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Abschlussfeier

Berlin stärkt Traditionen

03.08.2007  13:41 Uhr

Abschlussfeier

Berlin stärkt Traditionen

Von Désirée Kietzmann, Berlin

 

Das Pharmazeutische Institut der Freien Universität Berlin (FUB) hatte Mitte Juli seine Absolventen der letzten beiden Semester zur akademischen Abschlussfeier geladen. Sie kamen zahlreich und feierten auf dem anschließenden Sommerfest mit Ex-Kommilitonen, Freunden und Dozenten.

 

Die feierliche Verabschiedung fand im Hörsaal des Botanischen Museums statt. Ein Ort, an dem die Absolventen mit Vorlesungen, Seminaren und Klausuren einen Großteil ihres Studiums verbracht hatten und der deshalb bei jedem Einzelnen persönliche Erinnerungen hervorrief. Um dies wissend nannte Professor Dr. Matthias Melzig in seiner Begrüßung sogleich ein Ziel der Veranstaltung: »Wir möchten heute die Verklärungsphase einleiten.«

 

Professorin Dr. Monika Schäfer-Korting sprach nicht nur als Vizepräsidentin der FUB, sondern insbesondere als Dozentin für Pharmakologie als sie den Ex-Studenten offenbarte: »Wir vermissen Sie.« Sie legte den Absolventen nahe, nicht gleich in die Praxis zu gehen, sondern »eine kleine Schleife«, in Form einer Promotion, einzuschieben. Der Weg in die Apotheke wäre danach immer noch möglich, allerdings auch eine Industrie- oder Wissenschaftskarriere.

 

Gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt

 

Friedemann Schmidt hieß die Absolventen im Namen der Apotheker herzlich willkommen und machte ihnen sogleich Mut für die Zukunft. »Sie treten in eine pharmazeutische Welt ein, die Sie sehnsüchtig erwartet«, so der ABDA-Vizepräsident. Nach wie vor gäbe es eine Unzahl an freien Stellen und die Nachfrage nach dem im Studium erworbenen Können wachse beständig. »Sie werden gut beschäftigt sein, die nächsten 40 Jahre«, versprach Schmidt.

 

Er verkündete den angehenden Apothekern allerdings auch, dass sie in einer Zeit in das Berufsleben einsteigen, die »voller Spannung, Bewegung und Veränderung« stecke. Die Reform des Apothekerberufes sieht Schmidt nicht als schwierige Situation, sondern als Herausforderung. Er appellierte deshalb an die Absolventen, sich am »Prozess der Reprofessionalisierung« und der »Erschließung neuer Betätigungsfelder« aktiv zu beteiligen.

 

Ein eher düsteres Bild von der Berufswelt malte Festredner Dr. Philipp Daniel Merckle, Vorsitzender der Geschäftsführung der ratiopharm-Gruppe zu Beginn seines Vortrags. Regelungen und Gesetze würden den Ablauf bestimmen. Die Apotheker seien gebunden an Formularien und Vorschriften. Seiner Auffassung nach würden viele Menschen darüber ihre anfängliche Hoffnung, dass sie viel bewegen könnten, verlieren. Über mehrere Minuten kündigte Merckle an, den Absolventen ein »Denkmodell« mit auf den Weg geben zu wollen, mit dem sie ihre »innere Haltung« bewahren könnten.

 

Traditionen auf dem Vormarsch

 

Was folgte, war ein Film über Merckles Stiftung »World-in-Balance«, der inhaltlich jedoch nur wenig für die Absolventen bereithielt. Merckle konnte damit viele von ihnen nicht begeistern. Hatten sie sich vom Chef eines Pharmaunternehmens doch Informationen über Anforderungen an junge Apotheker in der Industrie gewünscht.

 

Da Pharmazie ein staatlich geregelter Studiengang ist, gibt es keine offizielle Verleihung der Examenszeugnisse durch die Universität. Um die Absolventen jedoch nicht mit leeren Händen verabschieden zu müssen, überreichten die Professoren Dr. Burkard Kleuser und Melzig Erinnerungsurkunden sowie Rosen. Professor Dr. Gotthard Wurm erinnerte sich in seiner Rede an die 68-er-Zeit. »Feiern wie diese gab es jahrzehntelang nicht«, bedauerte Wurm. Heutzutage gewännen Traditionen jedoch wieder an Wert und Bedeutung, weshalb er sich entschlossen hätte, selbst eine auf den Weg zu bringen. Unter dem Dach der Ernst-Reuter-Gesellschaft hatte Wurm dieses Jahr mit zwölf Kollegen das Ehemaligenkapitel »Alumni Berliner Pharmazie« gegründet. Der Verein soll sich um das Wohlergehen der neuen »Zöglinge« kümmern sowie den Zusammenhalt der Absolventen fördern. Da sich die Mitglieder bisher nur aus den älteren Semestern rekrutieren, lud Wurm die jungen Pharmazeuten herzlich ein, dem Alumni-Kapitel beizutreten (weitere Informationen unter www.fu-berlin.de/alumni/erg).

 

Der Alumni-Verein wird aller Voraussicht nach zukünftig auch die Verabschiedung der Absolventen organisieren. Ein steigendes Interesse an traditionellen Abschlusszeremonien lässt sich bei den Berliner Pharmazeuten schon seit einiger Zeit feststellen. Bereits im Juli 2004 hatten sich Studenten des damaligen achten Semesters entschlossen, nach vier gemeinsamen Jahren nicht einfach sang- und klanglos auseinander zu gehen. Sie organisierten damals den ersten Pharmaball, der seither von jedem achten Semester vor dem zweiten Staatsexamen gefeiert wird.

 

Ein Jahr später befanden es auch Kleuser und Melzig als bedauerlich, dass die Studenten ihr Zeugnis ganz unfeierlich vom Landesprüfungsamt mit der Post zugesandt bekommen. Sie entschlossen sich deshalb, die akademische Abschlussfeier für die Staatsexamensabsolventen eines Jahres ins Leben zu rufen. Melzig freute sich über die gute Resonanz bei der dritten Auflage der Veranstaltung. Mit mehr als 80 Absolventen hatten in diesem Jahr mehr als zwei Drittel der Eingeladenen zugesagt. Angesichts der Tatsache, dass nicht alle Ex-Studenten ihr praktisches Jahr in Berlin absolvieren, eine hohe Zahl.

 

Und noch eine weitere Tradition wurde in diesem Jahr wiederbelebt. So fand nach der Verabschiedung ein Institutssommerfest für alle Studenten, Dozenten, Doktoranden und Ehemaligen statt. Für Musik und für die Verpflegung hatte die Fachschaft gesorgt. Die Absolventen nutzten die Gelegenheit mit ihren Ex-Kommilitonen die Erfahrungen des Praktischen Jahres auszutauschen. In Gesprächen mit jetzigen Studenten und ehemaligen Dozenten mussten viele feststellen, dass die Verklärungsphase tatsächlich längst begonnen hat.

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