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Altruistischer dank SSRI?

14.07.2015
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Von Annette Mende / Ob man anderen Menschen zu seinen eigenen Gunsten schadet oder das wenn möglich vermeidet, hängt unter anderem von den Konzentrationen monoaminerger Neurotransmitter im Gehirn ab.

 

So scheint Serotonin einen zivilisierenden Einfluss auf das Verhalten zu haben, Dopamin dagegen Aggressionen Vorschub zu leisten. Neurowissenschaftler um Dr. Molly Crockett wollen nun herausgefunden haben, dass die Einnahme von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) wie Citalopram Altruismus stärkt, während L-Dopa egoistischer macht. 

Auf Patienten, die diese Medikamente aufgrund einer Erkrankung einnehmen, sind diese Ergebnisse eines Versuchs mit gesunden Freiwilligen jedoch nicht übertragbar, betonen die Forscher im Fachjournal »Current Bio­logy« (DOI: 10.1016/j.cub.2015.05.021).

 

Die insgesamt 175 Teilnehmer bekamen in der Studie zunächst selbst mäßig schmerzhafte Stromstöße am Handgelenk verpasst und erhielten dann die Möglichkeit, diese einem unbekannten anderen zu verabreichen. Als Gegenleistung gab es Geld, nämlich 10 englische Pfund für sieben Stromschläge oder 15 Pfund für zehn, und zwar sowohl für den selbst erlittenen Schmerz als auch für den des anderen. In früheren Untersuchungen hatten Crockett und Kollegen festgestellt, dass Versuchsteilnehmer stets lieber selbst Schmerzen in Kauf nehmen, statt sie anderen zuzufügen, was sie als Hyperaltruismus bezeichnen.

 

Citalopram erhöht Schadensaversion

 

Um den Einfluss des Serotonin- beziehungsweise Dopamin-Systems auf den Hyperaltruismus zu ermitteln, verabreichten die Forscher den Probanden vor dieser Aufgabe entweder 30 mg Citalopram, 150 mg L-Dopa oder Placebo. Die Einnahmezeitpunkte wurden so gewählt, dass während des Tests der maximale Plasmaspiegel des jeweiligen Wirkstoffs erreicht war. Aus den Entscheidungen der Teilnehmer ermittelten die Forscher die sogenannte Schadensaversion. Ein Parameter war beispielsweise, wie viel einem ein Elektroschock bei sich beziehungsweise bei anderen wert war. Ein anderes Kriterium war die absolute Anzahl verabreichter Stromstöße.

 

Alles in allem erhöhte Citalopram die Schadensaversion, und zwar sowohl in Bezug auf sich selbst als auch auf andere. L-Dopa reduzierte dagegen den Hyperaltruismus und führte dazu, dass es den Teilnehmern nicht mehr schwerer fiel, anderen zu schaden als sich selbst. Daraus, dass diese Effekte bei leichteren Probanden stärker ausgeprägt waren, leiten die Autoren einen Hinweis auf eine Dosisabhängigkeit ab. / 

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