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Hirnblutung nach Headbanging

09.07.2014
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Motörhead ist eine der härtesten Bands der Welt, das bestätigen jetzt sogar Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH): Exzessives Headbanging zu dieser Musik kann chronische Subduralhämatome verursachen.

 

Einen entsprechenden Fall stellen die Mediziner um Dr. Ariyan Pirayesh Islamian im britischen Fachjournal »The Lancet« vor (doi: 10.1016/S0140-6736(14)60923-5). Es handelt sich um einen 50-jährigen Heavy-Metal-Fan, der sich in der neurochirurgischen Abteilung der MHH vorstellte und zu diesem Zeitpunkt seit zwei Wochen unter chronischen, stärker werdenden Kopfschmerzen im gesamten Schädel litt.

 In CT-Aufnahmen stellten die Mediziner als Ursache der Schmerzen eine Einblutung in den Subduralraum fest, also in den Spalt zwischen harter Hirnhaut (Dura mater) und Spinngewebshaut (Arachnoidea). Diese konnten sie beseitigen, indem sie ein Loch in die Schädeldecke bohrten und über sechs Tage mit einem Schlauch die überschüssige Flüssigkeit entfernten. Damit verschwanden auch die Schmerzen. Bei einer Nachuntersuchung nach zwei Monaten war der Patient frei von neurologischen Symptomen, berichten die Mediziner.

 

Der Grund für die Einblutung blieb aber eine Weile unklar. Die Anamnese war unauffällig und Drogengebrauch wurde negiert, von Stürzen oder Schlägen auf den Kopf konnte der Patient nicht berichten. Allerdings hatte er vier Wochen vor dem Krankenhausbesuch ein Konzert der Band Motörhead besucht und dort Headbanging betrieben. Die abrupten Kopfbewegungen bei dieser Tanzform führten vermutlich zum Reißen von verbindenden Gefäßen im Subduralraum und lösten das chronische Hämatom aus, so die Mediziner. Dies sei der erste in der Literatur beschriebene derartige Fall.

 

Dass Headbanging nicht risikolos ist, wusste man allerdings schon vorher: Bekannte mögliche Folgen von Headbanging reichen von Schleudertrauma über Karotis-Dissektion (Beschädigung der Halsschlagader) bis hin zu Frakturen der Halswirbel. /

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