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Rauschforschung

09.08.2007
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Rauschforschung

Zaubersalbei, Fliegenpilz und Stechapfel &#8211 Naturdrogen liegen derzeit im Trend, zumindest in den Medien. In den vergangenen Wochen reihte sich ein Bericht über psychoaktive Pflanzen an den nächsten. Der neuste Anlass für dieses Medieninteresse ist die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur »Betäubungs- und arzneimittelrechtlichen Behandlung von Salvia divinorum (Salbei) und anderen biogenen Drogen« (Beitrag Naturdrogen). In der Antwort heißt es, die Regierung betrachte »mit Sorge die wachsende Verbreitung des Gebrauchs von Naturdrogen«. Der Konsum dieser biogenen Drogen könne »zu schweren Bewusstseinsveränderungen, Psychosen und anderen gesundheitlichen Schädigungen führen«.

 

Wie berechtigt die Sorge der Bundesregierung ist, lässt sich derzeit schlecht abschätzen. Weder für den Konsum von biogenen Drogen noch zu deren Risiken gibt es systematische Untersuchungen. Dies erklärt die Bundesregierung auch in ihrem Schreiben. Kritiker bemängeln, die Vermutung, es bestehe ein Trend zu Naturdrogen, stütze sich vor allem auf die Präsenz dieser Substanzen im Internet. Und die ist enorm: Eine Google-Anfrage zum Suchbegriff »Salvia divinorum« (Zaubersalbei) liefert fast 800.000 Einträge, zu »magic mushrooms« sogar 1,8 Millionen.

 

Dass die psychoaktiven Pflanzen und Pilze aber weit weniger verbreitet sind, als diese Zahlen vermuten lassen, zeigt die Realität in deutschen Suchtberatungsstellen und Giftinformationszentren. Hier gehen jedes Jahr nur vereinzelte Anfragen zu biogenen Drogen ein. Wichtig ist es daher, den Konsum von Naturdrogen für Deutschland systematisch zu erfassen.

 

Weitgehend ungeklärt ist auch, wie biogene Drogen wirken und welche Risiken für die Gesundheit sie besitzen. Hierzu sei »die wissenschaftliche Datenlage insgesamt unzureichend«, schreibt die Bundesregierung. Schadensfälle für Deutschland fehlen bislang. Aus fehlenden Daten lässt sich aber nicht ableiten, dass die psychoaktive Pflanzen ungefährlich sind. Vielmehr sollten sie Anreiz sein, die Wirkung und Risiken wissenschaftlich zu erforschen.

 

So galt Cannabis lange Zeit aus toxikologischer Sicht als unbedenklich im Vergleich zu den legalen Drogen Alkohol und Nikotin. Eine aktuelle Studie zeigte jedoch, dass der Cannabis-Konsum das Risiko, im Laufe des Lebens eine psychotische Erkrankung wie Schizophrenie zu entwickeln, deutlich erhöht. Vermeintlich harmlose Drogen sind also womöglich gar nicht so harmlos.

 

 

Christina Hohmann

Ressortleitung Medizin

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