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Monopolkommission

Apotheker halten Vorschläge für Nonsens

Im Vorfeld der anstehenden Neuordnung der Apothekenvergütung hat sich die Monopolkommission erneut für mehr Wettbewerb im Apothekenmarkt ausgesprochen: Konkret fordern die fünf Wirtschaftsexperten, die Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten aufzuheben. Zudem wollen sie den Rx-Versandhandel beibehalten. Die Apotheker kritisieren die Vorschläge als »realitätsfern«.
Ev Tebroke
10.12.2018
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»Die Monopolkommission fordert wieder mal eine unkontrollierte Liberalisierung der Apothekenlandschaft und tut so, als ginge es um eine x-beliebige Einzelhandelsbranche mit x-beliebigen Gütern «, erklärt Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands (DAV). »Diese Forderung wird auch durch ständige Wiederholung nicht sinnvoll «, sagte er mit Blick auf das bereits im Juni dieses Jahres präsentierte Hauptgutachten der Kommission. Die dort vorgestellten Ideen wurden heute erneut in einer Zusammenfassung veröffentlicht. Anlass ist die Anhörung des Wirtschaftsausschusses des Bundestags, in deren Verlauf das Gutachten zur Apothekenhonorierung der Agentur 2HM diskutiert wird.

Das Expertengremium rund um den Vorsitzenden Professor Achim Wambach, das die Bundesregierung in Wettbewerbsfragen berät, plädiert dafür, auch Vor-Ort-Apotheken Rabatte auf Rx-Medikamente zu ermöglichen. Anhand des 2HM-Honorargutachtens, das das Bundewirtschaftsministerium in Auftrag gegeben hatte, zeige sich das strukturelle Problem des heutigen Vergütungsmodells, so die Einschätzung. Der bislang geltende Einheitspreis stehe den Versorgungszielen entgegen, weil er regionalen Anforderungen nicht genügend Rechnung trüge, so die These.

Drohendes Stadt-Land-Gefälle

Die Vorschläge der Monopolkommission bedeuteten nichts anderes, als »dass Apotheken sich mit Rabatten unterbieten sollen, die höher sind als ihre Einnahmen «, kritisiert Becker. Wie man so eine flächendeckende Versorgung hinbekommen wolle, sei ihm schleierhaft. Die Apotheker betonen zudem die Gefahr eines Stadt-Land-Gefälles, bei dem Patienten in Vororten und auf Dörfern zukünftig mehr für ihre Gesundheit bezahlen müssten als Menschen in Ballungszentren. Das widerspreche komplett dem Solidargedanken der Gesetzlichen Krankenversicherung, so Becker. Darüber hinaus werde der Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln als Lösung für ein Problem gepriesen, das ohne den Versandhandel gar nicht entstünde. Die Monopolkommission selbst habe in ihrem Hauptgutachten erst jüngst davor gewarnt, dass ausgeklügelte Algorithmen bei der Preisgestaltung von Online-Angeboten Verbraucher immer öfter in Situationen bringen, in denen sie draufzahlen.

»Mit solchen realitätsfernen Weltideen kommen wir nicht weiter «, kritisiert der DAV-Vorsitzende. Es brauche eine seriöse Diskussion um die Sicherung der flächendeckenden Arzneimittelversorgung. Eine solche soll es am Dienstag geben. Dann will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) den Apothekern im Rahmen der ABDA-Mitgliederversammlung seine Pläne zur Sicherung der flächendeckenden Arzneimittel-Versorgung präsentieren. Die Apotheker erhoffen sich Becker zufolge »konkrete und praktikable Vorschläge, die die Versorgung tatsächlich verbessern und zugleich auch jungen Apothekern eine echte Perspektive geben «.

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