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Sonnenbrand

Nur nicht rot werden

14.07.2008
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Sonnenbrand

Nur nicht rot werden

Von Elke Wolf

 

Wenn sich die Haut rötet, ist es zu spät. Das Gemeine: Sie tut es erst einige Stunden nach dem zu üppigen Sonnenbad, und sie kann Langzeitschäden davontragen. Mit diesen Tipps können Sonnenhungrige vorbeugen und Schadensbegrenzung betreiben.

 

Akuter Sonnenbrand ist eine Verbrennung der Haut. Erst etwa 3 bis 8 Stunden, nachdem man sich einem Zuviel an Sonne ausgesetzt hat, rötet sich die Haut (Sonnenbrand 1. Grades), schwillt an und bildet eventuell Blasen (Sonnenbrand 2. Grades). Wird sie weitflächig zerstört, liegt gar eine Verbrennung 3. Grades vor. Sonnenbrände, bei denen sich die Haut nur leicht rötet, können in Eigenregie versorgt werden. Eltern mit Babys und Kleinkindern sowie Patienten mit folgenden zusätzlichen Beschwerden müssen im Beratungsgespräch an den Arzt verwiesen werden: Blasenbildung, Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Übelkeit und Erbrechen.

 

Zumeist bleibt es aber beim ersten oder zweiten Stadium. Dann spannt die Haut, brennt und ist extrem berührungs- und druckempfindlich. Rund zwei Tage nach der Sonnenexposition lassen die Beschwerden nach; die Reparaturmechanismen der Haut sorgen innerhalb weniger Tage für eine scheinbar vollständige Heilung.

 

Krebsrisiko erhöht

 

Doch können Sonnenbrände gefährliche Langzeitfolgen haben. Werden die körpereigenen Reparaturmechanismen langfristig überfordert, steigt das Risiko für Hautkrebs. Mehr als 100.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an einer der verschiedenen Formen. Dazu zählen der schwarze Hautkrebs (malignes Malignom) und der helle Hautkrebs, der sich meist in Form von Knoten, Geschwüren oder Verkrustungen auf der Haut äußert. Dabei unterscheiden Ärzte zwischen dem Basalzellkarzinom (oder Basaliom) und dem Stachelzellkarzinom (oder Plattenepithelkarzinom). Als dessen Vorstufe gilt die aktinische Keratose. Um Spätfolgen vorzubeugen hat seit dem 1. Juli dieses Jahres jeder gesetzlich krankenversicherte Erwachsene ab 35 Jahre Anspruch auf eine kostenlose Hautkrebsvorsorgeuntersuchung. Besonders hoch ist das Hautkrebsrisiko jedoch bei mehrfachen Sonnenbränden im Kindes- und Jugendalter. Die Kleinsten tragen also das höchste Risiko.

 

Auslöser von Sonnenbrand und Hautkrebs sind in erster Linie UV-B-Strahlen mit Wellenlängen von 290 bis 320 nm. Bei jedem Sonnenbrand verursacht das UV-Licht DNA-Schäden. Bereits durch geringe UV-B-Dosen kommt es zur Brückenbildung zwischen und innerhalb der DNA-Stränge. Bei der Replikation kann der in Mitleidenschaft gezogene DNA-Abschnitt nicht mehr korrekt abgelesen werden. Liegen die mutierten Sequenzen im Bereich von Genen, die das Zellwachstum beeinflussen (Onkogene, Tumorsuppressorgene), ist die Basis für maligne Transformationen geschaffen. Ist die UV-Exposition zu stark, kommt das körpereigene Reparatursystem mit der Schadensbegrenzung nicht mehr nach. Dann kann auch oft die Apoptose, die gezielte Einleitung eines Zelltodprogramms für DNA-geschädigte Zellen, nicht mehr helfen. Dieser Vorgang wird im Wesentlichen durch das Tumorsuppressorgen p53 reguliert. Interessanterweise führt UV-Licht präferenziell zu Mutationen im p53-Gen, und das bedeutet den Verlust dieses zusätzlichen Schutzmechanismus.

 

Zu den krebserzeugenden Effekten des UV-Lichts trägt auch seine unterdrückende Wirkung auf das Immunsystem bei. Unter anderem schädigt die UV-Strahlung dabei die Langerhanszellen, die zwischen den Keratinozyten der Epidermis (Oberhaut) eingebettet sind. Langerhanszellen erkennen körperfremde Substanzen an ihren Oberflächeneigenschaften, aktivieren ruhende T-Zellen und leiten damit eine gezielte Immunantwort gegen die körperfremde Substanz ein. Nach einer UV-Bestrahlung nehmen Funktion und Zahl der Langerhanszellen dosisabhängig ab. In der Folge werden maligne, entartete Zellen nicht mehr erkannt und deshalb vom Immunsystem nicht abgestoßen. Weiterhin wirkt UV-Strahlung systemisch immunsuppressiv.

 

Mehrfacher Stress für die Haut

 

Auch UV-A-Strahlen mit Wellenlängen von 320 bis 400 nm scheinen zur Karzinogenese beizutragen, wenn die Haut zu viel davon abbekommt. Ferner können sie eine Sonnenallergie, die polymorphe Lichtdermatose, verursachen und kollagene Bindegewebsfasern schädigen. Letzteres äußert sich als vorzeitige Hautalterung, als Photoaging.

 

Dabei nicht ganz unbeteiligt scheinen Infrarot-A-Strahlen zu sein, wie neuere Untersuchungen ergeben haben. In einem Wellenbereich von 760 bis 1400 nm dringen sie bis in die Subkutis (Unterhaut) vor und attackieren Mitochondrien. Dabei entsteht oxidativer Stress. Dieser setzt eine Zellschädigungskaskade in Gang, in deren Folge sich die Produktion kollagenabbauender Enzyme erhöht. Durch den Kollagenverlust verringern sich die Elastizität und das Wasserspeichervermögen des Bindegewebes. Einige Sonnenschutzprodukte (zum Beispiel Ladival®) enthalten Antioxidanzien zum Schutz vor IR-A-Strahlung.

 

Cremen gegen Krebs

 

Dass Sonnenschutzmittel tatsächlich in der Lage sind, Hautkrebs vorzubeugen, hat jetzt eine placebokontrollierte, randomisierte klinische Studie am Hauttumorcentrum der Berliner Charité bewiesen. Daran nahmen 60 Patienten teil, die eine Leber-, Nieren- oder Herztransplantation hinter sich hatten. Denn Patienten nach Organtransplantationen müssen sich verstärkt vor UV-Strahlung schützen, da sie ein bis zu 50 Prozent erhöhtes Risiko für Hautkrebs haben.

 

Die Patienten in der Placebogruppe betrieben während der zweijährigen Studienlaufzeit Sonnenschutz nach eigenem Ermessen. Die Verumpatienten erhielten ein einheitliches Präparat mit einem hohen Lichtschutzfaktor und einer Schutzwirkung gegen UV-A- und UV-B-Strahlen (Daylong® actinica), das sie nur gemäß genauer Anweisung anwendeten: Sie trugen täglich eine halbe Stunde vor dem Verlassen des Hauses eine Dosis von 2 mg/cm2 auf alle sonnenexponierten Hautareale auf. Zur weiteren Kontrolle wurde das abnehmende Gewicht des Sonnenschutzmittels überprüft. Alle Studienteilnehmer kamen in regelmäßigen Abständen zum Hautkrebs-Check in die Klinik.

 

Nach Studienende war die Zahl der aktinischen Keratosen in der Placebogruppe um knapp 40 Prozent gestiegen, in der Verumgruppe hingegen um 53 Prozent zurückgegangen. Neue invasive Plattenepithelkarzinome waren in der Verumgruppe überhaupt nicht aufgetreten, in der Vergleichsgruppe dagegen achtmal. Weiterhin gab neun neue Fälle von Basalzellkarzinom in der Placebogruppe, in der Verumgruppe dagegen zwei.

 

Tuben-Schutz gegen Turbo-Sonne

 

Bei der Auswahl des Sonnenschutzmittels sind individuelle Gegebenheiten zu berücksichtigen. So benötigen Kinder Sonnenschutzprodukte mit besonders hohen Schutzfaktoren. Die Formulierungen sollten wasserfest sein und nur wenige Duftstoffe enthalten (zum Beispiel Anthelios® Dermo-Kids, Eucerin® Kinder Intensiv Schutz). Während Menschen mit trockener Haut auf eine Extraportion Lipide achten sollten (zum Beispiel Anthelios® Milch), brauchen Personen, die zu Akne neigen, lipidarme Zubereitungen wie Gele.

 

Menschen mit lichtbedingten Hauterkrankungen wie der Polymorphen Lichtdermatose oder anderen photoallergischen und phototoxischen Reaktionen sollten auf hohen UV-A-Schutz setzen. Weiterhin benötigen sie am besten Produkte ohne allergene Zusatzstoffe, also Emulgatoren, Duft- und Konservierungsstoffe und besonders ohne Peroxid-bildende Inhaltsstoffe wie etwa Lipide (zum Beispiel Ladival® Allergische Haut). Denn zu den wichtigsten Auslösern von Sonnenallergien zählen sogenannte freie Radikale, die durch intensive UV-Belastung in der Haut gebildet werden.

 

Ist trotz aller Vorsichtsmaßnahmen (siehe Kasten) doch ein Sonnenbrand entstanden, heißt es erst mal raus aus der Sonne. Und die ist auch in den nächsten Tagen strikt zu meiden.

Besonnen sonnen: Tipps für die Beratung in der Apotheke

Sonnenschutz besteht nicht nur darin, die Haut mit geeigneten Präparaten zu versorgen. Er beinhaltet auch ein umsichtiges Verhalten, um den ganzen Körper vor den Schattenseiten des Sonnenlichts zu schützen. Dazu zehn Tipps:

 

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Undurchsichtig
Das beste Sonnenschutzmittel ist textiler Natur: sonnendichte Kleidung und ein Hut mit breiter Krempe. Beides hält einem die gefährlichen UV-Strahlen vom Leib.

Auf die Tube drücken
Unbedeckte Körperstellen mit einem Sonnenschutzmittel schützen. Dabei die Sonnenterrassen, insbesondere Nase, Ohren, Schultern, Dekolleté und Fußrücken, nicht vergessen.

Nur früh gecremt ist richtig geschützt
Die Schutzfunktion einer Sonnencreme mit chemischen Filtern wird erst nach rund 30 Minuten aktiv. Also am besten entsprechend früh eincremen, bevor man in die Sonne geht. Sonnenschutzmitteln mit physikalischen Filtern wie Titandioxid schützen dagegen direkt nach dem Auftragen.

Nicht kleckern, sondern klotzen
Viele Sonnenanbeter verwenden viel zu wenig Schutzmittel. Aber um die auf der Packung angegebene volle Lichtschutzwirkung zu erreichen, müssen ausreichende Mengen auf der Haut verteilt werden. Dazu wird der Körper in Zonen eingeteilt: Zone 1, das Gesicht, bekommt eine Fingerlänge Sonnenprodukt. Zone 2, 3 (Arme), Zone 4, 5 (Brust, Bauch), Zone 6, 7 (Vorderseite Beine), Zone 8, 9 (oberer und unterer Rücken) und Zone 10 und 12 (Rückseite Beine) werden mit je zwei Fingerlängen des Schutzmittels bedacht.

Für Wassernixen
Nach dem Baden und Abtrocknen das Sonnenschutzmittel erneut auftragen, auch wenn es »wasserfest« ist.

Siesta für die Haut
Die beste Zeit für Unternehmungen im Freien ist vormittags und nachmittags. Zwischen 11 und 15 Uhr lieber die Zeit im Schatten verbringen.

Die »Schatten-Regel«
Wenn der Schatten kürzer als die eigene Körperlänge ist, besteht besonders große Gefahr einer UV-bedingten Hautschädigung.

Babypause
Säuglinge und Kleinkinder unter einem Jahr gehören nicht in die pralle Sonne. Ihre Eigenschutzmechanismen sind noch nicht voll entwickelt.

Schattenkinder
Kinder immer mit T-Shirt und Sonnenhut bekleiden, und am besten im Schatten spielen lassen. Sonnenschutz ist selbstverständlich.

Individueller Lichtschutz
Per Internet (www.uv-check.de) und Handy lassen sich für fast jeden Ort in Europa kostenlos die Bestrahlungsintensitäten abrufen und für den jeweiligen Hauttyp die maximale Eigenschutzzeit der Haut und einen entsprechenden Lichtschutzfaktor bestimmen. Diesen Service bietet der Berufsverband der Deutschen Dermatologen und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

 

Kühlen und beruhigen

 

Kalte, feuchte Umschläge helfen gegen den Juckreiz, die Schmerzen und das Fortschreiten der Entzündung. Dazu Baumwoll- oder Leinenlappen in kaltes Leitungswasser tauchen (das Wasser bei Hautdefekten erst abkochen und erkalten lassen) und zehn bis zwanzig Minuten auf die Haut legen. Die Tücher können auch in einem erkalteten Teeaufguss, zum Beispiel aus Schachtelhalmkraut oder schwarzem Tee, getränkt werden. Möglich ist auch ein Zusatz von Tanninen (zum Beispiel Tannolact®).

 

Achtung: Bei Verbrennungen darf nicht mit Eis oder Cool-Packs gekühlt werden, da sonst eine Kälteschädigung der Haut drohen kann. Auch der ab und an empfohlene Quark sollte nicht aufgetragen werden, da es aufgrund der darin lebenden Bakterien zu Infektionen kommen kann. Und enthaltene Eiweißstoffe können auf der geschwächten Haut zu Unverträglichkeiten und allergischen Reaktionen führen.

 

Zum Kühlen dienen auch Lotio alba aquosa oder andere wasserhaltige Zubereitungen (zum Beispiel Bepanthen Schaumspray®). Sehr fetthaltige Präparate sollten dagegen nicht eingesetzt werden, um nicht durch die okklusive Wirkung die Wärmeabgabe zu behindern und die Entzündungsreaktion zu verstärken. Am besten zur Therapie geeignet sind Öl-in-Wasser-Emulsionen mit hohem Wassergehalt. Sie kühlen durch ihre Verdunstungskälte, und die enthaltenen Lipide stellen die Permeabilitätsbarriere der Haut wieder her.

 

Topische Antihistaminika in Gelform sind dagegen umstritten. Den ohne Zweifel vorhandenen Kühleffekt schreibt man der Grundlage zu, eine zusätzliche Wirkung ist bei Sonnenbrand nicht belegt. Außerdem sind Sensibilisierungen möglich. Dasselbe gilt übrigens für Topika, die Pflanzenextrakte wie von Aloe vera enthalten. Von Après-Sun-Lotions in diesem Stadium abzuraten. Sie enthalten oft Parfumstoffe und irritieren die Haut noch zusätzlich.

 

Bei starker Entzündung oder heftigem Juckreiz bringen Topika mit Corticoiden (zum Beispiel Systral® Hydrocort) oder Bufexamac (zum Beispiel Parfenac®) Linderung. Auch hier gilt: Der Arzneistoff sollte in eine wasserhaltige Lotion- oder Creme-Grundlage eingearbeitet sein. Gegen den Schmerz hilft die frühzeitige Einnahme eines Analgetikums, etwa mit Acetylsalicylsäure oder Paracetamol. Antihistaminika als Tablette lindern den Juckreiz und die Gefäßerweiterung und sind am besten abends einzunehmen. Der dämpfende Effekt ist zur Beruhigung des Patienten vorteilhaft.

Die Auswahl des Lichtschutzfaktors

Der Lichtschutzfaktor gibt an, wie viel länger man sich mit einem Sonnenschutzmittel der Sonne aussetzen kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, als dies mit der individuellen Eigenschutzzeit der Haut möglich wäre. Er bezieht sich allerdings nur auf UV-B-Strahlen. Für die Messung von Schutzwirkung gegen UV-A gibt es kein international anerkanntes Verfahren.

 

Das Bundessamt für Strahlenschutz empfiehlt für empfindliche und nicht-lichtgewöhnte Haut mindestens einen Lichtschutzfaktor von 15. Ansonsten mindestens doppelt so hoch wie die aktuelle Strahlungsintensität, also der UV-Index (für Deutschland abrufbar unter www.uv-index.de).

 

Nun kann jeder ausrechnen, wie lange er höchstens in der Sonne bleiben kann. Dazu den ausgewählten Lichtschutzfaktor mit der niedrigsten individuellen Eigenschutzzeit der Haut multiplizieren. Diese richtet sich nach dem Hauttyp:

 

Hauttyp I: Menschen mit auffallend heller Haut, Sommersprossen, rötlichen Haaren sowie blauen Augen. Eigenschutzzeit 5 bis 10 Minuten.

Hauttyp II: Menschen mit heller Haut, blonden Haaren und blauen, grauen oder grünen Augen. Eigenschutzzeit 10 bis 20 Minuten.

Hauttyp III: Menschen mit dunkelblonden oder dunklen Haaren und grauen oder braunen Augen. Eigenschutzzeit 20 bis 30 Minuten.

Hauttyp IV: Menschen mit dunkler Haut, dunklen oder schwarzen Haaren sowie braunen Augen. Eigenschutzzeit 30 bis 45 Minuten.

 

Man sollte die berechnete maximale Sonnenzeit nicht komplett ausschöpfen. Rückzug aus der Sonne ist zudem geboten, sobald Rötungen sichtbar werden. Nachcremen verlängert die maximale Sonnenzeit übrigens nicht, sondern es verhindert nur dessen Wirkverlust des Sonnenschutzmittels durch Wasser, Schwitzen und Abrieb.

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