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Chemotherapie

Olanzapin wirkt gegen Übelkeit

19.07.2016  16:15 Uhr

Von Annette Mende / Übelkeit und Erbrechen nach einer Chemotherapie lassen sich besser verhindern, wenn zusätzlich zu den üblichen antiemetischen Wirkstoffen das atypische Neuroleptikum Olanzapin gegeben wird.

 

Dieser Effekt beruht vermutlich auf der hemmenden Wirkung von Olanzapin auf D2-, 5-HT2C- und 5-HT3-Rezeptoren im zentralen Nervensystem. In einer randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie mit 380 Krebspatienten verringerte die Hinzunahme von Olanzapin zu einer antiemetischen Kombitherapie Übelkeit und Erbrechen nach hoch eme­togener Chemotherapie signifikant. Darüber berichtet eine Forschergruppe um Professor Dr. Rudolph Navari von der Indiana University in South Bend im »New England Journal of Medicine« (DOI: 10.1056/NEJMoa1515725).

Die Basismedikation bestand leitliniengerecht aus Dexamethason, einem der NK1-Rezeptorantagonisten Aprepitant oder Fosaprepitant sowie einem 5-HT3-Rezeptorantagonisten, die Chemotherapie aus Cisplatin oder Cyclophosphamid plus Doxorubicin. Zusätzlich erhielten die Patienten an den Tagen 1 bis 4 oral entweder 10 mg Olanzapin oder Placebo. Der primäre Endpunkt war die Verhinderung von Übelkeit; als sekundären Endpunkt formulierten die Autoren ein komplettes Ansprechen, definiert als kein Erbrechen und keine Anwendung von Notfallmedikation.

 

Signifikant mehr Patienten in der Olanzapin-Gruppe als im Placebo-Arm war es nach der Therapie nicht übel. Der Anteil betrug in den ersten 24 Stunden nach der Chemotherapie 74 versus 45 Prozent und im Zeitraum zwischen 25 und 120 Stunden nach der Chemotherapie 42 versus 25 Prozent. Auch beim kompletten Ansprechen zeigte sich ein signifikanter Vorteil für die mit Olanzapin behandelten Patienten: Den sekundären Endpunkt erreichten in den ersten 24 Stunden 86 versus 65 Prozent und im anschließenden Zeitraum 67 versus 52 Prozent.

 

Die sedierende Wirkung des Neuroleptikums machte sich allerdings auch bemerkbar, insbesondere am zweiten Behandlungstag. In den meisten Fällen besserte sich die Müdigkeit an den da­rauffolgenden Tagen trotz fortgesetzter Olanzapin-Einnahme, sodass die Autoren davon ausgehen, dass die Pa­tienten sich an die Sedierung gewöhnt hatten. Ein unerwünschter Anstieg des Appetits, wie er unter Langzeitanwendung des Neuroleptikums auftreten kann, wurde nicht beobachtet. /

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