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TAS-102

Neues Zytostatikum bei Darmkrebs

10.08.2016
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Von Brigitte M. Gensthaler, München / Im August soll ein neues Zytostatikum für Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom auf den deutschen Markt kommen. Die Kombination aus Trifluridin und Tipiracil (TAS-102, Lonsurf®, Servier) ist eine Option, wenn die verfügbaren Therapien ausgeschöpft sind oder nicht infrage kommen.

 

Das peroral bioverfügbare Zytostatikum ist zugelassen für erwachsene Krebspatienten, die bereits viele Medikamente bekommen haben, darunter Fluoropyrimidine, Oxaliplatin und Irinotecan sowie zielgerichtete Therapeutika wie Anti-VEGF- und Anti-EGFR-Subs­tanzen. »Die europäische Fachgesellschaft ESMO hat die Kombination in ihren aktuellen Leitlinien bereits als Drittlinien-Option für stark vorbehandelte Patienten aufgenommen«, sagte Professor Dr. Hans-Joachim Schmoll bei einer von Servier unterstützten Veranstaltung in München.

 

Tipiracil verhindert Abbau

Trifluridin (FTD) ist ein antineoplastisches Nukleosid-Analogon, das in der Tumorzelle nach Phosphorylierung in die DNA eingebaut wird und dadurch die Zellproliferation beeinträchtigt. FTD wird im Blut jedoch rasch durch das Enzym Thymidin-Phosphorylase abgebaut und wurde daher bislang nicht peroral eingesetzt. Der Kombipartner Tipiracil (TPI) hemmt das Enzym und verhindert so den Abbau von FTD.

 

Lonsurf wird nach Körperoberfläche dosiert. Die Anfangsdosis beträgt 35 mg pro m2, jedoch maximal 80 mg, zweimal täglich an den Tagen 1 bis 5 und 8 bis 12 in einem 28-Tage-Zyklus. Je nach Verträglichkeit kann eine Dosisreduktion erforderlich sein, wobei minimal zweimal täglich 20 mg pro m2 gegeben werden. Die Einnahme erfolgt mit einem Glas Wasser innerhalb von einer Stunde nach einer Mahlzeit.

 

In der Zulassungsstudie Recourse wurde Trifluridin/Tipiracil mit Placebo, jeweils zusammen mit einer supportiven Therapie, bei 800 Patienten mit meta­stasiertem Kolorektalkarzinom geprüft. Die Kombination verlängerte das mediane Gesamtüberleben um zwei Monate von 5,2 auf 7,2 Monate und reduzierte die Einjahres-Sterblichkeit. Die Verträglichkeit insgesamt bezeichnete Schmoll als gut. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Neutro­penie (54 Prozent der Patienten), Übelkeit, Ermüdung, Anämie und Leuko­penie.

 

Allerdings waren Neutropenien aller Schweregrade mit einem längeren medianen Gesamtüberleben korreliert, teilt das Unternehmen Servier anhand einer Post-hoc-Analyse der Studiendaten mit. Neutropenien könnten somit ein Indikator für die Wirksamkeit des Zytostatikums sein. /

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