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Slowakei

Regierung beschenkt Apothekenketten

02.08.2011
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Von Sebastian Becker, Bratislava / Die europäische Arzneimittelversorgung ist in Bewegung. In der Slowakei – einem der kleinsten der östlichen EU-Länder – ist dabei eine harte Auseinandersetzung zwischen der Slowakischen Apothekerkammer SLEK und der ostmitteleuropäischen Private-Equity-Group Penta Investments entbrannt. Deren Apothekenkette »Dr. Max« drängt immer stärker in den Markt.

Befeuert wird der Streit von einem Gesetzesentwurf des slowakischen Gesundheitsministeriums. Dieser sieht die Einführung von Boni und Rabatten auf Medikamente vor. Die großen Apothekenketten freut dies, sie haben eine ausreichende finanzielle Basis für den Verdrängungskampf. Die von selbstständigen Apothekern geführten Betriebe stehen vor großen Problemen.

Das Gesundheitsministerium hat den Gesetzentwurf gerade auf den Weg gebracht. Das Parlament wird da-rüber im September abstimmen. Neben der Einführung von Boni und Rabatten sind darin weitere Sparmaßnahmen vorgesehen, die den Haushalt massiv entlasten sollen. »Das wird sich nicht nur zum Wohl der Patientinnen und Patienten auswirken, sondern auch die finanzielle Situation der Krankenversicherungen entspannen«, zitierte die einheimische Wochenzeitung »Slovak Spectator« Gesundheitsminister Ivan Uhliarik. Nach Aussagen des Blattes wären Einsparungen von 200 Millionen Euro möglich.

 

Penta will den Markt dominieren

 

»Viele dieser Änderungen, die dieser Entwurf vorsieht, werden auf Betreiben der Private-Equity-Group Penta vorbereitet«, sagte Ondrej Sukel, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Slowakischen Apothekerkammer »Slovenská lekárnická komora« (SLEK) im Gespräch mit der »Pharmazeutischen Zeitung«. Penta habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass es den slowakischen Gesundheitsmarkt dominieren wolle. Seit 2009 will die Gruppe die Verankerung eines Kundenbindungssystems im Gesetz durchsetzen.

 

Der Konzern sieht dies naturgemäß anders: »Das Gesetz fördert den Wettbewerb und wird sich zum Wohl der Patienten auswirken,« behauptet Martin Danko, Sprecher von Penta Investments. Dazu gehört seiner Einschätzung nach auch das sogenannte Loyalitätsprogramm. »Wir sehen keinen Grund, warum diese Boni nicht erlaubt sein sollten«, fügt Danko hinzu und widerspricht ausdrücklich dem Vorwurf der SLEK, sein Unternehmen versuche, Einfluss auf die Politiker zu nehmen. Die Abgeordneten wollten die Ausgaben der Patienten begrenzen und deren Interessen verteidigen. Der Patient habe doch letztlich keinen Vorteil von einem System, das Boni verbiete und den Wettbewerb einschränke.

 

Hintergrund: Die Private-Equity-Group Penta Investments hatte im Jahr 2004 damit begonnen, in Ostmitteleuropa die Apothekenkette »Dr. Max« aufzubauen. Das Besondere: Das Unternehmen hat in der Slowakei seine Filialen oft in Märkten des Großhandelskonzerns Kaufland angesiedelt. Hier bedienen nach Unternehmensangaben mehr als 1000 Angestellte pro Tag insgesamt 80 000 Kunden. Die Gesamtumsätze der »Dr. Max-Holding«, die auch in Polen und in Tschechien Filialen betreibt, lagen im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben bei 440 Millionen Euro.

Darüber hinaus engagiert sich Penta Investments nicht nur in der Gesundheitsbranche, sondern auch im Immobiliengeschäft. Die Gesamtgruppe hat im Jahr 2009 Umsätze von 2,2 Milliarden Euro erzielt. »Dr. Max« ist folglich eine spürbare Größe für den Konzern.

 

Die Verbindungen sind schockierend

 

Diese wachsende wirtschaftliche Stärke ist letztlich der Grund, warum die selbstständigen Apotheker in der Slowakei auf die Barrikaden gehen. Dabei warf die SLEK auch dem Gesundheitsministerium vor, es mache mit Penta Investments gemeinsame Sache: »Die personellen Verbindungen zwischen diesem Unternehmen und dem Ministerium sind schon schockierend«, sagt Sukel. Der Leiter der Abteilung für Arzneimittel und andere höhere Beamte im Ministerium stammten ursprünglich aus dieser Firma.

 

»Das ist Demagogie«, entgegnete allerdings Danko – der Sprecher von Penta Investments. Die Personen, um die es hier gehe, hätten doch gar nicht im Konzern gearbeitet. »Der jetzige Leiter der Pharmasektion im Ministerium hat für das Gesundheitsunternehmen Dôvera ZP gearbeitet, das zu unserem Portfolio gehört«, kann Danko die Vorwürfe nur mäßig entkräften. Penta Investments habe rund 30 solcher Gesellschaften. »Und außerdem waren das nur ein paar Monate«, sagte der Sprecher.

 

Solidarität erwünscht

 

Davor habe diese Fachkraft schon einmal jahrelang im Ministerium ihren Dienst getan. »Die Decke an Hochqualifizierten ist in der slowakischen Gesundheitsbranche eben sehr dünn, weswegen es eine große Zahl an Fällen gibt, wo Einzelpersonen auf ihrem Karriereweg sowohl in der Privatwirtschaft als auch im öffentlichen Sektor arbeiten«, erklärte der Penta-Mann. Das gebe es in der Slowakei auch in anderen Branchen wie etwa dem Bankensektor.

 

Doch nicht nur diese Lobbyarbeit und das Loyalitätssystem sind der SLEK ein Dorn im Auge. Auch die Lockerung des rechtlichen Rahmens: »Dieser aktuelle Entwurf sieht zusätzlich die Begrenzung der Kompetenzen eines Apothekers vor, der in einer Apotheke arbeitet, die von einem Laien geführt wird«, sagte Sukel.

 

Auch das halte die Kammer für ein großes Risiko. Deswegen rief der SLEK-Mann noch einmal zur allgemeinen Solidarität auf: »Wir fordern die Apothekerkammern in den anderen Ländern und auch die Pharmaceutical Group of the European Union (PGEU) auf, sich gegen dieses Gesetz zu stellen.« /

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