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Hüter der Nation

11.07.2018
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Hüter der Nation

Die fünf Experten der Monopolkommission gelten mitunter als Wett­bewerbshüter der Nation. Nichts liegt ihnen so sehr am Herzen wie der strenge Wettstreit der Unternehmen. Doch mit ihrem aktuellen Gut­achten schießt die Kommission über das Ziel hinaus. Apotheker sollten die Preise für rezeptpflichtige Arzneimittel weitgehend frei kalkulieren, schlägt sie darin vor (lesen Sie dazu Monopolkommission: Mehr Wettbewerb durch freie Preise). Neben einer Grundvergütung durch die Krankenkassen sollen sie von ihren Patienten einen Beitrag verlangen, der die individuellen Leistungen der Apotheke abdeckt. Service kostet extra, könnte man also sagen – und das ausgerechnet im sensiblen Gesundheitssystem.

 

Wer krank ist, sollte nicht auf Schnäppchenjagd gehen müssen, um den besten Preis für sein Arzneimittel aufzuspüren. Vielmehr sind Menschen in dieser Situation ganz besonders auf Beratung und Service angewiesen. Eine gute Versorgung darf dabei nicht vom Geldbeutel abhängen, so viel steht fest. Genau darauf könnten die Vorschläge der Kommission aber hinaus­laufen, wenn sie Preiswettbewerb zur Maxime erklären, der letztlich zulasten der Qualität gehen muss.

 

Hinzu kommt: Vor allem Patienten auf dem Land wären die Verlierer einer solchen Reform. Denn wer in einer Region mit vergleichsweise weni­gen Apotheken wohnt, müsste unter Umständen mehr für seine Präparate bezahlen als Menschen in der Stadt, wo viele Apotheken mit­einander konkurrieren. Bereits heute gibt es in vielen Lebensbereichen ein Gefälle zwischen Stadt und Land. Freie Preise für rezeptpflichtige Arznei­mittel könnten das Problem weiter verschärfen. Davon könnte am Ende vor allem der Versandhandel profitieren und eben nicht die kleine Apotheke im Dorf.

 

Das Gutachten haben die Hüter des Wettstreits der Bundesregierung als Empfehlung für Reformen überreicht. Wirklich neu sind die Vorschläge zum Arzneimittelmarkt dabei nicht. Bislang hat die Politik dennoch stets an der Preisbindung im Rx-Markt festgehalten. Bleibt zu hoffen, dass auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf den Vorstoß der Monopol­kommission entsprechend reagiert – seinerseits als Hüter einer sicheren und guten Arzneimittelversorgung.

 

Stephanie Schersch

Ressortleitung Politik und Wirtschaft

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