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Marketing

Ausländer als Zielgruppe entdecken

05.08.2008
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Ausländer als Zielgruppe entdecken

Von Jutta Degenhardt

 

Menschen aus anderen Kulturkreisen sind eine relevante Kundengruppe in der Apotheke. Unter ihnen sind auch viele kaufkräftige Verbraucher. Wer sie richtig anspricht, kann profitieren.

 

»Deutsche Firmen entdecken kaufkräftige Verbraucher mit ausländischen Wurzeln«. So lautet die Überschrift eines Artikels der Zeitung »Die Welt« (26. Januar 2008). Was als neuer Trend gepriesen wird, ist auch für Apotheken relevant. Wer diese Menschen richtig anspricht, kann profitieren.

 

In Deutschland leben rund 15 Millionen Menschen aus anderen Ländern. Die größte Gruppe davon (2,7 Millionen) sind türkischsprachige Bewohner. Deren Kaufkraft ist nicht zu unterschätzen. Dieses Potenzial kann sich die Apotheke mit einer speziell auf Bedürfnisse und Mentalität abgestimmten Ansprache erschließen. Dies gilt umso mehr in Gegenden mit hohem Ausländeranteil, in Touristenorten oder dort, wo viel internationales Publikum ist (zum Beispiel am Flughafen). Entscheidender Zugang ist die Sprache.

 

Mehrsprachigkeit herausstellen

 

Ein Teil der ausländischen Mitbürger hat Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache und ist dankbar, wenn die Apotheke über Mitarbeiter mit Fremdsprachenkenntnissen verfügt. Für viele Apotheken mit fremdsprachigem Personal ist die individuelle Beratung ihrer Kunden mit Migrationshintergrund seit Langem selbstverständlich.

 

Der Schlüssel zur Ansprache dieser Kundschaft sind also die entsprechend qualifizierten Mitarbeiter. Ist der Kunde erst in der Apotheke, ist es leicht, ihn anzusprechen. Aber auch der Noch-nicht-Kunde sollte wissen, dass er in dieser Apotheke gut aufgehoben ist. Botschaften im Schaufenster, am Handverkaufstisch, auf der Homepage oder dem Botenfahrzeug in einer Fremdsprache (zum Beispiel »Wir verstehen Sie = biz sizi anliyoruz«) signalisieren die Sprachkompetenz der Apotheke. Der Mitarbeiter selber kann durch kleine Landesfähnchen am Kittel zeigen, in welchen Sprachen er beraten kann. Selbst wenn in der Apotheke keine fremden Sprachen beherrscht werden, ist es sinnvoll, Begrüßungsformeln, Dosierungsempfehlungen oder Zubereitungshinweise in den häufigsten Fremdsprachen am Handverkaufstisch bereitzuhalten.

 

Handzettel und Infobroschüren in Fremdsprachen sind gut geeignet, um die Beratung in der Apotheke zu untermauern. Banal, aber oft vergessen: Immer mehr Migranten oder Menschen mit Wurzeln im Ausland werden in Deutschland alt. Seniorenthemen sind daher für Ausländer genauso relevant wie für Deutsche. Doch dabei sollte man aufpassen: Manche Themen sind in anderen Kulturen tabuisiert. Hier muss man vorsichtig vorgehen und Barrieren überwinden. Extra-Sprechzeiten oder sogar speziell auf eine Gruppe zugeschnittene Infoabende zu Gesundheitsthemen helfen, Kontakt herzustellen und Hemmungen abzubauen. Wer sich dabei mit anderen Heilberuflern vernetzt (zum Beispiel mit Ärzten und Hebammen) kann den Erfolg noch steigern.

 

Das Gespräch suchen

 

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Bevor man beginnt, sollten Standort- und Kundenstruktur analysiert werden, um das Potenzial für solche Aktionen abzuschätzen. Auch das Gespräch mit der Zielgruppe selbst lohnt sich. Wer ausländische Kunden und Geschäftsleute im Umfeld befragt, erfährt, welche Dienstleistungen diese in der Apotheke erwarten.

 

Gelingt ein guter Auftritt, spricht sich das mit Sicherheit herum. In Zeiten, in denen der Wettbewerb immer härter wird, können sich Apotheker mit dieser speziellen, schwer kopierbaren Ausrichtung neue Kundensegmente erschließen und somit den Standort sichern.

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