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Hinweise auf Pheromone bei Menschen

07.08.2006  12:04 Uhr

Hinweise auf Pheromone bei Menschen

Von Christina Hohmann

 

Eine neue Klasse von Rezeptoren, die vermutlich auf Pheromone reagieren, haben US-amerikanische Forscher in der Riechschleimhaut von Mäusen entdeckt. Da auch Menschen Gene für diese Rezeptoren besitzen, liefert die Entdeckung neuen Zündstoff für die viel diskutierte Streitfrage, ob diese Duftstoffe das Verhalten von Menschen beeinflussen können.

 

Bereits Anfang der 1990er-Jahre identifizierten Richard Axel vom Howard Hughes Medical Institute der Columbia University in New York und Linda Buck vom Fred-Hutchinson-Krebsforschungszentrum in Seattle beim Menschen eine Familie von mehr als 1000 Riechgenen. Diese sind ausschließlich in den Neuronen der Nasenschleimhaut aktiv und codieren für olfaktorische Rezeptoren, die für die Wahrnehmung von Geruchsstoffen zuständig sind. Für ihre Arbeit erhielten Axel und Buck 2004 den Nobelpreis für Medizin.

 

Nun fand Bucks Arbeitsgruppe eine zweite Familie von olfaktorischen Rezeptoren. In Sinneszellen der Nasenschleimhaut von Mäusen identifizierten die Forscher insgesamt 15 Gene für so genannte TAA-Rezeptoren (trace amine-associated receptors). Diese Detektormoleküle werden durch Inhaltsstoffe aus Mäuseurin aktiviert, berichten die Forscher im Fachjournal »Nature« (Doi: 10.1038/nature 05066).

 

Bisher tun sich Buck und ihre Kollegen allerdings schwer, die neu identifizierten Moleküle als Pheromon-Rezeptoren zu bezeichnen. Die entscheidenden Experimente, dass das Aktivieren der Detektoren beziehungsweise Ausschalten der entsprechenden Gene das Verhalten der Tiere ändert, fehlen noch. Die ersten Tests sollen nun beginnen.

 

Beim Menschen sind sechs Gene bekannt, die für TAA-Rezeptoren codieren. Buck und ihre Kollegen wollen nun im Schweiß, Urin und Vaginalsekret von Menschen nach Substanzen suchen, die diese Rezeptoren aktivieren, und hoffen, so auf humane Pheromone zu stoßen. Hinweise auf diese Botenstoffe beim Menschen stammen bislang ausschließlich aus Verhaltenstests. Viele Forscher zweifeln daran, dass es Pheromone gibt, die das menschliche Verhalten beeinflussen.

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