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Pharmamarkt

China hebt ab

20.07.2016
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Von Jennifer Evans / Die Zeichen stehen auf Wachstum: In China steigen die Umsätze der Pharmabranche schneller als in Europa und den USA. In Shanghai hat Pharmariese Novartis kürzlich ein neues Forschungszentrum eröffnet. Und demnächst soll sogar eine Pharma-Fluglinie von Cargolux den Austausch mit Europa erleichtern.

Eine ständig wachsende Mittelklasse und eine zunehmend alternde Gesellschaft garantieren China nach Angaben der Wirtschaftszeitung »Financial Times« eine riesige Nachfrage an Medikamenten für die Zukunft. Schon jetzt lägen die Umsätze des bevölkerungsreichsten Lands der Erde über dem Wachstumsniveau von Europa und den USA. Zudem sei China »weltweit an der Spitze in Hinblick auf pharmazeutische Innovationen«, meldete die Nachrichtenagentur Thomson Reuters vergangenen Monat.

 

Einflussreiche Studien

Das Reich der Mitte steht seinen großen Brüdern in puncto pharmazeutischer Forschung in nichts nach. Nach Angaben von Reuters teilten sich die einflussreichsten Pharma-Studien im Zeitraum zwischen 2005 und 2015 ausschließlich zwischen europäischen, nordamerikanischen und chinesischen Forschungsinstituten auf. Chinas Tianjin Universität belegte mit 325 Veröffentlichungen sogar den ersten Platz.

 

Pharmariese Novartis nahm dies zum Anlass, im Juni 2016 einen 1 Milliarde US-Dollar (etwa 902 Millionen Euro) teuren Forschungscampus in Shanghai zu eröffnen: Dort arbeiten 1300 Mitarbeiter an innovativen Arzneimitteln für die Krebstherapie in den Bereichen Lunge, Leber und Darm.

 

Mit seiner Investition in China ist der Schweizer Konzern nicht allein. Viele Arzneimittelhersteller aus dem Ausland investierten chinesischen Medienberichten zufolge ebenfalls im Land. Grund ist demnach vor allem der steigende Bedarf an Medikamenten gegen chronische Krankheiten wie Krebs, Herzleiden und Diabetes mellitus, den der demografische Wandel mit sich bringt. Aber auch, weil die Regierung damit geworben habe, dass die Bevölkerung zuletzt immer mehr Geld in ihre Gesundheit stecke, so die chinesische Presse.

 

Das wachsende internationale Interesse, im chinesischen Pharmamarkt mitzumischen, belegt auch der im Juli 2016 veröffentlichte Pharma Insights China 2016 Market Report. Demnach waren sich 74 Prozent der 223 befragten internationalen und 71 der landesansässigen Pharmaunternehmen einig: In den nächsten Jahren geht es vor allem da­rum, bestehende Partnerschaften in China zu erweitern oder neue einzugehen. Zugleich suchen 90 Prozent der chinesischen Firmen internationale Partner. Denselben Trend hat auch die Beratergesellschaft Ernst & Young beobachtet. Für chinesische Investoren sei zuletzt auch die Übernahme von Pharmafirmen in den Fokus geraten.

 

Steigende Nachfrage


Dem China Report zufolge ist das asiatische Land schon jetzt »ein signifikanter Player« bei der Herstellung pharmazeutischer Produkte. Zudem existiere eine steigende Nachfrage an qualitativ hochwertigen Medikamenten und neuen medizinischen Technologien. »In fünf Jahren könnte es einen ganz anderen chinesischen Pharmamarkt geben – mit Generika, neuen Wirkstoffen und einer etablierten Industrie biotechnischer Forschung«, heißt es. Nach Meinung der internationalen Umfrageteilnehmer hat China das Zeug dazu, das amerikanische Prinzip von Big Pharma einzuführen. Angefangen von der Prüfmusterherstellung, über die Forschung bis hin zum Vertrieb – alles aus einer Hand.

 

Nach Angaben der Zeitung »The Economic Times« soll der pharmazeutische Markt in China sich bis zum Jahr 2020 auf 200 Milliarden Dollar (rund 180,5 Milliarden Euro) verdoppeln. Die gute Prognose animierte dann auch Fluggesellschaften, ihre Verbindungen nach Asien auszubauen. So startet schon bald eine Handelslinie eigens für Pharmaprodukte zwischen Luxemburg und Shanghai. Der Deal zwischen der Betriebsgesellschaft Lux-Airport und der Eastern Air Logistics steht seit Mitte Juni 2016. Den Vertragspartnern geht es nach eigenen Angaben vornehmlich um den Transport zeitkritischer und temperaturempfindlicher Güter aus der Humanmedizin. Laut durchführender Airline Cargolux wird die Überführung der Produkte nach den Vorgaben der sogenannten Good Distribution Practice erfolgen, einer Richtlinie der Europäischen Union zum Vertrieb von Humanarzneimitteln. Johan Vanneste, Generaldirektor von Lux-Airport, spricht von einer »einzigartigen Entwicklung für den Transport sensibler Pharmaprodukte«. /

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