 200 Millionen Euro unterstützen. Geld, das dringend benötigt wird. Schließlich müsse für jeden Infizierten lebenslang die Therapie bezahlt werden, so der deutsche Christoph Benn, Direktor des Globalen Fonds gegen Aids, Malaria und Tuberkulose.

 

Angesichts der Ergebnisse der Konferenz mahnte die Opposition im Bundestag die Bundesregierung, den Kampf gegen die Immunschwächekrankheit noch zu verstärken. Die Fraktion Die Linke bezeichnet es als »Schande, dass die Staaten des Nordens nicht die dringend benötigten Gelder freigeben«. Ute Koczy, die entwicklungspolitische Sprecherin der Bundesfraktion Bündnis 90/Die Grünen, forderte in den Entwicklungsländern einen »universellen Zugang zu antiretroviralen Medikamenten«. Es dürfe nicht sein, dass dies an »rigorosen Patentregelungen« scheitere. Die FDP-Bundestagsfraktion forderte, dass die Forschung noch stärker gefördert werden müsse und appellierte: »Den Worten müssen Taten folgen«. Bei der nächsten Welt-Aids-Konferenz 2010 in Wien wird sich spätestens zeigen, was aus den Versprechungen von heute wurde.

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