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Nahrungsergänzungsmittel

Synephrin lässt das Fett schmelzen

26.07.2016
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Von Annette Mende / Die in einigen Nahrungsergänzungs- und Schlankheitsmitteln enthaltene Substanz Synephrin kann laut einer kleinen Studie die Fettverbrennung ankurbeln und so Abnehm­willigen helfen, Körperfett abzubauen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt jedoch vor übermäßigem Verzehr.

Synephrin ist ein Phenylethylamin, das unter anderem in der Bitterorange oder auch Pomeranze (Citrus aurantium) vorkommt. Im Körper aktiviert es β3-Adrenorezeptoren, die Rezeptortypen α1, α2, β1 und β2 jedoch nur wenig. Viele Nahrungsergänzungsmittel enthalten Synephrin in Reinform oder als Bitterorangenextrakt zusammen mit Coffein, eine Kombination, die laut einer Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) Herzfrequenz und Blutdruck erhöhen kann.

 

Seinen Ruf als Fatburner hat der Pflanzeninhaltsstoff jedoch zu Recht, wie nun eine Studie im »British Journal of Clinical Pharmacology« zeigt (DOI: 10.1111/bcp.12952). Allerdings tritt der gewünschte Effekt nur ein, wenn der Anwender sich nach der Einnahme bewegt; in Ruhe passiert gar nichts.

 

An der Studie nahmen 18 junge, gesunde Erwachsene teil, die im Abstand von drei Tagen zweimal einen Belastungstest auf dem Fahrradergometer absolvierten. Eine Stunde zuvor hatten sie doppelblind einmal 3 mg pro kg Körpergewicht Synephrin und einmal Placebo eingenommen. Der Energieverbrauch und die Rate der Fettoxidation wurden per indirekter Kalorimetrie in Ruhe sowie während steigender Belastung gemessen.

 

Keine erhöhte Herzfrequenz

 

So lange die Probanden sich nicht bewegten, änderte Synephrin an ihrer Fett- und Kohlenhydratverbrennung nichts. Bei leichter bis mittlerer Belastungsintensität erhöhte sich durch Syn­ephrin jedoch die Fettverbrennung signifikant, während die Kohlenhydratverbrennung zurückgefahren wurde. Der Gesamt-Energieverbrauch blieb dabei ebenso unverändert wie die Herzfrequenz. Die maximale Fett­oxidationsrate stieg durch Synephrin um etwa 38 Prozent an. In Gramm übersetzt bedeutet das, dass ein Sportler durch Einnahme von Synephrin vor dem Training pro Stunde 7 g Fett mehr verbrennt, ohne sich dafür mehr anstrengen zu müssen. Allerdings war dieser Effekt nicht bei allen Teilnehmern vorhanden – bei 5 von 18 blieb er aus.

 

Am meisten Fett verbrannten die Teilnehmer bei einer Belastungsintensität, die 56 Prozent ihrer individuellen Maximalleistung entsprach. Das deckt sich mit Beobachtungen aus anderen Untersuchungen, wonach die Fettverbrennung bei moderater Belastung, also zwischen 40 und 60 Prozent des Maximums, am intensivsten ist. Hierbei wurden als Höchstes 0,7 g Fett pro Minute verbrannt, was 42 g pro Stunde entspricht.

 

Ein auf einem Abbau von Fett basierender Gewichtsverlust könne daher maximal 200 bis 300 g pro Woche oder etwas mehr als 1 kg pro Monat betragen, so die Autoren Jorge Gutiérrez-Hellín und Dr. Juan Del Coso vom sportmedizinischen Institut der Universität Madrid. Das sei zwar deutlich weniger, als manche Wunderdiät verheißt, aber dafür nachhaltig. Wie genau Synephrin die Lipolyse anregt, sollte laut den Autoren in weiteren Studien untersucht werden. Gleiches gilt für die Langzeitanwendung.

 

Einnahme nicht empfohlen

 

Auch wenn Synephrin laut dieser Studie als Fatburner fungiert, ohne die Herzfrequenz zu steigern, lässt sich daraus keine Einnahmeempfehlung ableiten. Denn erstens war die Untersuchung mit nur 18 Teilnehmern sehr klein, zweitens sind die Folgen einer wiederholten Anwendung unklar und drittens besteht das Problem, dass die meisten Nahrungsergänzungsmittel außer Synephrin noch zahlreiche weitere Stoffe mit zum Teil unklarer Wirkung enthalten.

 

Es gilt daher weiter die Empfehlung des BfR aus dem Jahr 2012, wonach die über Nahrungsergänzungsmittel pro Tag aufgenommene Dosis Synephrin nicht höher sein sollte als 6,7 mg. Das entspricht der Menge, die man üblicherweise mit Lebensmitteln wie Orangen, Zitronen oder Bitterorangen zu sich nimmt. Liebhaber von Orangensaft, Mandarinen oder Bitterorangenmarmelade können pro Tag auf bis zu 25,7 mg kommen. Von den in der Studie untersuchten 3 mg pro kg Körpergewicht ist aber auch das noch weit entfernt. /

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