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HIV-Medikamente senken Übertragungsrisiko beim Stillen

26.07.2016
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Von Sven Siebenand / Eine antiretrovirale Therapie verhindert die HIV-Übertragung beim Stillen. Das ist vor allem für HIV-infizierte Mütter in Entwicklungsländern eine wichtige Botschaft.

 

Ihnen rät die Weltgesundheitsorganisation trotz des hohen Infektionsrisikos aus mehreren Gründen dennoch zum Stillen. In Industriestaaten liegen diese Gründe nicht vor, weshalb HIV-infizierten Müttern dort wegen des Übertragungsrisikos nicht empfohlen wird, ihre Kinder zu stillen.

 

Studienergebnisse des Teams um Professor Dr. Mary Glenn Fowler von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore, die jetzt auf der internationalen Aids-Konferenz im südafrikanischen Durban vorgestellt wurden, zeigen, dass zwei Behandlungsregime gleich effektiv sind, um die Übertragung der HI-Viren beim Stillen zu vermeiden. Für einen Teilbereich der Multikomponentenstudie PROMISE rekrutierten die Wissenschaftler in Entwicklungsländern insgesamt 2431 HIV-infizierte Mütter und ihre bei der Geburt nicht infizierten Säuglinge. In einem Behandlungsarm erhielten die Frauen über die Geburt hinaus und mindestens bis zum Ende der Stillzeit eine antiretrovirale Triple-Therapie bestehend aus mit Ritonavir geboostertem Lopinavir, Emtricitabin und Tenofovirdisoproxil. Der Säugling erhielt für sechs Wochen einmal täglich Nevirapin.

 

In einer zweiten Behandlungsgruppe setzten die Mütter die Triple-Therapie eine Woche nach der Entbindung ab und die Säuglinge erhielten ab dem sechsten Lebenstag bis zum Ende der Stillzeit Nevirapin. Die Rate an Säuglingen, die sich in den ersten sechs Monaten infizierten, betrug in beiden Gruppen lediglich 0,3 Prozent, nach einem Jahr hatte sich nur 1 Prozent der Kinder infiziert. Beide Therapiestrategien waren laut den Wissenschaftlern gleich gut verträglich für Mutter und Kind. Fast 99 Prozent der Kinder waren nach einem Jahr noch am Leben, was für Entwicklungsländer ein sehr guter Wert ist. /

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