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Depressive in der Regel nicht gewalttätig

26.07.2016
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Von Cornelia Dölger / Nach den jüngsten Terroranschlägen und Amokläufen werden Depressionen oft voreilig und undifferenziert als Ursache für die Gewalttaten eingestuft.

 

Zu dieser Auffassung kommt die Deutsche Depressionsliga und macht in einer Mitteilung darauf aufmerksam, dass der in den Medien »leichtfertig« konstruierte Zusammenhang zwischen Depression und Gewalt die Stigmatisierung der Betroffenen erheblich steigere. Gewalt und Depression automatisch miteinander in Verbindung zu bringen und dies so zu verbreiten, sei deshalb »fahrlässig«.

 

Zwar rechtfertige die extreme Brutalität der Täter Fragen nach deren psychischer Verfassung. Doch biete die mediale Berichterstattung zu schnell die Erklärung »psychisch krank«, obwohl dafür meist die diagnostische Grund­lage fehle. Die Experten betonen: »Der Anteil der Patienten, von denen tatsächlich eine Gefahr für Außenstehende ausgeht, ist im Vergleich zur Gesamtpopulation äußerst gering.« Tatsächlich richte sich die Gewalt bei diesem Krankheitsbild eher nach innen; es sei »nicht das Typische einer Depression, nach außen hin gewalttätig aufzutreten«.

 

Im Fall des 18-jährigen Amokläufers, der am vergangenen Freitag in München neun Menschen und sich selbst erschoss, hat die Depressionshilfe unterdessen eine Depression als Ursache für die Tat ausgeschlossen. »Wir sehen es mit großer Sorge, wenn Depressionen mit Gewalttaten in Verbindung gebracht werden«, so Stiftungsvorsitzender Professor Dr. Ulrich Hegerl. Es gebe keine Hinweise, dass Depressive häufiger Gewalttaten begingen als andere. »Eher sogar im Gegenteil: Depressiv erkrankte Menschen sind im gesunden Zustand meist besonders verantwortungsvolle, fürsorgliche Menschen«, so Hegerl. /

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