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Mukoviszidose

Gentherapie mit moderatem Erfolg

07.07.2015
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Von Christina Müller / Einen neuen, gentherapeutischen Ansatz zur Behandlung von Patienten mit Mukoviszidose haben britische Forscher in einer Phase-II-Studie getestet. Im Vergleich zu einer Placebo-Gruppe zeigten die behandelten Patienten eine signifikante, wenn auch moderate Verbesserung der Lungenfunktion.

 

Die Autoren um Professor Dr. Eric Alton vom Imperial College in London werten dies in der Fachzeitschrift »The Lancet Respiratory Medicine« dennoch als Fortschritt (DOI: 10.1016/S2213-2600(15)00245-3).

Getestet wurde das inhalativ zu applizierende DNA-Molekül pGM169/GL67A. Es codiert für ein intaktes Gen, das zur Synthese des Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance (CFTR)-Proteins benötigt wird. Die zwei Jahre dauernde randomisierte, doppelblinde Studie schloss 136 Mukoviszidose-Patienten ein, die älter als zwölf Jahre waren. Jeder Proband erhielt ein Jahr lang einmal monatlich entweder das Verum oder 0,9-prozentige Kochsalzlösung als Placebo. Die Lungenfunktion wurde anhand der Einsekundenkapazität (FEV1) ermittelt.

 

Bei den 62 Patienten, die die Gentherapie erhalten hatten, zeigte sich am Ende des Behandlungszyklus ein im Schnitt um knapp 4 Prozent größerer FEV1-Wert als bei den Patienten der Placebo-Gruppe. Die Autoren werten dieses Ergebnis zwar eher als eine Stabilisierung der Lungenfunktion und weniger als eine Verbesserung. Dies sei jedoch an sich schon ein »lohnendes Ziel«. Klinisch relevante Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.

 

Außerdem ergaben sich Anhaltspunkte dafür, dass Patienten mit einer besonders schlechten Lungenfunktion überdurchschnittlich stark von der Behandlung profitieren könnten. Ihre Einsekundenkapazitäten lagen im Mittel mehr als 6 Prozent über denen vergleichbarer Probanden aus der Placebo-Gruppe. Um diesem Hinweis nachzugehen, sei nun eine größer angelegte Studie nötig, die eine ausreichende Anzahl Probanden einschließe, um Untergruppen zu analysieren, so die Forscher.

 

Bei Patienten mit Mukoviszidose oder auch zystischer Fibrose liegen verschiedene Gendefekte vor, die eine fehlerhafte Synthese des CFTR-Proteins zur Folge haben. Dieses Transmem­bran-Protein dient unter anderem in den Epithelzellen des Bronchialgewebes als Chloridionen-Kanal. Ist seine Funktionsfähigkeit eingeschränkt oder nicht vorhanden, wird weniger Chlorid ins Lumen abgegeben. In der Folge steigt die Natriumionen-Rückresorp­tion, der Wassergehalt im Bronchial­sekret nimmt ab und seine Viskosität zu. Gleichzeitig sinkt die mukoziliäre Clearance. Der Schleim staut sich in der Lunge, die Atemwege verengen sich und werden oft von pathogenen Keimen besiedelt. Mukoviszidose ist die häufigste autosomal-rezessive Erkrankung, die zum Tode führt. Eine kausale Therapie ist bislang nicht möglich. / 

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