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Mukoviszidose

Grünes Licht für Dreier-Kombi

Der Ausschuss für Humanarzneimittel der EMA hat die Zulassung von Kaftrio®, eine Dreifachkombination aus Elexacaftor, Tezacaftor und Ivacaftor, empfohlen. Das neue Präparat wäre für viele Mukoviszidose-Patienten eine neue Therapie-Option.
Kerstin A. Gräfe
27.06.2020
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Die zystische Fibrose (Mukoviszidose) ist in Europa die häufigste angeborene Stoffwechselerkrankung. Es sind mittlerweile rund 2000 Mutationen im Gen des »Cystic Fibrosis Transmembrane Conductance Regulator« (CFTR) bekannt, die bei den Betroffenen zu einer unterschiedlichen Ausprägung der Erkrankung führen können. Die häufigste Mutation trägt das Kürzel F508del und liegt bei rund 90 Prozent der Mukoviszidose-Patienten vor.

CFTR fungiert an der Zelloberfläche als Chloridkanal. Wenn das Protein fehlgefaltet ist oder fehlt, ist der Salz- und Wasseraustausch gestört. In der Folge bildet sich an den Schleimhäuten aufgrund des verminderten Wassergehalts ein zähflüssiger Schleim. Es kommt zu Schädigungen der Lunge, des Verdauungssystems und anderer Organe. Zur Behandlung werden CFTR-Korrektoren wie Lumacaftor und Tezacaftor eingesetzt. Sie korrigieren die Fehlfaltung des Proteins und erhöhen die Anzahl von CFTR an der Zelloberfläche. Durch die Kombination mit dem CFTR-Potenziator Ivacaftor wird die Funktionalität verbessert. CFTR-Korrektoren und Potenziatoren wirken also synergistisch.

Seit 2018 ist die Fixkombination aus Tezacaftor und Ivacaftor (Symkevi® von Vertex Pharmaceuticals) zur Behandlung von Patienten zugelassen, die entweder homozygot für die F508del-Mutation sind oder heterozygot und eine von 14 Restfunktions-Mutationen tragen. Das betrifft etwa 50 Prozent der CF-Patienten. Um das Anwenderkollektiv zu erweitern, hat Vertex nun mit Elexacaftor einen weiteren CFTR-Korrektor entwickelt. Gedacht ist Kaftrio® (100 mg Elexacaftor, 50 mg Tezacaftor und 75 mg Ivacaftor) für Mukoviszidose-Patienten ab einem Alter von zwölf Jahren, die homozygot oder heterozygot für die Mutation F508del im CFTR-Gen mit einer Minimalfunktionsmutation (MF-Mutation) sind.

Laut EMA ist die neue Dreier-Kombination die erste Behandlungsoption, die bei Mukoviszidose-Patienten mit der Mutation F508del auf einem Allel und einer MF-Mutation auf dem zweiten Allel wirksam ist. Des Weiteren können mit dem neuen Präparat auch Patienten therapiert werden, die homozygot für die F508del-Mutation sind.  Diese beiden Gruppen stellen zusammen etwa 90 Prozent aller Mukoviszidose-Patienten dar.

Die Sicherheit und Wirksamkeit wurden in zwei klinischen Studien mit mehr als 500 Patienten untersucht. In beiden verbesserte Kaftrio signifikant die Lungenfunktion. In der ersten Studie mit Patienten, die heterozygot für F508del mit einer MF-Mutation waren, erhöhte sich im Vergleich zur Placebo die Lungenfunktion um 14,3 Prozentpunkte. An der zweiten Studie nahmen Patienten, die homozygot für eine F508del-Mutation waren teil; als Vergleich diente Symkevi. Hier erhöhte die Dreifachkombination die Lungenfunktion um 10 Prozentpunkte.

Das Sicherheitsprofil glich dem der Zweifachkombi. Als häufigste Nebenwirkungen traten Kopfschmerzen, Durchfall und Infektionen der oberen Atemwege auf.

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