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Illegale Krebsmedikamente

TV-Bericht belastet Pharmahändler

18.07.2018
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Von Ev Tebroke / Über einen Fall von angeblich nach Deutschland geschmuggelten Krebsmedikamenten hat das Politik-Magazin »Kontraste« berichtet. Der Pharmahändler Lunapharm soll demnach jahrelang qualitativ bedenkliche illegale Arzneimittel vertrieben haben. Die eingeschaltete Aufsichtsbehörde soll trotz eindeutiger Hinweise untätig geblieben sein.

Ausgangspunkt der Geschichte ist eine kleine Apotheke in der griechischen Hauptstadt Athen. Den Recherchen des Magazins zufolge soll der Deutsche Mohammed Deyab H. jahrelang bis Anfang 2017 von dort aus den illegalen Export von Krebsmedikamenten nach Deutschland organisiert haben. Um welche Medikamente es sich genau handelt, wird nicht gesagt. Auf einer Liste sind Namen wie Avastin, Herceptin, Mabthera und Perjeta zu sehen. 

 

Die Mittel wurden anscheinend mehrere Jahre lang aus griechischen Klinikapotheken gestohlen. H. verkaufte die Arzneimittel den Recherchen der Kontraste-Redaktion zufolge an den brandenburgischen Pharma­händler Lunapharm, der die Importe dann deutschlandweit vertrieb. H. soll mittlerweile in Griechenland in Haft sein.

 

Nachdem die griechischen Aufsichtsbehörden 2016 durch einen anonymen Hinweis von dem illegalen Medikamentenhandel Kenntnis erlangt hatten, sollen sie umgehend die zuständige Aufsichtsbehörde in Deutschland, in diesem Fall das Gesundheitsministerium des Landes Brandenburg, informiert haben. Die Medikamente galten für Patienten als gefährlich, da weder Lager- noch Transportvorschriften für die zumeist kühlkettenpflichtigen Arzneimittel eingehalten worden sein sollen.

 

Der stellvertretende Gesundheitsminister Griechenlands Pavlos Polakis sagte den Reportern von Kontraste: »Wir wissen, dass der Transport von diesen Medikamenten nicht ordnungsgemäß verlaufen ist und die Bedingungen für diese hochsensiblen Mittel, wie entsprechende Kühlung, nicht gegeben waren.« Doch trotz dieser Brisanz wollte die zuständige Aufsichtsbehörde laut Kontraste hierzulande nicht durchgreifen. Dazu zitiert das TV-Magazin aus einer E-Mail der Behörde nach Athen: »Der Fall ist, würden wir einen Rückruf aller Medikamente verhängen, könnte dies im Bankrott der Firma enden.«

 

Der Händler Lunapharm selbst wollte sich gegenüber dem TV-Magazin nicht weiter äußern. Die Kontakte zur Firma des Angeklagten H. seien »bestimmt fast zehn Jahre her«, so die Geschäftsführerin Susanne Krautz-Zeitel. In einer Stellungnahme distanziert sich das Unternehmen dann von den Vorwürfen des TV-Berichts. »Alle bezogenen Waren wurden in unserem Verantwortungsbereich regulär gehandelt und die relevanten Meldungen über diese Importe an die zuständigen Behörden vorgenommen«, heißt es auf der Internetseite von Lunapharm. Seit Februar 2017 habe man von dem Lieferanten keine Ware mehr vetrieben.

 

»Qualität einwandfrei«

 

Auch das brandenburgische Gesundheitsministerium erklärte in einer Stellungnahme: »Die Sicherheit der Menschen war zu keiner Zeit gefährdet.« Die Aufsichtsbehörde sei entsprechenden Hinweisen unverzüglich nachgegangen. Dabei sei es in erster Linie um den Verstoß gegen einzuhaltene Vertriebswege gegangen, da Apotheken keine Arzneimittel an Großhändler liefern dürften. Die entsprechenden Medikamente habe die Aufsicht aus dem Verkehr gezogen. Labortests hätten parallel die einwandfreie Qualität der Medikamente festgestellt.

 

Erst aufgrund einer Presseanfrage vor knapp zwei Wochen habe man davon erfahren, dass es sich bei besagten Arzneimitteln um gestohlene Ware handeln soll. Sollte sich das bestätigen, läge für das Ministerium »zweifellos« ein strafrechtlich zu ahndender Verstoß gegen das Arzneimittelrecht vor. »Dies wäre ein Anlass, dem Unternehmen die Betriebserlaubnis zu entziehen«, heißt es in der Erklärung. Die Antwort der griechischen Behörden auf eine entsprechende Anfrage stehe hierzu noch aus.

 

Parallel sind die Polizei und Staatsanwaltschaft Potsdam eingeschaltet. Die Firma Lunapharm wurde demnach bereits durchsucht, das Verfahren läuft. /

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