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Buprenorphin

Implantat verbessert Abstinenzrate

26.07.2016
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Von Kerstin A. Gräfe / Das kürzlich in den USA zugelassene subdermale Buprenorphin-haltige Implantat Probuphine® kann im Vergleich zur täglichen sublingualen Gabe des Wirkstoffs die Abstinenzrate bei Opiatabhängigen erhöhen.

Wie Forscher im Fachmagazin »JAMA« berichten, erreichten in einer Studie 86 Prozent der Implantat-Probanden eine Abstinenz. Mit der Sublingual- Ta­blette war dies bei 72 Prozent der Fall (DOI: 10.1001/jama.2016.9382). Laut Hersteller Braeburn Pharmaceuticals ist auch eine Zulassung in der EU geplant.

 

Probuphine hat die Größe eines Streichholzes und darf in den USA von Implantat-erfahrenen Ärzten unter die Haut gebracht werden. Dort gibt es über sechs Monate eine kontinuier­liche Menge Buprenorphin in die Blutbahn ab. Das Opiat unterliegt einem sehr ausgeprägten First-Pass-Effekt und wird daher derzeit sublingual appliziert. Dies verlangt jedoch zum einen dem Patienten einiges ab, da das Auflösen der Tablette etwa fünf bis zehn Minuten dauert. Zum anderen besteht die Gefahr, dass die Tabletten in falsche Hände geraten können. Beide Aspekte werden mit dem Implantat umgangen.

 

Um diese Vorteile zu belegen, hat der Hersteller eine Nichtunterlegenheits-Studie durchgeführt. An der Untersuchung nahmen 177 opioidabhängige Patienten mit stabiler Abstinenz teil. Sie bekamen randomisiert entweder sublinguales Buprenorphin plus Placebo-Implantat (n = 90) oder Buprenorphin-Implantat plus sublingu­ales Placebo (n = 87). Wie Professor Dr. Richard N. Rosenthal von der Icahn School of Medicine in New York berichtet, blieben 86 Prozent der Implantat-Probanden und 72 Prozent der Sub­lingualtabletten-Patienten drogenfrei. Auch in der Verträglichkeit gab es keine nennenswerten Unterschiede.

 

»Die neue Applikationsart ermöglicht es, die Substitution auch an bislang schwer zugängliche Gruppen oder an Süchtige heranzutragen, die sich in einem kriminellen Umfeld bewegen«, schreiben die Direktoren Dr. Wilson M. Compton und Dr. Nora D. Volkow vom National Institute on Drug Abuse, Bethesda, in einem begleitenden Editorial (DOI: 10.1001/jama.2016.8897). Sie verweisen jedoch darauf, dass das Implantat derzeit nur für die Anwendung von bis zu einem Jahr zugelassen sei und zudem nur für Patienten, die mit der sublingualen Gabe eine lang anhaltende Abstinenz erreicht haben. Weitere Studien seien nötig, um herauszufinden, welche der beiden Applikationsarten bei welcher Patientenpopulation den größten Nutzen erzielt. /

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