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Erstattungsbeträge

Iclusig ist die Nummer fünfzig

06.08.2014
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Von Stephanie Schersch / Die mit dem Arzneimittelmarkt-­Neuordnungsgesetz (AMNOG) eingeführten Erstattungsbeträge feiern Jubiläum. Das Leukämie-Präparat Ponatinib (Iclusig®) von Ariad Pharmaceuticals ist bereits das fünfzigste Präparat, für das Krankenkassen und Hersteller einen Preis verhandelt haben. Für den GKV-Spitzenverband ist das der Beweis: Die Erstattungs­beträge sind ein Erfolg.

Das AMNOG war 2011 in Kraft getreten und hatte eine grundsätzliche Wende für die Preisfestsetzung neuer Arzneimittel mit sich gebracht. Hersteller müssen seither mit den Krankenkassen über den Preis für ein Präparat verhandeln und können ihn nicht länger selbst festsetzen. Grundlage der Verhandlungen über den Erstattungsbetrag ist dabei stets eine Bewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), der den Grad des Zusatznutzens beurteilt.

 

»Überteuerte Preise«

 

Jahrzehntelang hätten die Kassen überteuerte Preise für Arzneimittel zahlen müssen, die lediglich Molekülvarianten bestehender Präparate gewesen seien, sagte Johann-Magnus von Stackelberg, Vizevorstand beim GKV-Spitzenverband. »Damit ist nun Schluss.«

Allein in diesem Jahr sind dem GKV-Spitzenverband zufolge Einsparungen von bis zu 600 Millionen Euro aufgrund der Erstattungsbeträge möglich. Dabei werde Deutschland nicht von der Entwicklung neuer Arzneimittel abgeschnitten. Lediglich fünf Mal hätten Hersteller ihre Produkte vom Markt genommen, nachdem der G-BA ihren Präparaten keinen patientenrelevanten Zusatznutzen attestiert hatte, so der Verband. In einigen Fällen musste zudem die Schiedsstelle entscheiden.

 

Fast jedes dritte Arzneimittel mit Erstattungsbetrag kommt gegen Krebs zum Einsatz. Wichtige Therapiegebiete sind zudem die Bereiche Diabetes und Neurologie

 

Auch Iclusig zählt zu den onkologischen Präparaten. Über die Höhe des nun verhandelten Erstattungsbetrags machte der GKV-Spitzenverband keine Angaben. Der Tyrosinkinase-Hemmer zählt zu den Orphan Drugs und genießt daher einen Sonderstatus. Für diese Arzneimittel gilt der Extranutzen bereits mit der Zulassung als belegt – vorausgesetzt der Umsatz liegt unter 50 Millionen Euro im Jahr. Der G-BA bewertet dann lediglich das Ausmaß des Zusatznutzens. Ponatinib bescheinigte er einen nicht quantifizierbaren Extranutzen.

 

Im vergangenen November hatte der Wirkstoff in der Kritik gestanden, weil es im Rahmen der Therapie offenbar häufiger zu Herzinfarkten und Schlaganfällen kommt als ursprünglich angenommen. In den USA hatte der Hersteller das Präparat daraufhin sogar zwischenzeitlich vom Markt gezogen. /

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