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Erstattungsbeträge

Hersteller warnen vor vierter Hürde

23.07.2014  09:21 Uhr

Von Anna Hohle / Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) hat den Vorschlag abgelehnt, Erstattungspreise sollten in Zukunft teils rückwirkend gelten. Ins Gespräch gebracht hatte ihn der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), Josef Hecken, bei einer Sitzung des Gremiums in der vergangenen Woche.

Seit Einführung des Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetzes (AMNOG) im Jahr 2011 müssen neue Medikamente eine frühe Nutzenbewertung durchlaufen. Wird ihnen ein Zusatznutzen bescheinigt, verhandeln Hersteller und Krankenkassen einen Rabattpreis: den Erstattungsbetrag. Er gilt ab dem 13. Monat nach Markteinführung. Die ersten zwölf Monate kann der Hersteller den Preis also frei festsetzen.

 

Hecken schlug nun vor, darüber nachzudenken, ob ein Erstattungsbetrag in bestimmten Fällen auch rückwirkend gelten kann. Etwa dann, wenn einem Hersteller bereits bei der Markteinführung klar ist, dass ein Präparat bereits in Kürze durch wirksamere Therapiealternativen überholt sein wird. Schließlich kann das Unternehmen den Preis dann im ersten Jahr besonders hoch ansetzen, um möglichst viel Geld einzuspielen. Laut Hecken könnten Erstattungsbeträge künftig teils rückwirkend ab dem Tag der Markteinführung gelten, um solche Szenarien zu verhindern.

Die vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer bezeichnete einen solchen Plan jedoch als untragbar für die Pharmaunternehmen und folgenreich für die Patienten. Diese müssten dann »hierzulande auf neue Medikamente so lange warten, bis der Erstattungsbetrag feststeht«, erklärte sie. Werde der Preis eines neuen Medikaments nämlich rückwirkend festgelegt, würden Fischer zufolge viele Hersteller das Präparat vor Abschluss der frühen Nutzenbewertung gar nicht auf den Markt bringen.

 

Dem Spitzenverband der Gesetzlichen Kranken­ver­sicherung dürfte genau diese prognostizierte Entwicklung jedoch sogar gefallen. Er fordert seit Langem, den Nutzen von Arzneimitteln grundsätzlich vor dem Markteintritt zu prüfen. Das Konzept wird auch als sogenannte vierte Hürde der Arzneimittelzulassung bezeichnet.

 

Für Fischer ist eine solche Regelung undenkbar: »De facto würde mit dieser gravierenden Gesetzesänderung eine tragende Säule des deutschen Gesundheitssystems bei der Arzneimittelversorgung infrage gestellt: der direkte Zugang der Patienten zu Innovationen nach der Zulassung.« Dies sei ein hoher Preis für die betroffenen Patienten. /

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