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Gewässerschädigende Arzneimittel

Preiszuschlag für kritische Stoffe

18.07.2018
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Von Anna Pannen / Arzneimittel, deren Rückstände Gewässer schädigen, könnten teurer werden. Das Umweltbundesamt prüft derzeit, Hersteller, Verkäufer und Anwender bestimmter Medikamente an den Kosten für die Gewässerreinigung zu beteiligen.

Noch immer entsorgen viele Bürger Medikamente über Toilette oder Waschbecken. Darunter sind auch Wirkstoffe, die bewiesenermaßen Gewässer und Fischbestände gefährden. Gleichzeitig sickern Tierarzneien durch Gülle ins Grundwasser. 

 

Diese Rückstände aus dem Wasser zu filtern, ist teuer. Schon 2013 regte die Umweltministerkonferenz deshalb an, »Hersteller angemessen an den Kosten zu beteiligen«. Wie das genau geschehen soll, werde man prüfen, hieß es damals in einem Beschluss.

 

Das ist nun geschehen. Ein Forscherteam um den Ökonom Professor Erik Gawel von der Universität Leipzig hat im Auftrag des Umweltbundesamts (UBA) untersucht, ob und wie man Arzneimittel verteuern könnte, um so die Kosten für die Gewässeraufbereitung wieder einzuspielen. In dem Papier spielen die Gutachter verschiedene Szenarien durch. Sie prüften, welche Folgen es haben könnte, Kostenabschläge bei den Herstellern und Importeuren oder aber im Handel (Apotheken, Großhandel und Tierärzte) zu erheben.

 

Zuschlag auch für Import

 

Die Gutachter kommen zu dem Schluss, dass beide Varianten grundsätzlich sinnvoll sind. Der Preisaufschlag dürfe aber nur für tatsächlich gewässerproblematische Stoffe gelten, schreiben sie. Würde man das Geld bei den Herstellern einholen, müsse man darauf achten, dass der Zuschlag auch auf importierte Mittel addiert werde. Exportierte Medikamente dagegen müssten davon ausgenommen werden, um Wettbewerbsnachteile für deutsche Firmen zu verhindern. Die Gutachter erhoffen sich durch den Kostenzuschlag einen Anreiz für Hersteller, die Zusammensetzung ihrer Produkte zu überdenken. Von Nachteil sei jedoch, dass die Firmen die Kosten leicht ausgleichen oder auf die Krankenkassen umlenken könnten, schreiben die Autoren.

 

Holt man den Abschlag statt bei den Herstellern erst beim Kauf des Medikaments rein, muss man nach Ansicht der Wissenschaftler einige Dinge beachten. Zwar sei ein Kostenzuschlag auf Tierarzneimittel sinnvoll, erklären die Autoren. Er könne dazu führen, dass Landwirte Tiermedikamente sparsamer einsetzen, um Geld zu sparen. Bei den Humanarzneimitteln sieht es den Autoren zufolge allerdings anders aus: Ein Zuschlag auf Rx-Arzneien würde letztendlich bei den Krankenkassen und somit der Versichertengemeinschaft landen, was ungerecht sei und das Verhalten der Anwender nicht beeinflusse, erklären sie. Dennoch hält Ökonom Gawel einen symbolischen Zuschlag auf Rx-Medikamente für sinnvoll. »Der Beitrag könnte mit etwa 50 Cent durchaus klein sein«, sagte er. Das schaffe beim Verbraucher ein Bewusstsein für das Thema Gewässerschädigung.

 

Für den Bereich OTC halten die Gutachter Zusatzkosten dagegen für sehr sinnvoll. Die höheren Preise könnten dazu führen, dass Anwender Alternativen zu Produkten mit gewässerschädigenden Wirkstoffen suchen, schreiben sie. Dafür müsse für den Käufer aber erkennbar sein, warum er den Aufschlag zahlen soll, etwa durch Ansprache in der Apotheke. Generell plädieren die Autoren auch für deutlich erkennbare Hinweise auf den Verpackungen.

 

Die finanzielle Mehrbelastung der Patienten sehen die Autoren des Gutachtens unkritisch. Ausgaben für Medikamentenzuzahlungen seien für Versicherte ohnehin gedeckelt, erklären sie: »Die Sozialverträglichkeit würde auch durch eine weitere Zuzahlung nicht infrage gestellt werden«.

 

Ziel: bessere Kläranlagen

 

Das UBA will das Gutachten nun nutzen, um die Diskussion um eine mögliche Arzneimittel-Zusatzabgabe zu vertiefen. Mit dem eingenommenen Geld will man unter anderem Kläranlagen mit einer sogenannten vierten Reinigungsstufe finanzieren. Diese Anlagen können durch Verfahren wie Ozonierung, Membranfiltration oder Aktivkohlefiltration auch jene Mikroschadstoffe aus dem Wasser filtern, die herkömmliche Großkläranlagen nicht entfernen können. /

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