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Radiopharmakon bei Prostatakrebs

10.08.2016  09:04 Uhr

Von Sven Siebenand / Das Prostata-spezifische Membran-Antigen (PSMA) ist ein neues Zielprotein für Diagnostik und Therapie von Krebs. Wie der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner in einer Pressemeldung berichtet, tragen Prostata­zellen und noch häufiger Pro­statakrebszellen PSMA auf ihrer Oberfläche.

 

Forschern sei es gelungen, einen gut verträglichen Wirkstoff zu entwickeln, der sich – ähnlich wie ein Antikörper – an PSMA-Moleküle anheftet. »Wird die Substanz mit dem schwach radioaktiv strahlenden Marker Gallium-68 gekoppelt, lässt sie sich hervorragend in der Diagnostik des Prostatakarzinoms einsetzen«, informiert Professor Dr. Frank Grünwald vom Universitätsklinikum Frankfurt am Main. Andere Studien zeigen, dass PSMA auch in einigen Tumoren, die nicht auf Prostatazellen zurückgehen, gebildet wird. Mit einer Gallium-68-PSMA-unterstützten PET/CT-Untersuchung ließen sich kürzlich zum Beispiel auch Meta­stasen eines Nierenzellkarzinoms im Körper sichtbar machen.

 

Wie erste Daten nahelegen, eignet sich PSMA aber auch als Zielmolekül für eine Therapie des Prostatakarzinoms. Gekoppelt an ein am Wirkort stärker strahlendes Element wie Lutetium-177 oder Actinium-225 lassen sich Substanzen, die PSMA aufspüren, zur Behandlung ein­setzen. In einer Pilotstudie am Universitätsklinikum Heidelberg haben Mediziner begonnen, Prostatakrebs-Patienten mit Actinium-225-PSMA-617 zu behandeln. Indem es in unmittelbare Nähe zu den Tumor­zellen gelangte, konnte das Radiopharmakon diese gezielt zerstören.

 

Erste Ergebnisse dieser Therapie seien sehr vielversprechend, so Grünwald. Bei zwei Patienten ließen sich der ursprüngliche Krebsherd sowie Meta­stasen im PET/CT-Scan nicht mehr nachweisen. Auch Tumormarker im Blut seien unter die Nachweisgrenze gesunken. In weiteren Studien soll nun getestet werden, ob die Methode anderen Therapien auch langfristig überlegen ist. /

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