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Sonnenbrand

Nur nicht rot werden

14.07.2008
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Besonnen sonnen: Tipps für die Beratung in der Apotheke

Sonnenschutz besteht nicht nur darin, die Haut mit geeigneten Präparaten zu versorgen. Er beinhaltet auch ein umsichtiges Verhalten, um den ganzen Körper vor den Schattenseiten des Sonnenlichts zu schützen. Dazu zehn Tipps:

 

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Undurchsichtig
Das beste Sonnenschutzmittel ist textiler Natur: sonnendichte Kleidung und ein Hut mit breiter Krempe. Beides hält einem die gefährlichen UV-Strahlen vom Leib.

Auf die Tube drücken
Unbedeckte Körperstellen mit einem Sonnenschutzmittel schützen. Dabei die Sonnenterrassen, insbesondere Nase, Ohren, Schultern, Dekolleté und Fußrücken, nicht vergessen.

Nur früh gecremt ist richtig geschützt
Die Schutzfunktion einer Sonnencreme mit chemischen Filtern wird erst nach rund 30 Minuten aktiv. Also am besten entsprechend früh eincremen, bevor man in die Sonne geht. Sonnenschutzmitteln mit physikalischen Filtern wie Titandioxid schützen dagegen direkt nach dem Auftragen.

Nicht kleckern, sondern klotzen
Viele Sonnenanbeter verwenden viel zu wenig Schutzmittel. Aber um die auf der Packung angegebene volle Lichtschutzwirkung zu erreichen, müssen ausreichende Mengen auf der Haut verteilt werden. Dazu wird der Körper in Zonen eingeteilt: Zone 1, das Gesicht, bekommt eine Fingerlänge Sonnenprodukt. Zone 2, 3 (Arme), Zone 4, 5 (Brust, Bauch), Zone 6, 7 (Vorderseite Beine), Zone 8, 9 (oberer und unterer Rücken) und Zone 10 und 12 (Rückseite Beine) werden mit je zwei Fingerlängen des Schutzmittels bedacht.

Für Wassernixen
Nach dem Baden und Abtrocknen das Sonnenschutzmittel erneut auftragen, auch wenn es »wasserfest« ist.

Siesta für die Haut
Die beste Zeit für Unternehmungen im Freien ist vormittags und nachmittags. Zwischen 11 und 15 Uhr lieber die Zeit im Schatten verbringen.

Die »Schatten-Regel«
Wenn der Schatten kürzer als die eigene Körperlänge ist, besteht besonders große Gefahr einer UV-bedingten Hautschädigung.

Babypause
Säuglinge und Kleinkinder unter einem Jahr gehören nicht in die pralle Sonne. Ihre Eigenschutzmechanismen sind noch nicht voll entwickelt.

Schattenkinder
Kinder immer mit T-Shirt und Sonnenhut bekleiden, und am besten im Schatten spielen lassen. Sonnenschutz ist selbstverständlich.

Individueller Lichtschutz
Per Internet (
www.uv-check.de) und Handy lassen sich für fast jeden Ort in Europa kostenlos die Bestrahlungsintensitäten abrufen und für den jeweiligen Hauttyp die maximale Eigenschutzzeit der Haut und einen entsprechenden Lichtschutzfaktor bestimmen. Diesen Service bietet der Berufsverband der Deutschen Dermatologen und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

 

Kühlen und beruhigen

 

Kalte, feuchte Umschläge helfen gegen den Juckreiz, die Schmerzen und das Fortschreiten der Entzündung. Dazu Baumwoll- oder Leinenlappen in kaltes Leitungswasser tauchen (das Wasser bei Hautdefekten erst abkochen und erkalten lassen) und zehn bis zwanzig Minuten auf die Haut legen. Die Tücher können auch in einem erkalteten Teeaufguss, zum Beispiel aus Schachtelhalmkraut oder schwarzem Tee, getränkt werden. Möglich ist auch ein Zusatz von Tanninen (zum Beispiel Tannolact®).

 

Achtung: Bei Verbrennungen darf nicht mit Eis oder Cool-Packs gekühlt werden, da sonst eine Kälteschädigung der Haut drohen kann. Auch der ab und an empfohlene Quark sollte nicht aufgetragen werden, da es aufgrund der darin lebenden Bakterien zu Infektionen kommen kann. Und enthaltene Eiweißstoffe können auf der geschwächten Haut zu Unverträglichkeiten und allergischen Reaktionen führen.

 

Zum Kühlen dienen auch Lotio alba aquosa oder andere wasserhaltige Zubereitungen (zum Beispiel Bepanthen Schaumspray®). Sehr fetthaltige Präparate sollten dagegen nicht eingesetzt werden, um nicht durch die okklusive Wirkung die Wärmeabgabe zu behindern und die Entzündungsreaktion zu verstärken. Am besten zur Therapie geeignet sind Öl-in-Wasser-Emulsionen mit hohem Wassergehalt. Sie kühlen durch ihre Verdunstungskälte, und die enthaltenen Lipide stellen die Permeabilitätsbarriere der Haut wieder her.

 

Topische Antihistaminika in Gelform sind dagegen umstritten. Den ohne Zweifel vorhandenen Kühleffekt schreibt man der Grundlage zu, eine zusätzliche Wirkung ist bei Sonnenbrand nicht belegt. Außerdem sind Sensibilisierungen möglich. Dasselbe gilt übrigens für Topika, die Pflanzenextrakte wie von Aloe vera enthalten. Von Après-Sun-Lotions in diesem Stadium abzuraten. Sie enthalten oft Parfumstoffe und irritieren die Haut noch zusätzlich.

 

Bei starker Entzündung oder heftigem Juckreiz bringen Topika mit Corticoiden (zum Beispiel Systral® Hydrocort) oder Bufexamac (zum Beispiel Parfenac®) Linderung. Auch hier gilt: Der Arzneistoff sollte in eine wasserhaltige Lotion- oder Creme-Grundlage eingearbeitet sein. Gegen den Schmerz hilft die frühzeitige Einnahme eines Analgetikums, etwa mit Acetylsalicylsäure oder Paracetamol. Antihistaminika als Tablette lindern den Juckreiz und die Gefäßerweiterung und sind am besten abends einzunehmen. Der dämpfende Effekt ist zur Beruhigung des Patienten vorteilhaft.

Die Auswahl des Lichtschutzfaktors

Der Lichtschutzfaktor gibt an, wie viel länger man sich mit einem Sonnenschutzmittel der Sonne aussetzen kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen, als dies mit der individuellen Eigenschutzzeit der Haut möglich wäre. Er bezieht sich allerdings nur auf UV-B-Strahlen. Für die Messung von Schutzwirkung gegen UV-A gibt es kein international anerkanntes Verfahren.

 

Das Bundessamt für Strahlenschutz empfiehlt für empfindliche und nicht-lichtgewöhnte Haut mindestens einen Lichtschutzfaktor von 15. Ansonsten mindestens doppelt so hoch wie die aktuelle Strahlungsintensität, also der UV-Index (für Deutschland abrufbar unter www.uv-index.de).

 

Nun kann jeder ausrechnen, wie lange er höchstens in der Sonne bleiben kann. Dazu den ausgewählten Lichtschutzfaktor mit der niedrigsten individuellen Eigenschutzzeit der Haut multiplizieren. Diese richtet sich nach dem Hauttyp:

 

Hauttyp I: Menschen mit auffallend heller Haut, Sommersprossen, rötlichen Haaren sowie blauen Augen. Eigenschutzzeit 5 bis 10 Minuten.

Hauttyp II: Menschen mit heller Haut, blonden Haaren und blauen, grauen oder grünen Augen. Eigenschutzzeit 10 bis 20 Minuten.

Hauttyp III: Menschen mit dunkelblonden oder dunklen Haaren und grauen oder braunen Augen. Eigenschutzzeit 20 bis 30 Minuten.

Hauttyp IV: Menschen mit dunkler Haut, dunklen oder schwarzen Haaren sowie braunen Augen. Eigenschutzzeit 30 bis 45 Minuten.

 

Man sollte die berechnete maximale Sonnenzeit nicht komplett ausschöpfen. Rückzug aus der Sonne ist zudem geboten, sobald Rötungen sichtbar werden. Nachcremen verlängert die maximale Sonnenzeit übrigens nicht, sondern es verhindert nur dessen Wirkverlust des Sonnenschutzmittels durch Wasser, Schwitzen und Abrieb.

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